Wahl: Der Bürgermeister wurde mit 69 Stimmen im Amt bestätigt und erhielt damit auch eine Stimme aus dem Oppositionslager

Vereidigt: Hamburg hat Schwarz-Grün

Während sich der neue Senat im Plenarsaal ausgiebig feiern ließ, grübelten SPD und Linke darüber, wer der Abweichler war.

"Mit Ja stimmten 69 Abgeordnete..." - Weiter kam Bürgerschaftspräsident Berndt Röder bei der Verkündung von Ole von Beusts Wahlergebnis um 15.28 Uhr nicht. Während es von der GAL freundlichen, aber hanseatisch zurückhaltenden Applaus gab, brach die CDU-Fraktion in Jubel aus. Die Abgeordneten sprangen auf und applaudierten minutenlang für den alten und neuen Bürgermeister. Der verkehrspolitische Sprecher Klaus-Peter Hesse und Fraktionsgeschäftsführer Frank Schwippert stürmten nach vorne und klatschten den Fraktionsvorsitzenden Frank Schira ab, andere Abgeordnete fielen sich in die Arme. Die zu diesem Zeitpunkt noch amtierende Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram fiel Ole von Beust um den Hals und küsste ihn herzlich auf die Wange. So fröhlich kann Politik sein.

Zwar hatte im Vorfeld niemand wirklich daran gezweifelt, dass Ole von Beust wiedergewählt werden würde. Und doch gestand selbst der Erste Bürgermeister ein, "schon etwas Bammel" gehabt zu haben. Bei einer geheimen Wahl könne man schließlich nie wissen. Und so hielt er die Erwartungen noch Minuten vor der Abstimmung bewusst gering. "Alles über 61 Stimmen ist in Ordnung", sagte von Beust. Umso größer war die Freude, als es am Ende sogar eine Stimme aus dem Lager der Opposition gab. Nur 52 Abgeordnete stimmten gegen ihn, Enthaltungen gab es keine. Von Beust sah das Ergebnis als "ausgleichende Gerechtigkeit". Schließlich habe er vor vier Jahren bei der Wahl zwei Stimmen nicht bekommen. Wer der Abweichler war? "Ich weiß es nicht und will es auch gar nicht wissen", sagte von Beust.

Ole von Beust in Hamburg wiedergewählt

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Anders die Abgeordneten der Fraktionen. Im Plenarsaal gab die eine Stimme Anlass für wilde Spekulationen. Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Michael Naumann vermutete den Abweichler sofort in den Reihen der Linken. Deren Fraktionsvorsitzende Dora Heyenn und ihr Stellvertreter Norbert Hackbusch spielten den Ball zurück zur SPD. "Von uns war das keiner", betonte Heyenn.

Unterdessen trat Bürgermeister Ole von Beust - unter den Augen und Kameraobjektiven von rund 120 Journalisten und Fotografen aus der ganzen Republik - vor das Bürgerschaftspräsidium und legte seinen Amtseid ab: "Ich schwöre, so wahr mir Gott helfe." Bürgerschaftspräsident Röder wünschte eine "glückliche Hand für die Amtsführung und viel Erfolg im Interesse der Bürger der Stadt". Erste Gratulantin war von Beusts künftige Regierungspartnerin und zu diesem Zeitpunkt noch GAL-Fraktionsvorsitzende Christa Goetsch. Ihr Stellvertreter Jens Kerstan überreichte einen Blumenstrauß mit Rosen und Papageienblumen, von Karl-Heinz Warnholz (CDU) gab es einen schwarz-grünen Schlüssel mit einer Hamburg-Flagge daran. Frank Schira überreichte ein Glas voll mit schwarzen und grünen Gummibärchen.

Nach der Berufung des Senats und dem obligatorischen Gruppenfoto ging es in die zweite Wahlrunde. Die Bürgerschaft stimmte dem vorgeschlagenen Senat mit 67 Ja- und 54 Nein-Stimmen zu. Das war der Moment, als auch Christa Goetsch sich sichtlich entspannte. War sie vorher noch angespannt auf den Gängen hin- und hergelaufen, strahlte sie nun über das ganze Gesicht. "Über die große Zustimmung freue ich mich sehr", sagte Goetsch. Sie freue sich aber genauso auf die bevorstehende Arbeit. "Jetzt kann es losgehen", sagte sie und nahm ebenfalls schwarz-grüne Gummibärchen entgegen.

Mit Christa Goetsch (Bildung) traten von der GAL Anja Hajduk (Stadtentwicklung und Umwelt) und Till Steffen (Justiz), von der CDU Christoph Ahlhaus (Innen), Herlind Gundelach (Wissenschaft), Dietrich Wersich (Soziales), Michael Freytag (Finanzen), Axel Gedaschko (Wirtschaft) sowie die parteilose Karin von Welck (Kultur und Sport) vor das Präsidium, um ihren Amtseid als Senatoren abzulegen. Lediglich Christa Goetsch und Till Steffen verzichteten auf den Zusatz: "... so wahr mir Gott helfe". Die Abgeordneten und Besucher applaudierten. Nur einem war nicht nach Applaus zumute. Mit versteinerter Miene stand der ehemalige Justizsenator Carsten Lüdemann (CDU) regungslos in der Senatsloge und betrachtete die Vereidigung seines Amtsnachfolgers scheinbar wehmütig.

Und dann kam der große Moment für den neuen schwarz-grünen Senat. Zum ersten Mal durften die Senatoren auf der Senatsbank Platz nehmen. Dabei ging es betont freundlich zu. Besonders bemühte sich Michael Freytag um die Neulinge neben sich. Christa Goetsch rückte er, ganz Gentlemen, den Stuhl zurecht. Mit Anja Hajduk begann er gleich angeregt zu plaudern. Damit endete die Feierlichkeit, und der Alltag begann. Thema der Aktuellen Stunde: die Krawalle am 1. Mai.