WM in Brasilien 2014

Angstgegner Italien – oder doch gegen Bosnien?

Die Fifa hat die Töpfe für die WM-Auslosung am Freitag bekannt gegeben. Bundestrainer Löw sieht möglichen Gruppengegnern entspannt entgegen.

Costa do Sauípe. Joachim Löw schwebte über den Wolken, als Jérôme Valcke in Costa do Sauípe die mit Spannung erwarteten Gruppentöpfe für die Auslosung zur Fußball-Weltmeisterschaft am Freitag (17 Uhr/ARD) bekannt gab. Der Generalsekretär des Weltverbandes Fifa räumte gerade ein, dass das aktuelle Prozedere für die Auslosungszeremonie in der Arena Sauípe nicht so einfach zu verstehen sei, da landete der aus Basel kommende Bundestrainer gerade in München, von wo aus er am Montagabend gemeinsam mit seinem Assistenztrainer Hansi Flick und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff zunächst nach São Paulo flog.

Von dort aus geht es für dieses Trio und weitere DFB-Vertreter am Mittwoch per Flugzeug weiter nach Salvador da Bahia und anschließend nach Costa do Sauípe. „Wir nehmen es, wie es kommt. Wir haben keine Wunschgegner. Wenn Deutschland in ein Turnier geht, will man immer den maximalen Erfolg“, wiederholte Löw, nachdem die Lostöpfe für die WM am Zuckerhut (12. Juni bis 13. Juli) feststanden. Seine Mannschaft könnte schon in der Vorrunde auf schwere Gegner treffen. Schon in der Gruppenphase wären Spiele gegen den Erzrivalen Niederlande, den viermaligen Weltmeister Italien, Frankreich oder England möglich.

Die DFB-Auswahl könnte zum Beispiel in einer Gruppe mit Italien, der Elfenbeinküste und den USA mit dem früheren Bundestrainer Jürgen Klinsmann spielen. Es wäre aber genauso auch eine vergleichsweise leichte Vorrunde mit Bosnien-Herzegowina, Algerien und Honduras möglich. „Bei der EM 2012 haben wir auch akzeptiert, dass wir mit Holland, Portugal und Dänemark in der Vorrunde auf drei Top-Ten-Teams der Weltrangliste getroffen sind. Eine viel stärkere Gruppe kann es bei der WM gar nicht geben“, sagte Löw angesichts der vielen Möglichkeiten. „Beim Turnier muss man sieben Spiele auf einem Topniveau sein und darf sich keine Schwächephase erlauben.“

Sein Vorgänger Klinsmann hatte seinen Unmut über das neue Setzsystem des Weltverbandes dagegen schon früh zum Ausdruck gebracht. „Es ist unausgewogen und wird eine Menge Fragezeichen und viele Debatten hervorrufen. Es ist, wie es ist, aber ich bin nicht zufrieden damit“, sagte der Coach der US-Boys. Sein Team könnte zum Beispiel auf Brasilien, Italien und Frankreich treffen, was ein Weiterkommen fast unmöglich machen würde.

Die gesetzten Mannschaften Brasilien, Spanien, Deutschland, Argentinien, Kolumbien, Belgien, Schweiz und Uruguay standen schon vorher aufgrund der Fifa-Weltrangliste vom Oktober fest. Bei der Einteilung der drei weiteren Töpfe spielten neben sportlichen auch regionale Kriterien eine Rolle. Dabei gibt es noch eine Besonderheit. In Topf vier befinden sich derzeit noch neun europäische Mannschaften. Erst kurz vor der eigentlichen Gruppenauslosung wird eine europäische Mannschaft in Topf zwei gelost, damit sich in allen Töpfen acht Teams befinden. Warum dies so ist, konnten weder Valcke noch Fifa-Boss Joseph S. Blatter genau erklären. Zunächst war spekuliert worden, Frankreich würde als nominell schwächstes europäisches Team fest dem Topf 2 mit den afrikanischen Mannschaften plus Chile und Ecuador zugeordnet.

Ansonsten waren die Lostöpfe vom Weltverband im Großen und Ganzen wie erwartet zusammengestellt worden. Ausgeschlossen ist, dass drei europäische oder zwei südamerikanische Teams in einer Gruppe spielen müssen. Ein ausgeklügeltes System soll dies verhindern. Mögliche sportlich interessante Gruppen ohne deutsche Beteiligung wären auch Brasilien, Italien, Niederlande und die USA oder Argentinien, Frankreich, England und Japan. „Es wird auf alle Fälle sehr attraktive Vorrundenspiele geben“, sagte Blatter, der 190 Tage vor dem Turnierstart noch einmal eine Liebeserklärung an das WM-Gastgeberland abgab. „Die Wiege des Fußballs mag ja in England stehen, die Seele des Fußballs ist aber in Brasilien“, sagte der 77-jährige Schweizer.

Zuvor kündigte Blatter an, dass trotz möglicherweise extremer Hitze in den Mittagsstunden am Spielplan festgehalten wird. Teilweise werden die Partien um 13 Uhr Ortszeit angepfiffen. Vor allem in den Städten im Nordosten Brasiliens (Fortaleza, Natal, Recife und Salvador) kann es tropisch-schwül werden. Die Spielergewerkschaft FifPro hatte zuletzt eine Verlegung von Spielen in die Abendstunden gefordert.

Das Eröffnungsspiel soll trotz des Unfalls in der vergangenen Woche wie geplant in São Paulo ausgetragen werden. „Das Stadion sollte trotzdem fertig werden. Hier geht es immer auch um Vertrauen“, sagte Blatter. Der Zeitplan für die Fertigstellung des Stadions könnte eingehalten werden, erklärte der stellvertretende Sportminister Luis Fernandes. Zuletzt war über eine Verlegung des Eröffnungsspiels spekuliert worden. Der Weltverband und die lokalen Organisatoren erwarten in den kommenden Tagen den Untersuchungsbericht zu dem Unglück mit zwei Toten am vergangenen Mittwoch.

„Wir befinden uns nicht in einer Krisensituation und suchen nicht nach Alternativen. Wir wissen, dass das Eröffnungsspiel auf jeden Fall in São Paulo stattfinden wird“, sagte Jérome Valcke. Die ursprüngliche Frist zum Ende des Jahres könne zwar voraussichtlich nicht eingehalten werden. „Aber es wird rechtzeitig fertig“, betonte der Generalsekretär.

Die Lostöpfe für die Auslosung der WM-Vorrundengruppen im Überblick:

Topf 1: Brasilien, Spanien, Deutschland, Argentinien, Kolumbien, Belgien, Schweiz, Uruguay

Topf 2: Chile, Ecuador, Algerien, Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun, Nigeria

Topf 3: Australien, Iran, Japan, Südkorea, Costa Rica, Honduras, Mexiko, USA

Topf 4: Niederlande, Italien, England, Portugal, Griechenland, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Russland, Frankreich