Hamburg

Grund zur Besorgnis? Verschlickung im Hafen nimmt weiter zu

Das Baggerschiff „Bartolomeu Dias“ senkt seinen Saugrüssel in die Fahrrinne zwischen Köhlbrand und Altenwerder, um den Schlick herauszuholen.

Das Baggerschiff „Bartolomeu Dias“ senkt seinen Saugrüssel in die Fahrrinne zwischen Köhlbrand und Altenwerder, um den Schlick herauszuholen.

Foto: Roland Magunia

Im Hafen wurde im vergangenen Jahr erheblich mehr Schlick ausgebaggert als 2018. Umweltschützer schlagen Alarm.

Hamburg. Der Hamburger Hafen wird die Probleme mit dem Schlick nicht los. Aus der Senatsantwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsfraktion geht hervor, dass im vergangenen Jahr rund 7,77 Millionen Kubikmeter Elbschlamm aus den Hafenbecken gebaggert wurden.

Gegenüber 2018 ist das eine Zunahme um 14 Prozent. Während die Behörden den Anstieg als „moderat“ bezeichnenschlagen Umweltschützer Alarm: Sie sehen in der Zunahme des Baggerguts ein Scheitern der Strategie des Senats.

Hafen: Problem "Kreißlaufbaggerei"

Dieser hatte in der Vergangenheit das Problem, dass er den von der Hamburg Port Authority (HPA) aus den Hafenbecken gebaggerten Schlick nur innerhalb der Landesgrenzen umlagern konnte. Also kippte die HPA die Schlickmassen an der Landesgrenze bei Neßsand wieder in die Elbe. Von dort wanderten die Schwebteilchen mit der Tide wieder flussaufwärts in die Hafenbecken zurück, wo sie dann wieder herausgeholt werden mussten. „Kreislaufbaggerei“ nannte man das.

Um diesen Kreislauf zu durchbrechen und die Baggermengen zu senken, schloss Hamburg 2016 einen Vertrag mit Schleswig-Holstein. Der Vertrag, der vor Kurzem verlänger wurde, erlaubt der Hansestadt einen Teil der im Hafen anfallenden Schlickmassen in die Nordsee zum Seezeichen Tonne E3 zu bringen.

Schlick kostet Hamburg 150 Millionen im Jahr

Etliche Millionen Kubikmeter wurden seitdem hinausgeschippert, dennoch steigen die Mengen an. „Damit hat sich die Hoffnung der HPA, die Probleme mit der Unterhaltungsbaggerung dauerhaft in den Griff zu bekommen, zerschlagen“, sagt Manfred Braasch Geschäftsführer des BUND Hamburg. „Die Unterhaltung der Fahrrinne in der gesamten Tideelbe führt zu einem Dauerstress im Fluss und kostet den Steuerzahler obendrein jetzt schon 150 Millionen Euro pro Jahr.“ Doch damit nicht genug: Besonders besorgniserregend sei, dass die nächste Elbvertiefung das Problem nochmals verstärken werde, warnt Braasch.

Völlig anders beurteilt die HPA die Mengenzunahme. „Mit einem anhaltend extrem niedrigen Oberwasserabfluss seit über sechs Jahren ist eine Jahresbaggermenge von 7,7 Millionen Kubikmetern ein gutes Ergebnis und Beleg dafür, dass der Austrag zur Tonne E3 einen positiven Effekt auf die Gesamtbaggermengen in Hamburg hat“, sagte ein Sprecher der Hafenverwaltung. Ohne diesen Austrag würde die Gesamtbaggermenge deutlich höher ausfallen. Deutlich werde dies dadurch, dass die bei Neßsand umgelagerten Mengen seit 2016 – also seit dem intensivierten Austrag zur Tonne E3 – spürbar runtergegangen seien.

Mag die HPA damit recht haben, zeigt der Vorfall aber eines: Sein Schlick-Problem wird der Hamburger Hafen nicht mehr los – auch nicht durch die Verklappung in der Nordsee.