Hockey

Champions Trophy: In ein Loch gefallen

Deutschlands Hockeyherren werden bei der Champions Trophy nach zwei Pleiten gegen die Niederlande Vierter. Der Titel geht an die Australier.

Mönchengladbach. Die Sympathien der jüngsten Anhänger hatte Tobias Hauke schnell zurückgewonnen. "Es tut mir leid, dass wir euch nicht mehr zeigen konnten. Beim nächsten Mal machen wir es wieder besser", versprach der 22 Jahre alte Hockey-Nationalspieler einer Gruppe von Kindern im Grundschulalter. Diese nickten nur andächtig und waren stolz, mit ihrem Idol ein paar Fotos machen zu können. Die Reaktionen der übrigen rund 7000 Zuschauer im Warsteiner Hockey-Park waren nach der 1:4-Niederlage gegen den Erzrivalen aus den Niederlanden, mit der die deutsche Auswahl die Champions Trophy auf dem vierten Rang beendete, nicht so freundlich.

Wären die Spieler von Bundestrainer Markus Weise die Ehrenrunde nicht gemeinsam mit ihren Gegnern gelaufen, dann wären möglicherweise noch viel mehr Pfiffe zu hören gewesen. So waren es nur wenige, die ihrem Unmut auf diese Weise Luft verschafften.

Man muss den Verlierern, die am Sonnabend durch ein 0:1 gegen die keineswegs starken Niederländer den Einzug in das Finale verpasst hatten, zugute halten, dass sie keine Zeit mit Ausreden verschwendeten. "Das war die miserabelste Woche in meiner internationalen Hockeykarriere", sagte Mittelfeldregisseur Moritz Fürste vom Uhlenhorster HC, der sich zu allem Übel auch noch eine Verletzung am linken Handgelenk zuzog. Tatsächlich war das Team nach den Auftaktsiegen gegen England (4:2) und Neuseeland (5:2) eingebrochen. Gegen Spanien (2:3), Australien (1:3) und zweimal die Niederlande gab es vier Niederlagen in Serie. Schlechter war eine deutsche Herrenmannschaft zuletzt vor sieben Jahren gewesen, als es bei der Champions Trophy in Amstelveen sechs Pleiten in Folge setzte.

Besonders auffällig war die Abschlussschwäche. Mit zwölf Toren war Deutschland in der Hauptrunde die harmloseste Mannschaft, dazu vollbrachten es Weises Schützlinge, 20 Strafecken in Serie zu vergeben. Sieben aus 39 - das ist nicht etwa eine neue Lotto-Variante, sondern die klägliche Ausbeute der deutschen Eckenschützen. "Das ist einfach nur bitter", sagte Weise. Allerdings war dies nicht die einzige Schwäche der nach dem Olympiasieg 2008 neu zusammengestellten Auswahl, die in vielen Situationen auch mental nicht bereit wirkte, um sich auf die verschiedenen Spielstile der Gegner einzustellen. Zudem fehlte im Mittelfeld die Ordnung, es gab keinen Spieler, der das Geschehen an sich und das Team mitriss. Die Mannschaft wirkte bisweilen kopf- und ideenlos.

Den Hauptgrund für das schwache Auftreten hatten die Akteure schnell gefunden. "Wir sind ein Team, das 100 Prozent Fitness braucht, um in der Weltspitze mithalten zu können. Wir waren aber nur bei 75 Prozent", sagte Fürste. Sein Mittelfeldpartner Hauke vom Harvestehuder THC sagte: "Uns zeichnet Fitness, eine gute Strafecke und Disziplin aus. Alles haben wir vermissen lassen." Kapitän Max Müller (Nürnberg) erklärte: "Die WM im März in Indien war unser Saisonhöhepunkt. Darauf haben wir alles ausgerichtet. Dass man danach in ein Loch fällt, ist normal. Leider haben wir viele Studenten im Team, die es wegen der Doppelbelastung dann nicht geschafft haben, sich optimal für die Champions Trophy in Form zu bringen."

OLIVER KORN WILL NICHT DER OPA SEIN

Stephan Abel, Präsident des Deutschen Hockey-Bundes, zeigte Verständnis für den körperlichen Zustand. "Wir sind ein Amateursport, der in olympischen Zyklen plant. Wir verzeihen Tiefen, weil wir wissen, dass die Mannschaft dann, wenn es zählt, Topleistungen bringt." Weise zeigte sich über das Ausmaß der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit jedoch überrascht. "Das zeigt mir, dass die Jungs nach einer kurzen Pause sehr hart arbeiten müssen, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Das Positive ist, dass wir wissen, woran wir arbeiten müssen", sagte er. Immerhin steht mit der EM das nächste internationale Turnier erst in einem Jahr an. Es wird erneut in Mönchengladbach gespielt, das sich als perfekter Gastgeber präsentierte. Nicht nur die jüngsten Fans werden dann genau hinschauen, ob die Spieler ihr Versprechen, es besser zu machen, halten werden.

Letzter Hauptrundenspieltag: England - Neuseeland 4:3, Niederlande - Deutschland 1:0, Australien - Spanien 3:1. Finale: Australien - England 4:0. Platz drei: Niederlande - Deutschland 4:1. Platz fünf: Spanien - Neuseeland 3:2, damit Neuseeland abgestiegen, bei der nächsten Champions Trophy im Dezember 2011 von Gastgeber Indien ersetzt.