2:1 gegen Dänemark

Lars Bender freut sich über "das größte Geschenk"

Lesedauer: 7 Minuten
Kai Schiller

Der Boateng-Ersatz traf spät zum Sieg gegen Dänemark. Im Viertelfinale kommt es Freitag gegen Griechenland zum nächsten kniffligen Duell.

Lwiw. Als Schiedsrichter Carlos Velasco um 22.35 Uhr (MESZ) seine Pfeife ein letztes Mal benutzte, fing die Gratulationstour für den überglücklichen Lars Bender an. Ausgerechnet der Leverkusener, der in seinem neunten Länderspieleinsatz zum ersten Mal in der Startformation stand, erlöste die deutsche Nationalmannschaft in der 80. Minute mit seinem ersten DFB-Treffer zum 2:1 gegen Dänemark. Der 14. Pflichtspielsieg der DFB-Auswahl war perfekt. Zum ersten Mal bei einer EM zieht Deutschland ohne Punktverlust in die K.-o.-Runde ein. Gegner im Viertelfinale am Freitag ist Griechenland (siehe Berichte Seite 23).

"Ich bin froh, dass ich meinen Einsatz bekommen habe", sagte Bender. "Dass ich das mit einem Tor gekrönt habe, war das größte Geschenk. Ich werde lange an diesen Tag zurückdenken."

Bestätigt durfte sich auch Joachim Löw fühlen, der den Mittelfeldspieler auf die rechte Abwehrseite stellte - und nicht Benedikt Höwedes. "Lars Bender bringt alle Voraussetzungen mit, einen guten Außenverteidiger zu spielen", sagte der Bundestrainer. "Er ist lauf- und zweikampfstark, gut im Passspiel."

Bis zum von Bender vollbrachten Happy End war es gegen die unbequemen Dänen jedoch ein hartes Stück Arbeit. Während der Wettstreit zwischen den 12.000 deutschen und 5000 dänischen Anhängern mit einem Unentschieden endete, entwickelte sich eine zunächst eher einseitige Partie.

Bereits nach 104 Sekunden wurde deutlich, dass Löws Team nur wenig Gefallen an einem Remis finden würde, das zum Einzug ins Viertelfinale gereicht hätte. Thomas Müllers Dropkick-Schuss fand allerdings ebenso wenig sein Ziel (drüber) wie sein überhasteter Abschluss aus nur drei Metern (gehalten) vier Minuten später. Und weil selbst Mario Gomez' siebter Turnierschuss ausnahmsweise nicht ins, sondern über das Tor flog (12.), mussten die akustisch mindestens ebenbürtigen DFB-Anhänger bis zur 19. Minute warten, ehe sie auch wirklich jubeln durften. Pass Müller, Hacke Gomez, Tor Lukas Podolski - so bringt Fußball Spaß. Dass der zuletzt wenig überzeugende Noch-Kölner in seinem 100. Länderspiel seine Treffsicherheit wiederfand, passte vorzüglich zum bisherigen Verlauf des Abends. Mit seinem 44. Treffer ließ er in der ewigen Torjägerrangliste des DFB Uwe Seeler hinter sich, der allerdings nur 72 Länderspiele für seine 43 Tore benötigte, und ist nun Sechster.

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Dass aber auch Dänemark durchaus gewillt war, an diesem bis dato einseitigen Fußballspiel teilzunehmen, musste die deutsche Mannschaft nur fünf Minuten nach dem hochverdienten Führungstor auf überraschende und gleichzeitig schmerzvolle Art und Weise erfahren. Dabei wurde einmal mehr deutlich, warum es am Stammtisch immer heißt, dass Stürmer im eigenen Strafraum nichts zu suchen haben.

Wie sonst auch kümmerte sich Gomez aber nur wenig um das Geschwätz der Leute, was nach einer vom früheren HSV-Profi Lars Jacobsen ausgeführten Ecke Dänemarks dazu führte, dass der gerade mal 1,72 Meter kleine Michael Krohn-Dehli ungehindert zum nicht für möglich gehaltenen 1:1-Ausgleich traf. Mindestens genauso schuldig machten sich aber Bastian Schweinsteiger und Bender, die die Kopfballvorlage Bendtners nicht verhindern konnten.

