Prinz William und Kate: Fünf Fragen an Jürgen Wörlitz

Zum Thronfolger reicht es noch nicht

Jürgen Worlitz, 61, Buchautor und Adels-Experte, ist Williams Mutter, Prinzessin Diana, mehrfach begegnet.

1. Ist die angekündigte Hochzeit des britischen Prinzen William mit Kate Middleton die passende Gelegenheit für Prinz Charles, auf seine Thronfolge zu verzichten?

Jürgen Worlitz:

Nein. Im Moment ist die Thronfolge absolut klar geregelt, nach der Queen folgt Prinz Charles. Aber wenn die Queen noch eine Weile auf dem Thron sitzt und Prinz Charles sein Rentenalter erreicht, kann er ohne Gesichtsverlust zugunsten von Prinz William auf den Thron verzichten. Zurzeit ist Prinz William allerdings nicht annähernd der Aufgabe als Thronfolger gewachsen. Er hat bisher kaum etwas für die Krone geleistet. Zweimal im Jahr nach Afrika zu reisen und gelegentlich Obdachlosenheime zu besuchen reicht nicht aus.

2. Wie sehr redet der Hof bei persönlichen Entscheidungen wie einer Verlobung mit?

Worlitz:

Der Hof hat ein großes Mitspracherecht. Die Queen sowie die englische Regierung müssen die Hochzeit genehmigen. Genehmigen bedeutet, dass die Familie von Kate durchleuchtet wird, um festzustellen, ob die Frau in das Königshaus passt. Sie passt natürlich aufgrund ihrer bürgerlichen Herkunft nicht, was jedoch in allen Monarchien Europas mittlerweile akzeptiert wird. Die Queen hat weniger ein Mitspracherecht als ein Vetorecht. Sie kann die Ehe ablehnen, woraufhin Prinz William auf seine Thronfolgerechte verzichten müsste.

3. Nimmt die Hochzeit im Frühling oder Sommer 2011 den britischen Königshaus-Kritikern erst mal den Wind aus den Segeln?

Worlitz:

Grundsätzlich erleben die Briten durch diese Hochzeit einen wahnsinnigen Aufschwung in Richtung "pro Monarchie". Die Briten sind wirtschaftlich gebeutelt, es herrscht Krisenstimmung. Diese Hochzeit löst in erster Linie Optimismus im Volk aus.

4. Wie glücklich kann jemand werden, der seine Beziehung so in der Öffentlichkeit präsentieren muss?

Worlitz:

Im Gegensatz zu Prinz Charles und Diana ist Kate Williams einzige Herzensdame. Da es eine Zweierbeziehung ist, hängt das Glück dieser nur an den beiden. Die Voraussetzungen stehen im Moment hervorragend, denn sie haben sich lange geprüft. Abgesehen davon ist Kate sehr viel klüger als Diana.

5. Hat eine "Bürgerliche" immer ein Problem, sich in einer Adelsfamilie wohlzufühlen?

Worlitz:

Für eine Bürgerliche ist es überaus schwierig, sich in die Hofetikette einzufügen. Wenn die Queen jedoch den Thron freiwillig räumen sollte, wird durch Charles sowieso eine Modernisierung innerhalb des Buckingham-Palastes stattfinden. Mit seinem Sohn William wird es eine weitere Modernisierung geben - und frischen Wind. Auf lange Sicht muss sich Kate also keine Sorgen machen. Das Königshaus driftet Richtung Volksnähe und läuft Gefahr, so gewöhnlich zu werden, dass es sich selbst erübrigt.