Airports fürchten Stellenabbau

Flugticketsteuer löst Kritik und Chaos aus

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Airports in Deutschland, besonders die regionalen Flughäfen, fürchten den Abbau von 16.000 Jobs. Reisebüros beklagen fehlende Regeln.

Hamburg. Michael Eggenschwiler ist eher ein besonnener Mann. Doch wenn es um die neue Luftverkehrsabgabe geht, wird der Schweizer richtig lebhaft. "Die Abgabe wird den Luftverkehr schwächen. Und das in Zeiten, in denen die Branche das nicht verträgt", sagt der Chef vom Flughafen Hamburg . Die Fluggesellschaften haben sich nur mühsam von den Folgen der Aschewolke und der Wirtschaftskrise erholt. Die Gebühr belaste eine Branche einseitig.


Eigentlich soll die neue Abgabe helfen, den deutschen Staatshaushalt zu sanieren. Doch derzeit sorgt sie für Unmut und Chaos. Denn die Zusatzkosten von je nach Streckenlänge acht bis 45 Euro gelten zwar erst ab dem 1. Januar 2011, aber auch schon jetzt muss die Abgabe für alle Reisen entrichtet werden, die für das kommende Jahr gebucht werden. Damit soll verhindert werden, dass sich die Passagiere vorher noch im großen Stil mit Tickets ohne Aufschlag eindecken. "Das sorgt für ein heftiges Durcheinander", sagt Torsten Schäfer, Sprecher vom Deutschen Reiseverband. "Die Reisebüros müssen die Abgabe kassieren, aber es gibt noch keine Bestimmungen, wie dies geschehen soll."

Tatsächlich ging alles ganz schnell. Am vergangenen Mittwoch wurde das Sparpaket der Bundesregierung vom Kabinett beschlossen. Die darin enthaltene Luftverkehrsabgabe trat ohne Übergangszeit am gleichen Tag in Kraft. Doch noch ist nicht klar, welche Fluggesellschaften die Mehrkosten komplett an die Kunden weitergeben und welche nur teilweise. Wenige Airlines wie etwa die Lufthansa und Condor haben bereits angekündigt, dass die Abgabe vom Kunden bezahlt werden muss. Air Berlin hingegen plant, die Gebühr erst dann zu erheben, wenn sie - voraussichtlich im November - vom Bundesrat gebilligt wurde. Der Billigflieger Ryanair, der seine Preise hart kalkuliert, gibt die Mehrkosten bereits in vollem Umfang weiter. "Nur Sonderangebote, die alle Steuern enthalten, werden deswegen nicht verteuert", sagte Ryanair-Sprecherin Henrike Schmidt dem Abendblatt.

Ryanair und Germanwings überprüfen sogar, Maschinen aus Deutschland abzuziehen. Im Norden betroffen wäre der Flughafen Lübeck. Von dort fliegt Ryanair unter anderem nach London, Bergamo oder auch Alicante. Lübeck lebt von dem Geschäft mit den Billigfliegern. "Regionalflughäfen werden von der neuen Steuer vermutlich stärker betroffen, weil sie eine preissensible Kundschaft haben", sagt Flughafensprecherin Daniela Stricker.

Nicht nur Flugverbindungen könnten gestrichen werden, sondern auch Arbeitsplätze. "Wir rechnen mit dem Verlust von sieben Millionen Passagieren. Das bedeutet, dass wegen der Luftverkehrsabgabe 16 000 Arbeitsplätze verloren gehen könnten", sagt Carola Scheffler, Pressesprecherin vom Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF). "Die Steuer exportiert Arbeitsplätze ins Ausland. Wir schätzen, dass neben der einen Milliarde für den Bundesfinanzminister ungefähr 700 Millionen Euro an Mehrausgaben entstehen, insbesondere für die Länderhaushalte und Gemeinden", ergänzt BDF-Geschäftsführer Michael Engel.


Auch Hamburgs Flughafenchef Eggenschwiler kann einen Stellenabbau nicht verhindern, wenn die Passagierzahlen wegen der Abgabe dramatisch sinken. Erst im vergangenen Jahr wurden knapp 900 neue Jobs dort geschaffen. Rheinland-Pfalz mit dem Flughafen Hahn als Stützpunkt für Billigflieger prüft wegen der drohenden Folgen der Abgabe sogar eine Verfassungsklage. Wenn das Gesetz in einigen Monaten fallen würde, wäre das Chaos noch größer. Dann müssten Reisebüros oder Fluggesellschaften den Kunden möglicherweise die zuvor bezahlte Abgabe wieder rückvergüten.