Konjunktur

Weltwirtschaft schwächelt – IWF senkt Prognose wegen Trump

Ein Containerschiff liegt im Hafen von Qingdao. Der von US-Präsident Trump vom Zaun gebrochene Handelskrieg bremst laut IWF schon jetzt die Weltwirtschaft.

Ein Containerschiff liegt im Hafen von Qingdao. Der von US-Präsident Trump vom Zaun gebrochene Handelskrieg bremst laut IWF schon jetzt die Weltwirtschaft.

Foto: Uncredited / dpa

Die Konjunktur verliert zunehmend an Dynamik, sagt der Internationale Währungsfonds. Ein Grund ist die Politik von US-Präsident Trump.

Washington/Berlin.  In den vergangenen acht Jahren hat die Wirtschaftsleistung der Welt zugelegt. Vor allem die Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien und Russland trieben das Wachstum an. Doch damit scheint es vorbei zu sein.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte gerade seine Prognose für die Welt und bedeutende Wirtschaftsnationen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Wie sehen die Zahlen des IWF aus?

Der IWF erwartet, dass die Wirtschaftsleistung weltweit in den Jahren 2018 und 2019 jeweils um 3,7 Prozent zunimmt. Im April ging der Fonds noch von 3,9 Prozent aus. Auch für Deutschland, China und die USA senkte der IWF die Prognosen.

Worin liegt die Gefahr?

3,7 Prozent Wachstum sind ein vergleichsweise hoher Wert. Die Experten hatten aber mit deutlich mehr gerechnet.

Die Wachstumszahl errechnet sich aus den Werten aller Volkswirtschaften. Die großen Wirtschaftsnationen werden entsprechend ihrer Wirtschaftskraft stärker berücksichtigt. Schwächeln sie, macht sich das schnell in der Gesamtzahl bemerkbar.

Sollte das Wachstum weiter sinken, liegt das also vor allem an Problemen bei den Schwergewichten wie etwa den USA, Deutschland und China.

Wen trifft es?

Die Weltwirtschaft lebt vor allem vom weltumspannenden Handel. Gibt es hier Probleme, leiden vor allem exportorientierte Länder, also etwa Deutschland als eine der vier größten Wirtschaftsmächte neben China, Japan und den USA.

Warum fällt das Wachstum schwächer aus?

Für den IWF ist vor allem die Wirtschaftspolitik der USA Quell der Probleme. Der Handelskrieg, den US-Präsident Donald Trump mit China ausgelöst hat, und die daraus resultierende Unsicherheit an den Weltmärkten, ob er eskaliert, bremsen den Handel.

Die Unsicherheit wird zusätzlich geschürt durch den zügig näher rückenden Brexit. Der Austritt der Briten aus der EU Ende März 2019 ist immer noch nicht geregelt.

Welche Rolle spielen die Schwellenländer?

In den Schwellenländern, jenen Staaten, die auf dem Weg zur Industrienation sind, steigen die Zinsen, was es verteuert, Geld zu leihen und zu investieren. Dazu gibt es weitere Probleme, die die Unsicherheit weltweit befeuern.

Das ölreiche Venezuela steht vor der Pleite, die Inflation erreicht laut IWF 1,37 Millionen Prozent. Im korruptionsbelasteten Brasilien steht ein Rechtsradikaler vor der Wahl zum Präsidenten. Die Türkei kämpft mit hoher Inflation und Währungsverfall, in China schwächt sich das Wirtschaftswachstum ab. Wegen der politischen Unsicherheit etwa in Venezuela ziehen Investoren zudem ihr Geld ab, was die Wirtschaft weiter bremst.

Gibt es weitere Risiken?

Ein Großteil des Wachstums ist auf Pump gebaut. Der Schuldenberg der Staaten weltweit beträgt 250 Billionen Dollar, ein Drittel mehr als 2008. Schwächeln die Staaten, können möglicherweise große Summen nicht zurückgezahlt werden – mit unabsehbaren Folgen für die Geldgeber: Banken und andere Staaten.

Wie stark ist Deutschland betroffen?

Vor allem die weltweiten Handelsverwerfungen treffen Deutschland – schließlich ist die Bundesrepublik die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt und abhängig vom Export und damit von freien Märkten. Seit Monaten macht sich die Unsicherheit an den Weltmärkten bereits bemerkbar.

Im August verkauften deutsche Unternehmen Waren im Wert von 105,2 Milliarden Euro ins Ausland, ein Minus von 0,1 Prozent. Seit Beginn des Jahres ist der Wert der Exporte allerdings um 4,2 Prozent gestiegen. Der Außenhandelsverband warnt aber vor zu viel Optimismus.

Der IWF erwartet für Deutschlands Wirtschaft nur noch ein Wachstum von 1,9 Prozent für 2018. Im April ging er noch von 2,6 Prozent aus.