Das große Doppel-Interview zum Boxen

Klaus-Peter Kohl: "Universum wird nie pleite sein"

Foto: Roland Magunia

Die Doppelspitze Kohl und Dietmar Poszwa über Zukunftspläne mit ihrem Profiboxstall, TV-Verhandlungen und die Chancen im Internet.

Hamburg. An diesem Sonnabend endet mit der Champions Night in der O2 World die seit 2002 währende Kooperation zwischen dem Profiboxstall Universum und dessen TV-Partner ZDF. Der 109. Kampfabend (Programm siehe Infokasten) steht unter dem Motto "Danke ZDF". Über die Zukunft seines Unternehmens hat Universum-Chef Klaus-Peter Kohl, 66, lange geschwiegen. Nach der Rückkehr aus dem Ausland am Freitagmorgen nahmen sich Kohl und sein Schwiegersohn und designierter Nachfolger Dietmar Poszwa, 38, Zeit, um bei Kaffee, Müsli und Obstsalat über ihre Pläne zu sprechen.

Quo vadis Universum? Boxstall nur noch ein "sinkendes Schiff"

Abendblatt:

Herr Kohl, Herr Poszwa, was werden die Fans Ihrer Meinung nach vermissen, wenn das ZDF in Zukunft keine Universum-Kampfabende überträgt?

Kohl:

Ich denke nicht, dass die Fans überhaupt etwas vermissen müssen. Es wird im Fernsehen weiter Boxkämpfe geben. Natürlich ist bei uns Wehmut dabei, dass eine so erfolgreiche Partnerschaft jetzt ihr Ende findet. Aber es geht ja weiter, und das ist für die Fans doch entscheidend. Die Menschen sind es gewohnt, sich umzustellen.

Welchen Sender müssen die Fans denn in Zukunft einschalten, um Universum-Boxer zu sehen?

Poszwa:

Dazu können wir derzeit noch nichts Konkretes sagen. Wir sind in guten Gesprächen, es gibt Interesse und auch Angebote.

Kohl:

Wir hätten schon im Mai einen neuen Vertrag unterschreiben können, der ein Angebot beinhaltet, das in der Form noch kein Promoter auf der Welt erhalten oder umgesetzt hat. Aber wir sind noch dabei, alle möglichen Pläne zu sondieren, um am Ende wieder etwas Großes auf die Beine zu stellen. Das braucht Zeit. Und ich bitte um Verständnis, dass wir in der Öffentlichkeit darüber nicht reden, denn das würde nur die Konkurrenz hellhörig machen. Ich arbeite lieber im Verborgenen und freue mich, wenn ich Dinge tue, von denen niemand etwas weiß.

Dennoch fühlten Sie sich in dieser Woche genötigt, ein Statement abzugeben, dass Sie definitiv weitermachen. Warum?

Kohl:

Wir haben gespürt, dass viele Partner wegen der negativen Berichte der vergangenen Monate verstört waren. Deshalb ist es uns wichtig zu betonen, dass wir weitermachen. Die Reaktionen zeigen uns, dass das nötig war.

Zuletzt klagten sogar viele Ihrer Boxer darüber, dass sie im Unklaren gelassen wurden. Inwieweit werden die jetzt in die Pläne eingeweiht?

Poszwa:

Unsere Tür stand immer offen, und das gilt auch weiterhin. Viele Boxer haben dies auch genutzt und sind in Einzelgesprächen über die Planungen informiert worden, allerdings nicht in dem Umfang, dass sie genau Bescheid wissen, was wir planen. Das ist auch nicht wichtig, denn sie sollen sich auf ihre Kämpfe konzentrieren. Wichtig ist doch nur, dass sie wissen, dass wir mit ihnen planen. Und die, die jetzt bei uns unter Vertrag stehen, wissen das.

Kann man davon ausgehen, dass die Trainer und Sportler, die gültige Verträge mit Ihnen haben, auch in Zukunft unter Ihrem Banner in den Ring steigen?

Poszwa:

Wir fühlen uns mit der jetzigen Mannschaft sehr gut aufgestellt, aber durch überraschende Ergebnisse wie in den vergangenen Wochen können sich kurzfristig Änderungen ergeben.

Ist es überhaupt möglich, ohne einen festen TV-Partner die Aufbauarbeit zu betreiben, für die Sie bekannt sind? Oder wird es in Zukunft harte Selektion geben nach dem Motto: Der Stärkste überlebt?

Poszwa:

Eine gewisse Aufbauzeit brauchen alle Boxer. Man kann Sportler auch ohne festen TV-Partner aufbauen, dennoch ist klar, dass das Anforderungsprofil in Zukunft anders sein wird. Das gilt aber nicht nur für die Boxer, sondern auch für die Trainer und für uns. Ob es härter wird, muss sich zeigen. Es wird aber auf jeden Fall anders.

Ist es so, dass Sie nicht mehr als Veranstalter auftreten werden, sondern Ihre Sportler auf Einzelevents in aller Welt unterzubringen versuchen, wo sie lukrative Kämpfe bestreiten können?

Kohl:

Wir werden uns auf den veränderten Markt einstellen und sicherlich flexibler werden. Wir werden verstärkt im Ausland präsent sein. Aber dass wir nicht mehr selbst veranstalten, kann ich nicht bestätigen. Es wird die beste Mischung aus allem sein.