+++ Die Stimmen: "Wir hatten nichts zu gewinnen" +++

Wie die Niederländer im ersten Spiel, die sich ein gefühltes Chancenverhältnis von 100:1 gegen die Skandinavier erspielten, aber 0:1 verloren hatten, musste auch die Elf von Löw nach 45 Minuten erkennen, dass im Fußball letztendlich nur die Tore zählen. Und der eine oder andere Beobachter dachte sicher: Gegen die tapfer verteidigenden Dänen durfte das DFB-Team schon einmal vorempfinden, was gegen die wahrscheinlich noch defensiver eingestellten Griechen auf sie warten würde.

Nach Wiederanpfiff entwickelte sich ein echtes Gedulds- und Nervenspiel. Die deutsche Mannschaft verlor die spielerische Linie, konnte die in der ersten Halbzeit gezeigte Dominanz nicht mehr zeigen. Vor allem Mesut Özil, eigentlich als Ideengeber vorgesehen, hatte erneut wesentlich weniger Aktionen als erhofft. Die Dänen, die nach 45 Minuten - zwischen den Niederlanden und Portugal stand es zu diesem Zeitpunkt 1:1 - nur Platz drei der Gruppe B belegten, demonstrierten ihre Qualitäten als kämpferisch starkes Kollektiv. Sie verteidigten geschickter und ließen keine Chancen mehr zu. Nur Zentimeter fehlten, dann wäre Jakob Poulsen das 2:1 geglückt, doch sein Schuss von der Strafraumlinie zischte knapp am Pfosten vorbei (51.).

+++ Fan-Fest: Zehntausende Hamburger fieberten mit +++

Löw reagierte auf die stotternde Offensive, brachte André Schürrle für Jubilar Podolski, der nach seinem Treffer in der Versenkung verschwunden war und zu Recht ausgewechselt wurde. Zunächst änderte sich jedoch nichts - und es entwickelte sich ein Zitterspiel, nachdem Portugal die 2:1-Führung gegen die Niederlande gelang. Jetzt ein weiterer Treffer der Dänen und Deutschland hätte nach der Vorrunde die Heimreise antreten müssen.

+++ Kommentar: Generation titelreif +++

Doch dann wagte sich Bender bei einem Konter nach vorne und sorgte für Beruhigung. Özil wollte eigentlich den eingewechselten Miroslav Klose bedienen, doch der Ball landete beim Leverkusener, der nur noch einzuschieben brauchte (80.). Der Rest war Jubel.

Statistik

Dänemark: Andersen/FC Evian TG (30 Jahre/13 Länderspiele) - Jacobsen/FC Kopenhagen (32/53), Kjaer/AS Rom (23/27), Agger/FC Liverpool (27/49), Simon Poulsen/AZ Alkmaar (27/21) - Kvist/VfB Stuttgart (27/31) - Eriksen/Ajax Amsterdam (20/26), Jakob Poulsen/FC Midtjylland (28/24) ab 82. Mikkelsen/FC Nordsjaelland (25/6), Zimling/FC Brügge (27/14) ab 79. Christian Poulsen/FC Evian TG (32/92), Krohn-Dehli/Bröndby IF (29/24), Bendtner/FC Sunderland (24/51). - Trainer: Olsen

Deutschland: Neuer/Bayern München (26/29) - Bender/Bayer Leverkusen (23/9), Hummels/Borussia Dortmund (23/17), Badstuber/Bayern München (23/23), Lahm/Bayern München (28/89) - Khedira/Real Madrid (25/30), Schweinsteiger/Bayern München (27/93) - Müller/Bayern München (22/30) ab 84. Kroos/Bayern München (22/29), Özil/Real Madrid (23/36), Podolski/1. FC Köln (27/100) ab 64. Schürrle/Bayer Leverkusen (21/15) - Gomez/Bayern München (26/55) ab 74. Klose/Lazio Rom (34/119). - Trainer: Löw

Schiedsrichter: Carlos Velasco Carballo (Spanien)

Tore: 0:1 Podolski (19.), 1:1 Krohn-Dehli (24.), 1:2 Bender (80.)

Zuschauer: 32.990

Gelbe Karten: -

Erweiterte Statistik (Quelle: impire):

Torschüsse: 10:13

Ecken: 5:3

Ballbesitz: 41:59