Josef Ackermann

"Die Deutsche Bank ist für die Zukunft gut gerüstet"

| Lesedauer: 8 Minuten
Erich Reimann

Scheidender Bankchef zieht positive Bilanz seiner Amtszeit – Geldinstitut „in guter Verfassung" – Wachstumschancen in Asien

Frankfurt/Main. Mit einer positiven Bilanz seiner zehnjährigen Amtszeit hat sich der scheidende Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann von den Aktionären der Bank verabschiedet. Er übergebe die Bank „in guter Verfassung“ an seine Nachfolger, sagte der 64-jährige Schweizer am Donnerstag auf der Hauptversammlung der Bank in Frankfurt. Die Deutsche Bank sei im vergangenen Jahr „noch stärker und stabiler geworden, als sie es ohnedies schon war“.

In seiner Abschiedsrede verteidigte der Manager noch einmal das ehrgeizige und viel kritisierte Renditeziel in Höhe von 25 Prozent, das er der Bank gesetzt hatte. Es sei darum gegangen, die Deutsche Bank genauso profitabel zu machen wie die besten Banken der Welt. „Denn nur so konnten und können wir im globalen Wettbewerb dauerhaft bestehen und Deutschland die Bank bewahren, die es als eine der bedeutendsten Wirtschaftsmächte der Welt verdient“, sagte Ackermann. Dies sei gelungen. Nur dank der deutlich gesteigerten Profitabilität habe die Bank ohne Staatsgeld durch die Finanzkrise kommen können.

Wachstumsperspektiven für das Geldinstitut sieht Ackermann künftig nicht zuletzt in den Schwellenländern. Die Deutsche Bank habe Asien schon früh für sich entdeckt und sei dort heute hervorragend positioniert, um von dem weiter hohen Wachstum der Region und dem wachsenden Wohlstand der Bevölkerung nachhaltig zu profitieren. Auch in den Schwellenländern Lateinamerikas und im Nahen Osten wolle der Konzern seine Position weiter ausbauen.

Mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf mahnte der Manager allerdings zur Vorsicht. Die Lage in Teilen Europas sei weiter schwierig, und auch die Erwartungen der deutschen Unternehmen trübten sich ein. Dazu zeige die Wachstumsdynamik in Asien gewissen Ermüdungserscheinungen. Zusammen mit geopolitischen Unsicherheiten könne dies die Erholung der Weltwirtschaft im Jahresverlauf beeinträchtigen. Die Deutsche Bank sei jedoch gut vorbereitet.

„Die Deutsche Bank ist eine erste Adresse, sie steht gut da, national wie international. Und sie ist für die Zukunft gut gerüstet“, betonte Ackermann am Ende seiner Rede.

Die Aktionäre feierten den Bankchef mit stehendem Applaus. Der scheidende Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Clemens Börsig hatte zuvor Ackermanns Verdienste um die Bank gelobt. Dank seiner strategischen Entscheidungen sei sie „als Gewinnerin aus der Finanzkrise hervor gegangen“.

Kritik an Ackermann kam dagegen vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac. „Josef Ackermann übergibt eine Bank, die mit ihrer Leistung viel Leiden schafft“, sagte Jannika Röminger von der Attac-Bankwechsel-Kampagne anlässlich der Hauptversammlung. Die Bank habe in der Ära Ackermann ihre negative Gemeinwohlbilanz stetig ausgebaut. Der Führungswechsel müsse jetzt auch einen Wechsel in der Geschäftspolitik mit sich bringen, verlangten die Kritiker.

Ackermann beendet mit der Hauptversammlung seine Amtszeit. Bereits am Freitag werden seine designierten Nachfolger – der bisherige Chef der Investmentbanking-Sparte Anshu Jain und der bisherige Deutschland-Chef Jürgen Fitschen – die Leitung der Bank übernehmen.

Die Hauptversammlung der Deutschen Bank im Liveticker zum Nachlesen

14.20 Uhr: Aufsichtsratschef Clemens Börsig fällt die Aufgabe zu, eine der spannendsten Aktionärsfragen des Tages zu beantworten – nämlich die, ob der neue Vorstandschef Anshu Jain Deutsch lerne. „Herr Jain lernt Deutsch, aber wie Sie alle bestätigen können, ist die deutsche Sprache keine einfache Sprache“, sagt Börsig. Aus dem Umfeld des gebürtigen Inders ist zu hören, dass er Fortschritte mache mit seinen Deutsch-Kenntnissen. Jain will nach dem Amtsantritt eine Wohnung in Frankfurt beziehen.

13:30 Uhr: Nicht die Arbeit des Vorstands, sondern die des Aufsichtsrats steht im Fokus der Aktionäre. Es hagelt Kritik an dem Kontrollgremium der Bank. Hans-Christoph Hirt vom Aktionärsberater Hermes: „Wir sind unzufrieden mit der Arbeit des Aufsichtsrats der vergangenen Jahre.“ Im Fokus steht vor allem die zähe Suche nach einem Nachfolger für Ackermann. Doch auch die vielen Rechtsstreitigkeiten des Instituts werden dem Aufsichtsrat angekreidet. Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutionelle Privatanleger empfahl den Aufsichtsräten daher, die Gehaltserhöhung im vergangenen Jahr für wohltätige Zwecke spenden.

