Wäre am Sonntag Bürgerschaftswahl in Hamburg, würde der Senat vermutlich anders aussehen. Union liegt gleichauf mit SPD.

Hamburg. Diese Umfrage lässt bei der Hamburger CDU die Alarmglocken schrillen: Die Regierungspartei stürzt erdrutschartig auf nur noch 31 Prozent ab - gleichauf mit der oppositionellen SPD. Zuletzt war die Partei von Bürgermeister Ole von Beust im Dezember 2009 noch auf 38 Prozent gekommen. Bei der Bürgerschaftswahl Ende Februar 2008 war die CDU als mit Abstand stärkste Partei bei 42,6 Prozent gelandet.

Das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap hat im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks 1000 Hamburger zwischen dem 17. und 21. Februar befragt. Dabei kam auch heraus, dass das schwarz-grüne Bündnis keine Mehrheit hätte, wenn am Sonntag gewählt würde. Die GAL erreicht zwar mit 16 Prozent einen Höchststand in Umfragen (Bürgerschaftswahl 2008: 9,6 Prozent). Aber zusammen kommen CDU und GAL nur auf 47 Prozent.

Dagegen können sich die Linken auf zehn Prozent verbessern, die FDP könnte mit sieben Prozent nach 2004 wieder in die Bürgerschaft einziehen. Insgesamt kommen SPD, Linke und FDP auf 48 Prozent. Die Sozialdemokraten können von der Schwäche der CDU aber bislang nicht profitieren: Die SPD erreichte 2008 noch 34,1 Prozent und lag auch bei einer Abendblatt-Umfrage Ende 2009 bei 34 Prozent.

"Die SPD kann in Hamburg stärkste Partei werden", frohlockte der SPD-Landesvorsitzende Olaf Scholz dennoch angesichts des Patts zwischen den beiden Volksparteien. Der Sozialdemokrat sieht den Umfrage-Absturz der Union als "Quittung für eine überhebliche und bürgerferne Politik des Senats".

CDU-Parteichef Michael Freytag nannte die 31 Prozent für seine Partei einen "Warnschuss, den wir nicht überhören dürfen". Zwar hätten Regierungen typischerweise zur Mitte der Legislaturperiode schlechte Werte. "Dennoch sind wir mit diesem Ergebnis sehr unzufrieden", sagte Freytag. "Wir müssen die Köpfe und die Herzen der Menschen erreichen."

Die Hamburger gehen mit dem schwarz-grünen Senat insgesamt hart ins Gericht. 69 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit der Landesregierung weniger oder gar nicht zufrieden. Nur 27 Prozent sind zufrieden. Im Streit um die Schulreform sind die Hamburger gespalten. 46 Prozent sind für ein Festhalten an der vierjährigen Grundschule, während 45 Prozent für die Einführung der sechsjährigen Primarschule stimmen.