Deutsche Bank

Ackermann kann zum Abschluss nicht glänzen

Eigentlich wollte der Deutsche-Bank-Chef zum Abschied mit guten Zahlen glänzen. Doch die Schuldenkrise schmälert den Gewinn 2011 deutlich.

Frankfurt/Main. Die Finanzkrise in der Euro-Zone hat dem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann seine letzte Jahresbilanz verhagelt. Deutschlands größtes Bankinstitut musste auf Griechenland-Anleihen weitere Abschreibungen vornehmen, zumdem drohen Kosten aus Rechtsstreitigkeiten, der schwache Investmentbankingbereicht und Firmenbeteiligungen belasten den Branchenprimus. Im vierten Quartal rutschte das Institut vor Steuern mit 351 Millionen Euro in die roten Zahlen, wie die Bank am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Im Schlussquartal 2010 hatte die Deutsche Bank vor Steuern noch 707 Millionen Euro verdient. Nur dank einer Steuergutschrift stand nun im vierten Quartal unter dem Strich noch ein Gewinn von 147 Millionen Euro (Vorjahr: 601 Mio Euro).

Für das Gesamtjahr wies die Bank zwar einen deutlichen Zuwachs des Nettogewinns von 79 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro aus. Das Vorjahresergebnis war jedoch durch die Kosten für die Integration der übernommenen Postbank stark belastet. Der Vorsteuergewinn stieg 2011 um 36 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro.

+++ Euro-Krise lässt Deutsche Bank Ziele verfehlen +++

+++ Josef Ackermann - von Razzia und Karriere-Aus +++

Dennoch sieht Ackermann die Deutsche Bank auch in einem weiterhin widrigen Umfeld gut gerüstet. „Wir liegen voll im Plan, 2012 unsere Effizienz weiter zu steigern“, sagte Ackermann. „Aus der stärkeren Verzahnung innerhalb der Investmentbank und der Integration der Postbank erwarten wir erhebliche Synergieeffekte.“

Bis zu einer dauerhaften Lösung der Staatsschuldenkrise im Euroraum werde allerdings „das politische und ökonomische Umfeld volatil und schwierig bleiben“, sagte Ackermann. „Wie stark die konjunkturelle Bremsspur für Europa und die Welt sein wird, hängt vor allem von weiteren Fortschritten bei der Lösung Staatsschuldenkrise in der Eurozone ab. Sie ist und bleibt die größte Herausforderung für Realwirtschaft und Finanzsystem.“ Ackermann betonte: „Die Deutsche Bank steht gut da. Sie ist für die Zukunft gut gerüstet. Und sie wird eine gute Zukunft haben.“

Ursprünglich hatte Vorstandschef Ackermann zum Abschied seiner zehnjährigen Amtszeit bei der Deutschen Bank einen Rekordgewinn von 10 Milliarden Euro vor Steuern erzielen wollen. Wegen der Turbulenzen an den Kapitalmärkten hatte er aber das Ziel bereits Anfang Oktober kassiert. Aber auch mit den nun vorgelegten Zahlen verfehlte der deutsche Branchenprimus noch die Erwartungen von Analysten, die nicht mit so vielen Sonderbelastungen gerechnet hatten. Vorbörslich gab die Aktie zuletzt mehr als drei Prozent nach.

Besonders im lange so erfolgreichen Investmentbanking gab es in der zweiten Jahreshälfte – wie bei vielen Konkurrenten auch – herbe Rückschläge. Vor allem das Geschäft mit Anleihen und Aktien ist eingebrochen, Börsengänge sind verschoben und Firmenübernahmen abgesagt worden. Hinzu kommen bei der Deutschen Bank die drohenden Kosten aus den Rechtsstreitigkeiten in den USA und Europa. Das Institut muss sich gegen zahlreiche Klagen zur Wehr setzen, bei denen ihr unlautere Geschäftspraktiken vor allem aus der Zeit vor der Finanzkrise vorgeworfen werden. Die Bank legte jetzt 700 Millionen Euro für die Rechtsrisiken zurück.

Im Gesamtjahr ging so der Vorsteuergewinn der von Anshu Jain geleiteten Sparte um mehr als 40 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zurück. In dem Bereich sollen bis März 500 Stellen abgebaut werden, weitere Stellenstreichungen hält sich das Unternehmen offen. Jain tritt nach der Hauptversammlung im Mai zusammen mit Deutschland-Chef Jürgen Fitschen die Nachfolge von Ackermann an der Spitze der Bank an.

Das Privatkundengeschäft sowie die Vermögensverwaltung erwiesen sich dagegen als die erhofften Stützen. Die Sparte erzielte einen Rekordgewinn von 2,5 Milliarden Euro vor Steuern – vor einem Jahr hatte die Bank hier nur knapp eine Milliarde verdient. Nun zahlten sich die milliardenschweren Zukäufe von Postbank und Sal. Oppenheim aus. Vorstandschef Ackermann hatte als eine Lehre aus der Finanzkrise in den vergangenen Jahren besonders in das lange verschmähte Privatkundengeschäft investiert, um den Konzern weniger abhängig vom schwankungsanfälligen Investmentbanking zu machen.

Als erhebliche Belastungen erwiesen sich erneut die Firmenbeteiligungen des Instituts. Im Gesamtjahr musste die Bank dafür 1,1 Milliarden Euro Verlust verbuchen. So schrieb die Deutsche Bank auf den Arzneimittelhersteller Actavis 407 Millionen Euro ab. Zudem belastete die Beteiligung an einem Kasino in Las Vegas das Ergebnis mit 135 Millionen Euro. Die zum Verkauf stehende Frankfurter Privatbank BHF drückte den Gewinn um 97 Millionen Euro. Griechische Staatsanleihen wertete das Institut 2011 insgesamt um 500 Millionen Euro ab, davon 144 Millionen Euro im vierten Quartal.

Begleitet wurde die Bilanzkonferenz von Protesten durch Aktivisten des globalisierungskritischen Netzwerks Attac, die gegen die Geschäftspolitik des Geldinstituts protestierten. Rund ein Dutzend Demonstranten stellte sich im Bankenviertel vor das Gebäude, in dem der Vorstandschef Ackermann die Geschäftszahlen präsentieren wollte. Sie schwenkten Fahnen und versuchten, das Vordach des Eingangsbereiches zu erklimmen. Die Polizei löste die Protestaktion auf. Ackermann betrat das Gebäude schließlich über einen Hintereingang. (dpa/abendblatt.de)