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Längste Beine der Modelszene: Nadja Auermann wird 40

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Marina Antonioni

Foto: dpa

Sie hat die längsten Beine der Welt und lief für die wichtigsten Designer über die Laufstege der Modeszene. Nadja Auermann wird 40 Jahre alt.

Berlin. Ihre schier endlos langen Beine sind ihr Markenzeichen. Auf ihnen hat Nadja Auermann in den 90er Jahren die internationalen Laufstege erobert und neben Claudia Schiffer und Tatjana Patitz den Sprung unter die großen deutschen Topmodels geschafft. Sie zierte die Cover der wichtigsten Modemagazine und stand für Starfotografen wie Helmut Newton oder Peter Lindbergh vor der Kamera. Karl Lagerfeld verglich sie in Sachen Stil und Glamour sogar einmal mit Marlene Dietrich. Am 19. März 2011 wird Auermann 40 Jahre alt.

In den Schlagzeilen stand die gebürtige Berlinerin zuletzt mit einem für sie unerfreulichen Thema. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass gegen sie wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt wird. Mitangeklagt ist ihr Ex-Ehemann, Schauspieler Wolfram Grandezka ("Verbotene Liebe"). Der Prozess soll ab 19. Mai vor dem Amtsgericht in Berlin beginnen. Auermanns Anwalt Robert Unger weist die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück. Es geht um die Frage, ob Auermann bereits zwischen 1999 und 2002 neben ihrem Wohnsitz Monaco einen Wohnsitz in Deutschland begründet hat. Auermann bestreitet dies. Die Frage werde jetzt im Prozess geklärt, sagte Unger.

Vor einigen Wochen hatte Auermann zudem mit scharfer Kritik an der Modelwelt für Aufsehen gesorgt. Die dreifache Mutter prangerte eine Zunahme minderjähriger Models auf dem Laufsteg an und forderte genaue Alterskontrollen. "Wir dürfen nicht über Pädophile schreien und andererseits Minderjährige oder welche, die so aussehen, als Sexobjekte promoten", sagte sie der "Bild" und forderte zugleich ein Gesetz gegen Mager-Models, "so wie es das in Mailand gibt".

In Berliner Café entdeckt

Auermann wurde am 19. März 1971 als Bankierstochter geboren und wuchs nach der Scheidung der Eltern bei ihrer berufstätigen Mutter auf. "Ich glaube, dadurch habe ich meine Unabhängigkeit und Selbstständigkeit bekommen", erinnerte sie sich 2004 im "Tagesspiegel". 1990, kurz nach dem Abitur, wurde die damals noch brünette Schönheit in einem Berliner Café von einem Modelscout entdeckt. Sie zog nach Paris und wurde 1991 von der renommierten Modelagentur Elite unter Vertrag genommen.

Im Oktober desselben Jahres erschien eine große Bilderstrecke von Auermann in der britischen "Vogue", in Szene gesetzt wurde sie von der Starfotografin Ellen von Unwerth. Ein Auftritt im Video von Popstar George Michael zu seinem Hit "Too Funky" bescherte ihr weitere Popularität. Sie lief für Top-Modehäuser wie Dior, Dolce & Gabbana, Gianfranco Ferré, Prada oder Versace über die Laufstege in Paris, Mailand und New York.

Innerhalb kurzer Zeit zählte sie zu den Spitzenverdienerinnen der Branche mit Tagesgagen von bis zu 30.000 D-Mark und einem Jahresverdienst von bis zu 2,5 Millionen D-Mark. "Oft habe ich monatelang durchgearbeitet, musste dreimal pro Woche in ein anderes Land fliegen", erinnerte sich Auermann 2004 an diese Zeit.

Beinlänge war rekordverdächtig

Ihre makellosen Beine bescherten ihr Ende der 90er Jahre sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Von allen Supermodels hatte Auermann damals dem Eintrag zufolge mit 1,14 Meter die längsten Beine.

Was sie als Model auszeichnete, ließ sie bereits in ihrer Kindheit aus der Menge herausstechen. "Wenn man früher ein Klassenfoto von mir sah, hatte man immer das Gefühl, dass ich da nicht reinpasse. Weil ich immer größer und dünner war als die anderen", sagte sie einmal.

Mit der Geburt ihrer ersten Tochter Cosima 1997 verschoben sich für Auermann die Prioritäten. "Da war etwas, das bis heute viel wichtiger ist als die Karriere." Auch nach der Geburt ihres Sohnes Nicolas 1999 modelte sie zwar weiter, suchte sich aber ihre Aufträge sehr genau aus. Am wichtigsten seien ihr die Bedürfnisse der Kinder, betonte sie 2000.

Drei Jahre später startete Auermann dann eine zweite Karriere als Schauspielerin - zunächst mit einer kleinen Rolle im Kurzfilm "Who Killed the Idea" an der Seite von Harvey Keitel. Eine vielbeachtete Hauptrolle folgte 2004 mit dem ZDF-Psychothriller "Dornröschens leiser Tod", in dem sie eine Mutter spielte, die des Mordes am eigenen Kind verdächtigt wird.

Eigentlich habe sie immer Schauspielerin werden wollen, sagte Auermann damals. Auch von einer Karriere als Sängerin träumte sie als Mädchen. Bei einem Praktikum in der Kostümabteilung der Deutschen Oper in Berlin habe man ihr aber klargemacht, dass sie dafür zu "lang und dürr" sei, erinnerte sie sich 2008. Als sie bereits ein bekanntes Model war, nahm sie dann doch noch Gesangsunterricht. "Singen macht mich glücklich. Ich singe sehr gerne zu Hause, auch Opernarien", verriet sie.

Vor einigen Monaten ist Auermann, die sich unter anderem auch als Botschafterin des Hilfsprojekts "School for Life" für thailändische Kinder in Not engagiert, zum dritten Mal Mutter geworden. Dass sie während des Stillens ihrer Tochter weiblichere Formen angenommen habe, störe sie überhaupt nicht, betonte sie im Februar: "Im Gegenteil: Wenn ich in den Spiegel schaue, dann finde ich mich schöner denn je, weil ich eine glückliche Frau sehe." Über ihr Privatleben spricht Auermann ansonsten nicht gern. Ihre Ehe mit Schauspieler Grandezka hielt von 1999 bis 2005, aus dieser Beziehung stammt Sohn Nicolas.

Auf den Laufsteg jedenfalls zieht es sie nicht zurück. "Lieber drehe ich einen Werbespot, wo es darum geht, als Frau und Persönlichkeit ernst genommen zu werden - nicht nur als schöner Kleiderbügel", sagte sie vor einigen Wochen der "Bild".