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Rodolfo Cardoso: Der Mann für gewisse Stunden

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Nach dem Rauswurf von Michael Oenning übernimmt der Argentinier interimistisch das Amt des Cheftrainers. Eine Dauerlösung ist er aber wohl nicht.

Hamburg. Das Fußballer-Leben von Rodolfo Esteban Cardoso hätte viele Gründe geliefert, mit diesem Metier nun gar nichts mehr zu tun haben zu wollen. Hochbegabt, oft verletzt, herumgeschoben, wieder gefeiert, erneut kaltgestellt – andere hätten sich danach der Rosenzucht zugewandt, oder eine Tangoschule gegründet. Cardoso blieb beim Fußball, sogar beim HSV, mit dem er einige Höhen und tiefste Tiefen erlebte. So kommt es, dass er seit Montagnachmittag „interimistisch“, wie es offiziell heißt, Cheftrainer des Tabellenletzten der Bundesliga ist, wie schon einmal im März als Vertretung für die Lücke nach Armin Veh.

Allen Beteiligten ist klar, dass der 42-Jährige Argentinier nur die Pause füllen wird, bis ein dauerhafter Nachfolger für Michael Oenning gefunden ist, das muss nicht einmal bis zum nächsten Ligaspiel am Freitag in Stuttgart dauern. Trotzdem wird Cardoso, der keine Fußballlehrer-Lizenz besitzt, am Dienstag sogar noch offiziell vorgestellt – vermutlich, weil der HSV in Chaos und Trübsal ein Gesicht zeigen möchte, mit dem die Fans positive Gefühle und angenehme Erinnerungen verbinden. Cardosos beste Phasen beim HSV waren zugleich die besten des Klubs seit langer Zeit, allen voran die Saison 1999/2000, als er das Team mit Eleganz und Esprit bis in die Champions League führte. Hätte die aktuelle Mannschaft nur eine Spur seiner Klasse, wäre Oenning noch Trainer.

Als dauerhafte Lösung auf dem Trainerstuhl wäre Cardoso, Trainer der U23-Mannschaft, auch mit Lizenz eher schwer vorstellbar. Er strahlt eine feinsinnige Zurückhaltung aus, die ihm schon als Mittelfeld-Regisseur zu eigen war, die aber in der derzeitigen Situation des Ein-Punkte-Vereins weder den Spielern noch der Öffentlichkeit zu vermitteln wäre.

HSV feuert Michael Oenning, Cardoso übernimmt vorerst

Dabei ist Cardoso mit der U23-Mannschaft in der Regionalliga sehr erfolgreich, verantwortet einen munteren Offensiv-Fußball und ist ein gesuchter Partner für fachliche Gespräche. Seine bisherigen Aussagen zur Entwicklung der Profimannschaft waren so zurückhaltend, wie es sich Oenning nur wünschen konnte; Loyalität und das Interesse des Teams waren ihm stets wichtig. Am Dienstag wird er sich etwas genauer äußern müssen, wie er die Leistungsfähigkeit und mentale Verfassung des Teams einschätzt. Es wird sich lohnen, ihm zuzuhören, auch wenn es nur für wenige Tage ist.