Reisen

Wie Kreuzfahrtschiffe klimaneutral werden sollen

Die "MSC Grandiosa" im Hamburger Hafen.

Die "MSC Grandiosa" im Hamburger Hafen.

Foto: Perspektive Media

Die Reederei MSC überrascht mit einem Vorstoß zur CO2-Kompensation. Ab Januar sollen für alle Fahrten Ausgleichszahlungen geleistet werden.

Hamburg. Noch vor wenigen Jahren galt Reisen auf Kreuzfahrtschiffen als der Trendurlaub schlechthin. Doch dann fingen Kritiker an, sich mit den Schattenseiten dieser Tourismusform zu befassen. Und kamen zur Erkenntnis, dass neben Massentourismus und Arbeitsbedingungen vor allem das Abgasverhalten in den Blick genommen werden müsse.

Erst ging es um Stickoxide, jetzt um CO2

In Sachen Antrieb lag der Fokus zunächst auf den Schadstoffen, die auf hoher See und in Häfen ausgestoßen werden. Reedereien, die hier positiv auffallen und mehr tun wollten als die Gesetze bislang vorschreiben, haben darauf reagiert, indem sie die Verwendung von Schweröl eindämmen oder ganz ausschließen, mit Abgaswäschern Rußpartikel und Stickoxide am Schornstein reduzieren oder durch die Verwendung von Flüssig-Erdgas (LNG) eine relativ saubere Abluft erreichen.

In den Auftragsbüchern der Werften stehen inzwischen eine Reihe von LNG-Schiffen, die von Institutionen wie dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Rankings zumindest in puncto „Vermeiden von Luftverschmutzung“ mit Bestnoten bewertet werden.

Auch LNG-Schiffe sind nicht klimaneutral

Völlig anders sieht es indes beim Klimaschutz aus, da nicht nur Schweröl und Marinediesel, sondern auch natürliches Erdgas zu den fossilen Brennstoffen zählen. Hier kann es nur Fortschritte geben, wenn einerseits der Verbrauch pro Passagier durch Technikoptimierung gesenkt wird, andererseits aber auch CO2-neutrale Kraftstoffe zum Einsatz kommen – etwa synthetisch erzeugtes Flüssiggas oder Wasserstoff, der in Brennstoffzellen genutzt werden kann. In
Häfen könnte zudem Öko-Landstrom stärker als bisher genutzt werden.

Kompensation nur als Zwischenlösung sinnvoll

Da Schiffe rund 30 Jahre lang im Einsatz sind, müssen Reedereien Lösungen finden, wie sie dem Klimaschutz in der technologischen Übergangszeit Rechnung tragen. Ähnlich wie beim Luftverkehr, haben Klimaschutzorganisationen eine Art Ablasshandel initiiert, der bislang auf freiwilliger Basis funktioniert. So kann ein Passagier zum Beispiel auf myclimate.org berechnen, wie viele Kilogramm CO2 er voraussichtlich durch seine Reise verursacht und dann Geld für Aufforstungen und andere Projekte spenden. Pro Kopf und Tag sind dafür im Schnitt etwa 5 Euro ausreichend. Bucht man beim Start-up Meravando.de, wird ein Teil der Provision für die Kompensation genutzt, der Kunde zahlt nichts.

MSC-Vorstoß kostet Reederei viele Millionen

Als erste große Reederei kündigt nun MSC Cruises an, schon ab 1. Januar 2020 für alle Schiffsreisen selbst obligatorisch Kompensationen vorzunehmen, sodass unter dem Strich klimaneutral gefahren wird. Das bedeutet für MSC, die 2019 mit ihrer Flotte rund zwei Millionen Tonnen CO2 ausstoßen, Mehrkosten in Höhe von rund 50 Millionen Euro jährlich. Welche Projekte und Organisationen konkret unterstützt werden, will MSC in Kürze bekannt geben, es soll sich aber vor allem um Maßnahmen im Meeres- und Küstenschutz handeln, etwa die Wiederansiedlung von Mangroven.

Dass solche Kompensationen nur ein Zwischenschritt zur direkten Klimaneutralität sein können, weiß man auch bei MSC. Pierfrancesco Vago, CEO von MSC Cruises, zum Abendblatt: „Wir arbeiten in allen Unternehmensbereichen daran, unseren CO2-Fußabdruck zu verringern.“