Steigende Preise

Energiesparen: Hamburg startet große Kampagne – 20 Tipps

| Lesedauer: 7 Minuten
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD, v.l.n.r.), Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne), Präses der Handelskammer Norbert Aust und Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer, rufen zum Energiesparen auf – und geben Tipps.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD, v.l.n.r.), Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne), Präses der Handelskammer Norbert Aust und Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer, rufen zum Energiesparen auf – und geben Tipps.

Foto: Thorsten Ahlf

Ein Bündnis aus Stadt, Wirtschaft und Vereinen ruft Bürger dazu auf, zur Bewältigung der Energiekrise beizutragen. So funktioniert es.

Hamburg. Mit einer gemeinsamen Kampagne sollen die Hamburger zu größeren Anstrengungen beim Energiesparen motiviert werden. Unter dem Motto "Hamburg dreht das" haben sich auf Initiative des Senats, der Handelskammer und der Handwerkskammer Unternehmen, Einrichtungen und Vereine zusammengeschlossen.

Ziel der Kampagne ist es, Energie in allen Bereichen des Lebens einzusparen. Angeschlossen haben sich so verschiedene Partner wie die Drogeriekette Budnikowsky, der Eimsbütteler Turnverband (ETV), der Flughafen, die Hamburger Energiewerke, die Haspa, die Universität oder die ZEIT-Stiftung.

Energiesparen: Bündnis startet Kampagne „Hamburg dreht das“

„Die Idee der Kampagne ist ein Netzwerk von Akteuren, die in die gleiche Richtung informieren und motivieren,“ sagte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Donnerstag bei der Vorstellung der Initiative in der Europapassage. Der Angriffskrieg des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf die Ukraine habe zu dieser besonderen Situation der Energieversorgung in Deutschland geführt, sagte er. „Wir wollen in Hamburg insgesamt die Sache drehen, damit nicht Putin, sondern damit Europa, damit die Demokratie und die Freiheit am Ende die Oberhand behält.“

Der Präses der Handelskammer, Norbert Aust, warnte vor weitreichenden Folgen der Krise für die Wirtschaft : „Für viele Unternehmen geht es jetzt und in den kommenden Monaten um ihre Existenz“. Nun ginge es nicht nur um Sparmaßnahmen, sondern auch um den Zusammenhang, dass durch einen geringeren Verbrauch aller die Preise auf einem vernünftigen Maß gehalten würden. Und nicht zuletzt darum, die Produktion aufrechtzuerhalten.

Energiekrise: Bäckereien und Wäschereien stoßen an Grenzen

Große Arbeitgeber in Hamburg wie der Kupferkonzern Aurubis oder das Stahlwerk von ArcelorMittal wären hier in erster Linie betroffen, betonte Aust. Es drohten nicht nur der Verlust von Arbeitsplätzen, sondern auch Einbußen bei den Steuereinnahmen. Schließlich könnten diese Unternehmen bei Engpässen aus technischen Gründen nicht „mal kurz über das Wochenende“ ihre Fabrik herunterfahren, sondern wären auf lange Sicht nicht mehr produktionsfähig.

Auch kleinere Firmen, etwa Bäckereien, Wäschereien oder Lackierbetriebe stießen angesichts der gestiegenen Kosten an ihre Grenzen, sagte der Präsident der Handwerkskammer, Hjalmar Stemmann. Die Kammer helfe hier mit Energieberatern, aber auch mit einem digitalen Werkzeug, das den Firmen Auskunft über ihren bisherigen Stand bei den Sparmaßnahmen gebe. „So kann ich etwa als Friseurbetrieb sehen, wo ich bei meinem Verbrauch im Vergleich zur Branche stehe“, sagte Stemmann.

Energiesparen: Geschäfte öffnen vor Weihnachten kürzer als üblich

Unterstützerinnen und Unterstützer der Kampagne finden das Kampagnen-Logo, Grafiken, Praxisbeispiele, Tipps und Beratungsangebote zum Energiesparen sowie Infos über die begleitende Social-Media-Kampagne auch im Internet.

Neben Industrie und Handwerk engagiert sich auch der Handel mit Sparmaßnahmen. Eine Auswirkung werden auch die Kunden spüren: Die sonst üblicherweise längeren Öffnungszeiten der Geschäfte in der Innenstadt vor Weihnachten wird es in diesem Jahr nicht geben. Im Rahmen des City-Managements wurde beschlossen, die bisher geltenden Öffnungszeiten von Donnerstag bis Sonnabend zu belassen und nicht wie sonst auf 21 Uhr zu verlängern.

Bisher hatte es nur eine deutschlandweit geltende Verordnung des Bundeswirtschaftsministeriums zu Maßnahmen in Läden gegeben: Demnach ist seit Anfang September das dauerhafte Offenhalten von Ladentüren in Geschäftsräumen des Einzelhandels untersagt. Zudem dürfen Werbeanlagen demnach von 22 bis 6 Uhr nicht beleuchtet sein.

