FC Bayern vs. HSV

Welcher HSV-Profi stoppt Franck Ribéry am Sonnabend?

Am Sonnabend will der HSV den wahrscheinlich besten Spieler der Welt ärgern. Nur wer ihn stoppen soll, ist noch offen. René Adler fällt verletzt aus. Van Marwijk attackiert seine Spieler.

Hamburg. Matthias Kreutzer war in dieser Woche wirklich nicht zu beneiden. Einige DVDs sollte der Videoanalyst des HSV zusammenstellen, auf denen Stärken, Schwächen und bestimmte Bewegungsmuster von den einzelnen Bayern-Profis offensichtlich werden. Diese DVDs fertigt Kreutzer vor jedem Spiel an, damit die HSV-Profis optimal vorbereitet in eine Partie gehen.

Das Problem vor der Partie beim FC Bayern München am Sonnabend (15.30 Uhr und im Liveticker bei abendblatt.de): Franck Ribéry, der wohl beste Spieler der Welt, hat keine Schwächen. Und für seine Stärken würde eine DVD kaum reichen. „Bei Franck war es wirklich nicht ganz einfach, eine DVD zu machen. Er hat kein bestimmtes Bewegungsmuster, auf das man sich einstellen kann. Er ist beidfüßig, kann innen oder außen vorbeigehen“, sagt Kreutzer, der aber nach langer Suche trotzdem einige Sequenzen finden konnte: „Die Gladbacher haben Ribéry am ersten Spieltag sehr geschickt verteidigt. Daran kann man sich orientieren.“

Tatsächlich scheint auch HSV-Trainer Bert van Marwijk die Verteidigung Ribérys noch einige Kopfschmerzen zu bereiten. Da mit Dennis Diekmeier und Heiko Westermann seine Rechtsverteidiger Nummer eins und zwei verletzt fehlen, Zhi Gin Lam als Rechtsverteidiger Nummer drei erst seit Sonntag wieder im Mannschaftstraining ist und Michael Mancienne als Rechtsverteidiger Nummer vier zuletzt wenig überzeugen konnte, musste sich in dieser Woche im Training sogar Tomas Rincon als Rechtsverteidiger Nummer fünf ausprobieren.

Im Geheimtraining am Donnerstag durften sowohl Mancienne als auch Rincon eine Halbzeit spielen. „Wenn ich eine Lösung dafür hätte, wie man gegen einen der besten Spieler der Welt verteidigt, dann wäre das ja auch zu einfach“, sagte van Marwijk, der offenbar eher zu Rincon tendiert. Wirklich rosige Aussichten vor dem Duell mit Ribéry sind das nicht.

„Für jeden Rechtsverteidiger der Bundesliga ist das Spiel gegen Franck Ribéry das schwierigste Spiel der Saison. Er ist der beste Spieler der Welt, deswegen ist auch klar, dass niemand ihn alleine stoppen kann“, sagt Diekmeier, der das „Vergnügen“ hatte, beim 2:9 in der vergangenen Saison gegen den Franzosen zu spielen. „Wer auch immer von uns am Sonnabend gegen Ribéry spielen muss, braucht die Unterstützung der Kollegen. Man muss Ribéry doppeln. Denn irgendwann kommt er immer mal mit seinen Dribblings an einem vorbei, und dann muss schon der nächste Gegenspieler da sein, um zu helfen“, erklärt Diekmeier.

Für den Verteidiger ist die Frage, wer am 13. Januar zum besten Spieler der Welt gekürt wird, längst beantwortet: „Ribéry war in diesem Jahr sogar noch besser als Cristiano Ronaldo. Besser als er kann man gar nicht spielen.“ Zustimmung erhält Diekmeier von Mancienne, der trotz seines schwachen Auftritts gegen Augsburg noch immer hofft, gegen den Besten der Besten am Sonnabend spielen zu dürfen: „Franck ist derzeit der beste Spieler der Welt, aber daran darf ich im Spiel nicht denken.“ Dabei ist es nur ein Randaspekt, dass mit Mancienne ausgerechnet einer der noch im vergangenen Sommer Aussortierten oder mit Rincon einer der im kommenden Sommer wohl vertragslosen Profis gegen Ribéry auflaufen soll.

Die Hauptgeschichte dieses Jahres gehört zweifelsohne dem Franzosen, der die Bayern zu Meisterschaft, Pokalsieg und Champions-League-Triumph führte. Gerade erst wurde der Mittelfeldmann in der Heimat zum dritten Mal zu Frankreichs Fußballer des Jahres gewählt, bereits im August wurde er Europas Fußballer des Jahres, und aller Voraussicht nach wird er im Januar auch noch den Ballon d’Or des Weltfußballers des Jahres in Zürich überreicht bekommen. „Es gibt keinen einzigen Spieler auf der Welt, der das mehr verdient hätte als Franck“, sagte Uli Hoeneß nach der letzten Ribéry-Gala am Wochenende beim 7:0-Sieg gegen Werder Bremen. Und in seiner unnachahmlichen Art fügte der Bayern-Präsident an: „Und wenn er es nicht wird, dann ist das eine Riesensauerei.“

Die Münchner Fußball-Familie hält bei der vom Weltverband Fifa im Nachhinein verlängerten Wahl genauso zu ihrem Lieblings-Franzosen wie bei dessen noch immer nicht entschiedenen Prozess in der Affäre Zahia. Der dreifache Familienvater hatte zwar zugegeben, mit der damals noch minderjährigen Prostituierten 2010 sexuellen Kontakt gehabt zu haben. Ihr wahres Alter habe er aber nicht gewusst, beteuerte Ribéry. Und während die französische Öffentlichkeit gespannt auf das Urteil wartet, ist das Thema in München vor allem eines: kein Thema. Mir san mir, so heißt das Motto der Bayern, egal ob es um Steuern, eine nicht verzollte Armbanduhr oder den Seitensprung mit einem noch minderjährigen Callgirl geht.

Was die Leistung auf dem Feld betrifft, so kann der geläuterte Ribéry mit Fug und Recht behaupten, dass ihn der Prozess und die Nebengeräusche keineswegs abgelenkt haben. Der geniale Fußballer war in der Tripel-Saison der beste Münchner und ist auch in dieser Spielzeit wieder mit sechs Treffern und neun Vorlagen herausragend. Eine Bilanz, die gegen den HSV selbstverständlich ausgebaut werden soll.

Nur am Rande sei hier erwähnt, dass die Bayern das Spiel zum Saisonauftakt gegen Mönchengladbach, in dem die Borussen Ribéry ja vergleichsweise gut im Griff gehabt haben sollen, mit 3:1 gewinnen konnten. Zweifacher Vorlagengeber war: Franck Ribéry.