12:45 Uhr: Aufsichtsratschef Clemens Börsig schwant Übles: Ihm lägen mehr als 60 Wortmeldungen vor, sagt er sichtbar genervt. Daher müsse die Redezeit auf fünf Minuten pro Redner begrenzt werden. Damit ist schon jetzt klar: Auch diese Hauptversammlung der größten deutschen Bank dürfte sich bis in den Abend hineinziehen. Es sind 7000 Aktionäre und Besucher anwesend – so viele wie noch nie.

12:25 Uhr: Same procedure as every year: Anwalt Franz Enderle, der die Kirch-Familie vertritt, und der kritische Aktionär Michael Bohndorf beantragen, Aufsichtsratschef Clemens Börsig als Leiter der Hauptversammlung abzuberufen. „Ich bin der festen Überzeugung, dass Sie ungeeignet sind, die Veranstaltung zu leiten“, sagt Enderle. Er zieht so lange über Börsig her, bis es dem Aufsichtsratschef zu viel wird – nach einer Ermahnung an Enderle, zum Ende zu kommen, dreht Börsig ihm den Ton ab. Auch zahlreichen anderen Kritikern entzieht er das Wort.

Bohndorf, den die Bank vor Jahren bespitzeln ließ, schlägt vor, dass der älteste Anwesende die Leitung der Veranstaltung übernimmt. Bohndorf wohnt auf Ibiza und tritt braun gebrannt und mit Sonnenbrille im Haar ans Rednerpult. Er fasst sich kurz und darf als bisher einziger Redner zu Ende sprechen. Börsig hat zu Beginn der Veranstaltung die Hoffnung geäußert, dass die Hauptversammlung in vier bis sechs Stunden über die Bühne geht. Schon nach den ersten Wortbeiträgen ahnt er: Diese Hoffnung wird sich nicht erfüllen.

10:40 Uhr: Ackermann-Show, aber keine Börsig-Show: Nachdem Aufsichtsratsmitglied Tilman Todenhöfer die Arbeit von Chef-Kontrolleur Clemens Börsig gewürdigt hat, kommt nur zögerlicher und kurzer Applaus der Aktionäre. Kein Vergleich zu den stehenden Ovationen für Ackermann. Im Kreise der Anteilseigner herrscht großer Unmut wegen der langwierigen Suche Börsigs nach einem neuen Vorstandschef in den vergangenen Jahren. Viele werfen ihm vor, keinen guten Job gemacht zu haben. „Der Aufsichtsrat hat unter Börsigs Führung eine gute Arbeit gemacht“, hält Todenhöfer dagegen.

10:15 Uhr: Aufsichtsratschef Clemens Börsig lobt Ackermanns Leistungen in den vergangenen zehn Jahren an der Spitze der Deutschen Bank. Das Institut sei als Gewinnerin aus der Finanzkrise hervorgegangen. „Dieser Erfolg wird immer mit ihrem Namen verbunden bleiben“, sagt Börsig, dessen Verhältnis zu Ackermann nicht immer ungetrübt war. „Dies ist eine Bilanz, die allergrößten Respekt verdient.“ Anschließend langer Applaus der Aktionäre – viele stehen sogar auf. Ackermann wirkt zunächst etwas verlegen, steht dann auch auf, weiß nicht recht, wohin mit seinen Händen, strahlt und wischt sich schließlich Tränen der Rührung aus den Augen.

9:00 Uhr: Schon vor der Beginn der Hauptversammlung laufen sich die Kritiker vor der Frankfurter Festhalle warm. Besonders viel Aufmerksamkeit zieht das Komiker-Duo Onkel Fisch mit seiner Version des Jein-Songs von Fettes Brot auf sich. „Soll ich übel zocken, oder lass ich's lieber sein? Klar doch, ich bin der Jain.“ Härtere Töne stimmen die Kapitalismuskritiker von Attac an, die mit Geldsäcken und Plastik-Maschinengewehren posieren. „Ackermanns Vermächtnis: Steuerflucht, Waffenhandel, Zocken mit Nahrungsmitteln. Jain, lass es sein“, steht auf ihrem Plakat.

Die meisten Deutsche-Bank-Aktionäre bummeln vergnügt zwischen den Aktivisten hindurch. Die Sonne scheint und es herrscht Jahrmarktstimmung. Für wenig Verständnis sorgt lediglich der üble Geruch vor der Festhalle. Einige Kapitalismuskritiker haben einen Gülle-Spur um den Eingang gezogen, um gegen die „dreckigen Geschäfte“ der Bank zu protestieren.

Mit Material von rtr

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