Energiespartipps auch auf Hamburger Wochenmärkten

Bürgermeister Peter Tschentscher betonte, dass viele kleine Beiträge einen großen Effekt haben könnten. Wer die Heizung um 1 Grad Celsius herunterdrehe, spare bereits sechs Prozent der Heizkosten. Speziell für Verbraucher, die Energie sparen wollten oder müssten, stellte auch die Hamburger Netzwerkstelle ZEBAU GmbH ihr Beratungsangebot vor.

Im Rahmen der Kampagne des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz „80 Millionen gemeinsam für den Energiewechsel“ informiert die ZEBAU GmbH mit Ratgeberteams in Hamburg zum Energiesparen im eigenen Haushalt. In Einkaufszentren oder auf Wochenmärkten können sich Interessierte an Infoständen einen Überblick über schnell umsetzbare Maßnahmen verschaffen, die einfach und kostengünstig, also auch mit kleinem Geldbeutel gelingen. Die Termine sind etwa vom 22. bis 24. September im Elbe-Einkaufszentrum, vom 29. September bis 1. Oktober in der Hamburger Meile und im selben Zeitraum im Phoenix-Center in Harburg.

Im Internet listet das Hamburger Bündnis jede Menge Energiespar-Tipps für den Alltag auf, die sich leicht umsetzten lassen.

20 Tipps zum Energiesparen im Alltag:

  1. Heizung richtig einstellen – als Faustregel gilt: Absenken der Raumtemperatur um ein Grad reduziert den Heizenergiebedarf um etwa sieben Prozent
  2. Heizkörper frei halten für ideale Luftzirkulation
  3. Heizkosten sparen mit Thermostaten
  4. Stoßlüften ist besser als Kipplüften: Im Winter jeden Tag mehrmals für fünf Minuten die Fenster richtig weit öffnen und am besten Durchzug herstellen. So wird die verbrauchte Luft besonders effizient ausgetauscht. Dabei unbedingt die Heizung ausstellen
  5. Undichte Fenster und Türen abdichten
  6. Türen von beheizten Räumen geschlossen halten
  7. Heizungen regelmäßig entlüften
  8. Elektronische Geräte „richtig“ ausschalten: Der sogenannte Standby-Modus verbraucht durchgehend Energie. Das lässt sich leicht verhindern: Einfach den Stecker aus der Steckdose ziehen, nur dann verbraucht das Gerät wirklich keinen Strom
  9. Wäscheständer statt Trockner
  10. Eco-Programm bei Waschmaschine und Spülmaschine benutzen
  11. Stromverbrauch des Kühlschranks senken: Dieser sollte auf eine Temperatur von fünf bis sieben Grad Celsius eingestellt werden und niemals neben dem Herd, der Heizung oder einer anderen Wärmequellen stehen. Auch wichtig: ein ausreichender Abstand zur Wand, intakte Türdichtungen sowie das Entstauben der Kühlschlange und des Lüftungsgitters
  12. Gefriergeräte abtauen: Durch regelmäßiges Abtauen können so zwischen 15 bis 45 Prozent Stromkosten gespart werden
  13. Beim Kauf von elektronischen Geräten die Energieeffizienz beachten
  14. Lichter in der Wohnung nur bei Bedarf anschalten. Hilfreich können hier Leuchten mit Bewegungsmelder sein
  15. Ein Sparduschkopf spart Energie
  16. Hände mit kaltem Wasser waschen
  17. Duschen ist sparsamer als Baden: Für ein Vollbad müssen 120 Liter Wasser aufgeheizt werden, beim Duschen nur etwa 50
  18. Energiebewusst und vorausschauend Auto fahren: Die rote Ampel ist in Sicht – anstatt zu bremsen, runterschalten und das Auto rollen lassen. Im Verkehr zügig hochschalten und in hohen Gängen fahren. Bei längerer Wartezeit, zum Beispiel im Stau oder am Bahnübergang, den Motor ausstellen. Auf der Autobahn verbraucht man weniger Benzin bei konstanter Geschwindigkeit von 120 km/h. Auf Funktionen wie die Klimaanlage und Sitzheizung zu verzichten, spart ebenfalls Benzin
  19. Auf das Auto verzichten: Fahrrad, Bus und Bahn oder sogar die Fähre sind in Hamburg eine Alternative, um sich in der Stadt fortzubewegen
  20. Beratungsangebote nutzen: Die Hamburger Energielotsen beraten zu energetischen Sanierungsmaßnahmen und zeigen Einsparpotenziale in Wohnung oder Haus auf.
( mw/HA )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft