Energie Cottbus - FC St. Pauli 0:1

Pauli Tabellenzweiter: Das war Takyis Befreiungsschlag

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In der Lausitz findet der Mittelfeldspieler aus seinem Formtief und trifft zum Sieg, der am Saisonende Gold wert sein könnte.

Cottbus. Als der überfüllte Regionalexpress 38141 am Freitag um kurz nach 14 Uhr den Berliner Hauptbahnhof verließ, hatte er ein buntes Völkchen an Bord. Fans des FC St. Pauli drängten sich mit Bundeswehrsoldaten auf Heimfahrt und ganz normalen Reisenden. Der Versuch der begleitenden Polizisten, die mehreren hundert Anhänger der Kiezkicker in einen eigenen Bereich zu eskortieren, scheiterte schon an der Kapazität der Waggons. Trotz der Enge blieb es abgesehen von der einen oder anderen Diskussion über den Sinn des Afghanistan-Einsatzes ruhig. Zumindest bis der Zug knapp zwei Stunden später in den Cottbuser Bahnhof einrollte: "Hier gewinnt nur einer, St. Pauli und sonst keiner", skandierten die Fans - und sie behielten recht.

Mit dem 1:0 schafften ihre Lieblinge am Abend bei Energie Cottbus nach zwei Auswärtsniederlagen in Folge wieder einen hart erkämpften Sieg in der Fremde. "Wir hatten Glück und Mathias Hain", sagte St. Paulis Sportchef Helmut Schulte. Torhüter Hain hatte mit einigen starken Paraden den Erfolg gesichert, mit dem St. Pauli vorerst auf den zweiten Tabellenrang vorrückte und seine gute Ausgangsposition im Kampf um den Aufstieg in die Eliteklasse des deutschen Fußballs wahrte. Bundesliga-Absteiger Energie muss dagegen weiter um den Klassenerhalt in Liga zwei bangen.

"Jetzt fängt es an, oben und unten interessant zu werden", hatte St. Paulis Trainer Holger Stanislawski vor der Partie erklärt. Es gelte "die reifen Trauben zu ernten". Es lag wohl eher an der engagierten Leistung der Gastgeber als an der Tatsache, dass die Lausitz nicht unbedingt als Weinanbaugebiet bekannt ist, dass den Kiezkickern dies nicht leicht gemacht wurde. Anders als noch gegen Oberhausen versuchten die Hamburger spielerisch wieder mehr Akzente zu setzen. Dafür hatte Stanislawski unter anderem Charles Takyi zurück in die Startformation beordert.

Der zuletzt formschwache Spielmacher war in der ersten Hälfte dann auch gleich an mehreren erfolgversprechenden Aktionen beteiligt, konnte den Ball zunächst aber nicht am Cottbuser Torhüter Tremmel vorbeibringen. "Ich war trotzdem weiter guter Dinge", sagte der Deutsch-Ghanaer später. "Irgendwann hast du das Glück, dass dir der Ball vor die Füße springt." Genau so kam es in der 53. Minute, als Takyi von Matthias Lehmann bedient plötzlich im Cottbuser Strafraum freistand und zum 1:0 einnetzte. Der Befreiungsschlag - auch für Takyi persönlich. "Nach so einer schwächeren Phase ist es eine Frage der Zeit, dass man auch wieder da rauskommt", meinte der 25-Jährige. Kaum noch raus kamen Takyi und Co. später aus der eigenen Hälfte. Stanislawski hatte vor dem Spiel noch gescherzt, dass er seinen Trainerkollegen Claus-Dieter "Pelé" Wollitz in Manndeckung nehmen werde, wenn dieser die Mittellinie überschreite. Wollitz blieb brav in seiner Coachingzone, doch sein Team drückte umso mehr. Und während im und ums Stadion sechs Hundertschaften der Polizei für Sicherheit sorgten, war es im Stadion mit Hain ein einzelner Mann, der ein ums andere Mal brenzlige Situationen entschärfte.

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"Ich glaube, dass die Zuschauer eine super Partie mit vielen Torchancen gesehen haben", sagte Stanislawski. Sein Team habe versucht, nach vorne zu spielen, was vor allem in der ersten Hälfte gut gelungen sei. Später habe man dann auch etwas Glück gehabt, wobei Stanislawski diese Vokabel gar nicht mag. "In dieser Phase der Saison gibt es eigentlich weder Glück noch Pech, sondern nur Sieg oder Niederlage." In Cottbus war es ein Sieg, der Gold wert sein könnte.

Die Statistik

Cottbus: 30 Tremmel - 38 Straith (ab 69. Miatke), 27 Burca, 25 Brzenska, 4 Angelow - 20 Shao, 18 Kruska, 16 Kurth (ab 81. Fandrich), 10 Rivic - 11 Kweuke (ab 70. Radu), 26 Petersen. - Trainer: Wollitz

St. Pauli : 25 Hain - 2 Lechner, 4 Morena, 16 Thorandt, 6 Oczipka - 17 Boll, 20 Matthias Lehmann - 8 Bruns (ab 81. Sukuta-Pasu), 13 Takyi (ab 85. Schultz), 23 Naki (ab 78. Kruse)- 9 Ebbers. - Trainer: Stanislawski

Schiedsrichter : Christian Dingert (Thallichtenberg)

Tore : 0:1 Takyi (54.)

Zuschauer : 11.000