Drobny für Adler, van Marwijk attackiert

Der Trainer spricht der Nummer zwei das Vertrauen aus, kritisiert seine Mannschaft aber hart

Hamburg. Am frühen Donnerstagnachmittag siegte sie dann doch noch: die Vernunft über den absoluten Willen. Kurz bevor sich HSV-Trainer Bert van Marwijk auf der turnusmäßigen Pressekonferenz zu seinen Vorbereitungen auf das Spiel gegen die Bayern äußern sollte, wurde der Niederländer informiert, dass Torhüter René Adler in München nicht spielen kann. Der linke Fuß, genau genommen: die Kapsel. „Ich kann das nicht ändern. Dann spielt eben Jaroslav Drobny“, sagte van Marwijk mit versteinerter Miene.

Bereits seit Tagen plagte sich Adler mit Schmerzen am Sprunggelenk, wollte aber zunächst nicht auf den Rat der Ärzte hören, in München auszusetzen. Nachdem die Schmerzen nicht weniger wurden, entschied sich der Nationaltorhüter dann doch zur Zwangspause. Ob der 28 Jahre alte Keeper am letzten Spieltag gegen Mainz wieder einsatzfähig ist, wird erst in der kommenden Woche entschieden.

Somit darf Adler-Vertreter Drobny in dieser Saison das erste Mal auflaufen – und dann ausgerechnet gegen den Verein, zu dem er vor anderthalb Jahren unbedingt hinwechseln wollte. 2012 hatte sich Bayerns Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge beim damaligen Sportchef Frank Arnesen nach den gewünschten Ablösemodalitäten erkundigt. Da Arnesen aber eine Millionensumme forderte, platzte der Deal. Statt Drobny holten die Bayern Tom Starke aus Hoffenheim als Neuer-Ersatz. „Ein paar Tage lang habe ich mich schon geärgert, ich habe auch mit Frank Arnesen darüber gesprochen“, sagte Drobny im Sommer dem Abendblatt, „ich bin dann beim HSV geblieben – und das habe ich nicht bereut.“

Noch immer bereuen tut Trainer van Marwijk den schwachen Auftritt seiner Mannschaft gegen Augsburg. „Zehn Spieler haben unter ihrem Niveau gespielt. Ich glaube, dass das eine mentale Sache ist, und das kann ich nicht akzeptieren“, schimpfte er: „Ich kann auch nicht verstehen, dass das von allen hier im Verein offenbar akzeptiert wird. Diese Zufriedenheit hier, die fängt mich langsam an zu irritieren.“ Ausgerechnet gegen die Bayern fordert der Niederländer nun Wiedergutmachung: „Ich werde keine Ruhe haben, bevor ich nicht eine Lösung finde.“