Coronavirus

Uefa bringt "größtes Opfer" und verschiebt die Fußball-EM

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Das Logo der Fußball-EM hinter einem Zaun des Uefa-Hauptquartiers in Nyon: Wegen des Coronavirus wird das Turnier auf 2021 verschoben.

Das Logo der Fußball-EM hinter einem Zaun des Uefa-Hauptquartiers in Nyon: Wegen des Coronavirus wird das Turnier auf 2021 verschoben.

Foto: FABRICE COFFRINI / AFP

Damit erhalten die nationalen Ligen zusätzlichen Spielraum. Doch auch der neue Termin ist problematisch.

Nyon. Die Hilferufe der Vereine und der Ligen wurden erhört, die Uefa ist eingeknickt: Nach langem Zögern hat die Europäische Fußball-Union die für dieses Jahr geplante EM-Endrunde wegen der Coronavirus-Pandemie auf Sommer nächsten Jahres verschoben. Nach einem Krisengipfel am Dienstag beschloss die Uefa die historische Verlegung des paneuropäischen Mega-Turniers, das ursprünglich vom 12. Juni bis zum 12. Juli in zwölf Ländern ausgetragen werden sollte. Als neuen Termin für die Endrunde schlug die Uefa den Zeitraum vom 11. Juni bis 11. Juli 2021 vor.

„Es war wichtig, dass die Uefa als Dachverband des europäischen Fußballs den Prozess anführte und das größte Opfer brachte“, wurde Präsident Aleksander Ceferin in einer Verbandsmitteilung zitiert: „Die Verschiebung der EM 2020 ist für die Uefa mit enormen Kosten verbunden, aber wir werden unser Bestes tun, um sicherzustellen, dass die lebenswichtige Finanzierung des Breiten- und Frauenfußballs und die Entwicklung des Spiels in unseren 55 Ländern nicht beeinträchtigt wird.“

EM-Verschiebung wegen Corona: neuer Spielraum für Ligen

Damit haben die nationalen Ligen nun den dringend benötigten Puffer, um die Saison noch im Sommer zuende spielen zu können. Die zuvor schon von vielen Seiten geforderte Entscheidung fällte das Uefa-Exekutivkomitee nach mehreren Videokonferenzen, an denen Vertreter aller 55 Mitgliedsverbände, der nationalen Ligen sowie der Europäischen Clubvereinigung ECA teilnahmen.

Der Spielbetrieb in Champions und Europa League, die derzeit unterbrochen sind, wird indes weiter ausgesetzt. Die für Ende März angesetzten Länderspiele sollen ebenso wie die Play-offs zur EM Anfang Juni ausgetragen werden, sofern es die Corona-Pandemie zulässt. Die Uefa hatte zuvor Medienberichten widersprochen, wonach sie von den Vereinen und Ligen umgerechnet rund 300 Millionen Euro für eine Verschiebung der EM verlange.

Neben den Olympischen Spielen in Tokio (24. Juli bis 9. August), von deren Austragung die japanischen Organisatoren weiter ausgehen, war die EM das bedeutendste Sportereignis dieses Jahres, die deutsche Nationalmannschaft sollte ihre Vorrundenspiele in München gegen Weltmeister Frankreich, Titelverteidiger Portugal sowie den Sieger eines Play-off-Turniers bestreiten. Der 17. März geht nun als historischer Tag in die Geschichte der Uefa ein, noch nie wurde seit der Gründung 1954 zuvor eine EM verschoben.

Neuer EM-Termin birgt auch Probleme

Doch auch bei der Endrunde 2021 sind Probleme schon programmiert. Im kommenden Sommer kollidiert das Turnier mit der in China geplanten Fifa-Club-WM, die auf 24 Mannschaften aufgestockt worden war. Acht europäische Teams sind bei dem millionenschweren Turnier eingeplant – die Uefa könnte der Fifa entgegenkommen, indem sie im Gegenzug für eine Verlegung der Klub-WM mehr europäische Spitzenteams entsendet. Auch die Frauen-EM in England (7. Juli bis 1. August) ist fürs kommende Jahr angesetzt, schwedische Medien brachten bereits eine Verlegung auf Sommer 2022 ins Spiel.

Angesichts der raschen Verbreitung des Virus ruht derzeit in fast allen europäischen Ligen der Spielbetrieb. Die Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) hatte am Montag beschlossen, dass in der Bundesliga und 2. Liga bis mindestens 2. April nicht gespielt wird. Bis zuletzt hatte die Uefa trotzdem noch strikt am Terminkalender für die EM festgehalten - dass dieser aufgrund der Verzögerungen in den nationalen Ligen nicht haltbar sein würde, hatte sich aber schon abgezeichnet.

Bundesliga hatte auf EM-Verschiebung gedrängt

„Die Wahrscheinlichkeit, dass wir im Sommer eine perfekte EM spielen, die ist vermutlich keine Zahl mehr vor dem Komma“, hatte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am Vortag des Krisengipfels gesagt. Auch die Vertreter der Bundesliga-Klubs hatten zuvor schon diese radikale Lösung der Verschiebung befürwortet. „Kein Mensch kann aktuell seriös voraussagen, wie lange uns das Thema Coronavirus noch beschäftigen wird“, meinte etwa Bayern Münchens mächtiger Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Interaktive Karte zur Verbreitung des Coronavirus:

Zu einer Gesinnungsänderung bei der Uefa dürfte auch geführt haben, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO das Coronavirus am vergangenen Mittwoch erstmals als Pandemie eingestuft hatte. Zehntausende Fans, die wegen der EM quer durch Europa reisen, wurden vor diesem Hintergrund zu einer Horrorvorstellung.

Bayern-Star Müller begrüßt EM-Verschiebung

Ex-Nationalspieler Thomas Müller begrüßt die Verlegung der Fußball-EM 2020. „Die einzig richtige Entscheidung“, twitterte der Fußball-Weltmeister von 2014 am Dienstag, noch bevor die Europäische Fußball-Union die offizielle Entscheidung verkündete.

Der 30 Jahre alte Müller war vor einem Jahr von Bundestrainer Joachim Löw aussortiert worden. Ohne den Publikumsliebling von Rekordmeister FC Bayern München qualifizierte sich die DFB-Elf für die EM. Deutschland wäre in diesem Sommer mit München einer von zwölf Gastgebern für die 51 Spiele der 24 Teilnehmer gewesen. Inwieweit die Uefa die historische Endrunde im Sommer 2021 unter gleichen Voraussetzungen ausrichten will und kann, blieb zunächst offen.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Hände waschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen
( SID/HA )

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