Hockey-Nationalteam

Markus Weise: "Fürste und Hauke sind als Duo Weltklasse"

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Die deutschen Hockey-Herren treffen bei der Champions Trophy auf Spanien. Trainer Markus Weise spricht über Ziele und die Hamburger Spieler.

Mönchengladbach. Mit Siegen gegen England (4:2) und Neuseeland (5:2) sind die deutschen Hockeyherren optimal in die Champions Trophy im eigenen Land gestartet. Bundestrainer Markus Weise, 47, spricht vor dem heutigen Spiel gegen Spanien (20 Uhr) über seine Ziele, die Hamburger Teilnehmer und die neue Stärke der Bundesliga.

Abendblatt:

Herr Weise, waren Sie überrascht, dass Ihr Team so souverän ins Turnier gestartet ist?

Markus Weise:

Überrascht nicht, weil ich weiß, wie gut wir spielen können. Außerdem war es gar nicht so souverän, wir haben nur in der ersten Halbzeit gegen England richtig gut gespielt.

Nach der WM im März in Indien, wo Sie Silber gewonnen haben, hatten Sie kritisiert, dass Ihr Team zu wenig konstant spielt. Was tun Sie, um das bei diesem Turnier zu ändern?

Wir arbeiten an den Dingen, die zu Konstanz führen. Das fängt beim individuellen Abwehrverhalten an, das beim England-Spiel zu beobachten war. Wenn man 4:0 führt, lässt die Konzentration nach, und dann fühlt sich niemand verantwortlich, das wieder zu reparieren. Auf dem Niveau einer Champions Trophy, wo die sechs besten Teams der Welt antreten, darf man sich so etwas nicht erlauben. Wir haben jetzt Spiele gegen Spanien, Australien und die Niederlande vor uns. Da kann ich sehen, wie weit wir sind.

Ist Australien als Titelverteidiger und Weltmeister auch Ihr Topfavorit?

Die Australier sind das Maß der Dinge, aber auch Teams wie die Niederlande oder England sind zu beachten.

Wie wichtig ist diese Champions Trophy auch im Hinblick darauf, dass an selber Stelle im kommenden Jahr die EM stattfindet?

Natürlich wollen wir hier auch Werbung in eigener Sache machen. Die Mannschaft ist sehr motiviert, denn ein Heim-Turnier, immerhin das erste seit der WM 2006, ist immer etwas Besonderes. Aber in erster Linie möchte ich hier Spieler testen und Material sammeln für die kommenden zwei Jahre bis zu den Olympischen Spielen 2012. Dafür ist die Trophy ein großartiges Feld.

Seit der WM 2006 hat Ihr Team bei großen Turnieren nur bei der EM 2007 das Finale verpasst. Woran machen Sie es fest, dass trotz diverser Umbrüche immer wieder Erfolge gefeiert werden?

Einerseits daran, dass wir großartiges Spielermaterial haben, und dass die Spieler eine enorme Siegermentalität mitbringen. Andererseits aber auch daran, dass wir im Trainerteam hohe Qualität haben. Ich habe wirklich großartige Leute in meinem Stab. Das macht sich auch bemerkbar.

Bitte beurteilen Sie kurz die Hamburger Spieler in Ihrem Kader.

Moritz Fürste und Tobias Hauke sind als Duo im Mittelfeld Weltklasse, aber auch als Einzelspieler gehören sie zur Weltspitze. Florian Fuchs spielt als Youngster sein drittes internationales Großevent innerhalb von acht Monaten. Er hat sein Leistungstief überwunden und spielt wieder richtig stark. UHC-Neuzugang Oliver Korn ist ein ganz wichtiger Allrounder im Mittelfeld, der jeder Mannschaft helfen kann. Tim Jessulat weiß, dass er hinter Max Weinhold die klare Nummer zwei ist, aber er klagt nicht und ist wichtig für das Team. Positiv hervorheben will ich Oskar Deecke, der bei der WM keine gute Leistung geboten hatte, aber daraus gelernt hat. Er arbeitet hart, lässt sich nicht mehr hängen und bekommt deshalb viel Spielzeit.

Ihnen als Bundestrainer muss es gefallen, dass zur neuen Saison einige ausländische Topspieler aus Holland in die Bundesliga wechseln. Ist das ein Zeichen dafür, dass Deutschland immer mehr zur Topnation im Hockey wird?

Ich würde das nicht überbewerten, denn vielleicht sieht das in zwei Jahren schon wieder anders aus. Aber natürlich freue ich mich über die Entwicklung, weil es sich auch auf das Niveau des Nationalteams auswirkt, wenn die Spieler in der Liga in jedem Spiel Topleistungen bringen müssen. Ich freue mich aber vor allem, dass ein Topspieler wie Moritz Fürste in Hamburg bleibt, denn ich habe keine guten Erfahrungen gemacht mit Wechseln von Nationalspielern ins Ausland. In Deutschland bleiben sie in unserem System. Das ist wichtig für die Entwicklung.