Araber bei Porsche

Scheichs haben deutsche Firmen im Auge

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Volker Mester

"Made in Germany" ist ein Qualitätsversprechen, das Investoren aus der Golfregion anlockt. Der geplante Einstieg des Emirats Katar bei Porsche markiert einen neuen Höhepunkt in der Reihe arabischer Beteiligungen an deutschen Unternehmen.

Hamburg. Mit dem Emir von Katar als Investor im Rücken hofft Porsche nun doch noch auf Staatshilfe: Ein Sprecher des Sportwagenbauers sagte gestern, man werde schnell einen nachgebesserten Antrag bei der bundeseigenen Förderbank KfW einreichen. In der bisher vorliegenden Form ist der Antrag auf einen Kredit von 1,75 Milliarden Euro Berichten zufolge voraussichtlich nicht genehmigungsfähig. Die Kapitalspritze des Emirats, über die derzeit verhandelt wird, ist in den Unterlagen aber noch nicht berücksichtigt.

Am Wochenende hatte sich Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) mit einer Delegation aus Katar getroffen. In den Gesprächen soll es auch um eine Beteiligung der Araber an Porsche gegangen sein. Porsche hält derzeit 51 Prozent der Anteile am niedersächsischen Volkswagen-Konzern und hatte sich bei dem Versuch, die vollständige Kontrolle über den Wolfsburger Autoriesen zu erlangen, finanziell verhoben.

Der geplante Einstieg des Emirats bei Porsche markiert einen neuen Höhepunkt in der Reihe von Beteiligungen arabischer Investoren an deutschen Unternehmen. So rettete der Konzern Abu Dhabi Mar im Juni die Rendsburger Nobiskrug-Werft vor der drohenden Insolvenz. Im Oktober übernahm der Staatsfonds International Petroleum Investment Company (IPIC), ebenfalls aus dem Golfstaat Abu Dhabi, die Mehrheit am Anlagenbauer MAN Ferrostaal.

Scheichs bei Daimler

Besonderes Aufsehen aber erregte, abgesehen von den Porsche-Plänen, der Einstieg bei Daimler: Im März erwarb die Investmentgesellschaft Aabar - wiederum aus Abu Dhabi - für knapp zwei Milliarden Euro gut neun Prozent an dem Konzern mit dem Stern. Damit haben die Stuttgarter nun einen zweiten arabischen Großaktionär: Schon seit 1974 ist Kuwait beteiligt, derzeit noch mit sieben Prozent.

Für Experten ist es nicht erstaunlich, dass das Interesse der Scheichs zuletzt so deutlich zugenommen hat. Dies habe nicht zuletzt mit der Wirtschaftskrise zu tun: "Von den Unternehmenswerten her ist der Zeitpunkt für eine Beteiligung an deutschen Unternehmen derzeit so günstig wie lange nicht mehr", sagt Jens Aßmann vom Geschäftsbereich International der Handelskammer Hamburg dem Abendblatt. Außerdem gelte: "Die Not bei manchen deutschen Konzernen nimmt zu und damit wächst die Bereitschaft, sich gegenüber ausländischen Investoren zu öffnen." Aßmann hält es für "gut möglich, dass eine Nachricht wie die vom geplanten Einstieg des Emirats Katar bei Porsche vor zwei oder drei Jahren noch ganz anders aufgenommen worden wäre."

Geld genug ist jedenfalls vorhanden - der Ölpreishöhenflug des vergangenen Jahres hat den Golfstaaten enorme Beträge in die Kassen gespült und auch in den vergangenen Monaten hat sich das Rohöl wieder verteuert. Gerade für Abu Dhabi sind das gute Nachrichten, denn das Emirat verfügt über immerhin zehn Prozent der weltweiten Ölvorkommen. Insgesamt haben die fünf größten Staatsfonds aus dem Nahen Osten etwa 16 Milliarden Euro in europäische Firmen investiert.

Scheichs in England

Dabei rangiert Deutschland in der Liste der Zielländer an zweiter Stelle hinter Großbritannien, wo das Geld der Araber vor allem in den Finanzsektor fließt. "Man bringt Deutschland ein besonderes Vertrauen entgegen und geht davon aus, dass wir die Wirtschaftskrise besser meistern als andere", sagt Helene Rang, Geschäftsführerin des Nah- und Mittelost-Vereins, über die Motive der Investoren. "Außerdem hat das Etikett 'made in Germany' in der gesamten Region einen sehr guten Ruf."

Ganz besonderer Beliebtheit erfreuen sich die Produkte von Porsche, Mercedes und BMW - kein Wunder, denn mit einem Pro-Kopf-Einkommen von gut 41 000 Euro gehören die Vereinigten Arabischen Emirate zur weltweiten Spitzengruppe. Unter den im vergangenen Jahr um 40 Prozent gewachsenen Exporten Deutschlands in die Emirate (8,2 Milliarden Euro) stellten die Autos mit 850 Millionen Euro den größten Einzelposten.

Dass die Araber in der Regel verlässliche und langfristig orientierte Investoren sind, steht für Helene Rang außer Zweifel; dies belege auch die seit 35 Jahren bestehende Beteiligung von Kuwait an Daimler. Allerdings wird für die Expertin eines immer klarer: Die Staatsfonds aus dem Morgenland sehen sich nicht länger nur als reine Finanzinvestoren, sondern sie erwarten eine industrielle Partnerschaft, von der auch ihre Heimatregion profitieren: "In diesen Ländern ist der Anteil der jungen Menschen an der Bevölkerung sehr hoch. Daher ist man bestrebt, auch für die 'Zeit nach dem Öl' die Beschäftigung zu sichern."

Schon kurzfristig will der neue Ferrostaal-Eigner IPIC den Anlagenbauer in das weltweit größte Petrochemieprojekt in Abu Dhabi einbeziehen. Aber auch der Finanzchef des neuen Daimler-Großaktionärs Aabar deutete bereits an, wie man sich die Zukunft vorstellt: "Wir hoffen, dass sich deutsche Firmen mehr am Persischen Golf engagieren und hier auch produzieren."

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