Wollen Sie wieder einen exklusiven TV-Partner finden, oder werden Sie versuchen, Ihre Kämpfer dem Sender anzubieten, der gerade verfügbar ist, und auch die Neuen Medien zu nutzen?

Poszwa:

Das ist alles denkbar, gerade das Internet bietet viele Möglichkeiten, die allerdings kurzfristig noch nicht als tragende Säule taugen. Es hat aber enormes Zukunftspotenzial und ist auch jetzt schon ein wichtiges Beiwerk für uns. Wir haben uns mit unserem YouTube-Kanal und unserem Angebot für das iPhone gut aufgestellt.

Hat die Partnerschaft mit dem ZDF Sie auch träge gemacht? Den Vorwurf, Sie würden kein Risiko mehr eingehen und dem Zuschauer Kämpfe anbieten, die am freien Markt keinerlei Interesse hervorrufen, hat man zuletzt häufig gehört.

Poszwa:

Den Vorwurf lasse ich überhaupt nicht gelten. Im Gegenteil, wir haben viele Kämpfe gemacht, die viel Risiko mit sich brachten, und die wir teilweise verloren haben. Dafür haben wir auch Ärger bekommen, es hieß, wir würden unsere Sportler verheizen. Kritik gibt es immer, egal, was man tut.

Kohl:

Es sagt sich so leicht: Universum macht keine großen Kämpfe mehr. Aber für die großen Kämpfe braucht man auch ein großes Budget. Das merken auch die Boxer, die sich von uns getrennt haben, um sich selbst zu vermarkten. Man kann nicht immer die Topstars holen, sondern muss gucken, dass man die auch bezahlen kann. Ich sage nur: Wenn unsere Boxer immer so gut gekämpft hätten, wie sie verhandelt haben, ginge es Ihnen und uns besser.

Hätten Sie dann noch einen TV-Partner?

Kohl:

Das glaube ich nicht. Wir haben immer gesagt, dass wir für unser Produkt ein gewisses Budget brauchen, und die Sender haben derzeit nicht das Geld, um das zu bezahlen. Nur deshalb haben wir keinen neuen Vertrag.

Wenn Sie einen Topstar hätten, so wie es die Klitschko-Brüder und Dariusz Michalczewski waren und wie ihn das Team Sauerland mit Arthur Abraham hat, wäre die Lage anders.

Kohl:

Das stimmt, und das ist tatsächlich ein Problem, dass uns die Lokomotive fehlt. Aber wir können das als Team ausgleichen.

Das hört sich alles so an, als hätten Sie gar keine Fehler gemacht.

Kohl:

Wir haben sicherlich auch nicht alles richtig gemacht. Aber für die Lage der Wirtschaft im Allgemeinen und der TV-Sender im Speziellen können wir nichts. Ich habe in den vergangenen Monaten oft geschmunzelt, wenn ich die Abgesänge auf uns gelesen habe. Ich kenne doch diese Kritik. Wenn man Erfolg hat, wollen alle etwas. Wenn es nicht läuft, ist alles schlecht. Sportlich sind wir nicht schlechter aufgestellt als Sauerland. Wirtschaftlich sind wir das gesündeste Box-Unternehmen in Deutschland. Wir haben allen unseren Boxern immer pünktlich die Börsen bezahlt. Universum ist nicht pleite und wird es nie sein, dafür werde ich sorgen.

In Zukunft werden Sie dies als Geschäftsführer tun. Zum 1. August lösen Sie Stefan Braune ab. War er nicht gut genug?

Kohl:

Ich kann über ihn gar nichts Negatives sagen. Wir mussten unser Team verkleinern, um uns der Lage anzupassen. Wenn die Zeiten besser werden, ist er der Erste, den wir zurückholen.

Eigentlich wollten Sie sich doch schon im vergangenen Jahr zurückziehen. Jetzt mischen Sie wieder voll mit. Packen es die Jungen nicht?

Kohl:

Darum geht es nicht. Ich habe nur gespürt, dass ich in der jetzigen Phase auch öffentlich wieder die Verantwortung übernehmen muss. Ich habe auch in den vergangenen Monaten eng mit Dietmar kooperiert, keine große Entscheidung ist ohne mein Wissen gefällt worden. Aber jetzt ist es erforderlich, dass ich mich hinstelle und sage: Wenn es gut weitergeht, profitieren die Jungen. Wenn es nicht weitergeht, nehme ich es auf meine Kappe.

Herr Poszwa, was kann Ihr Schwiegervater, was ihn unentbehrlich macht?

Poszwa:

Er hat wahnsinnige Erfahrung, hat alles schon erlebt, und das ist in Krisenzeiten wichtig. Er hat großes Verhandlungsgeschick. Ich bin sehr froh, dass wir in der neuen Konstellation arbeiten werden.

Kohl:

Und ich lerne von den Jüngeren jeden Tag dazu. Mit den neuen Medien weiß ich nicht viel anzufangen. Außerdem sind Dietmar und ich ganz verschiedene Charaktere, die sich im Duett perfekt ergänzen. Unterm Strich zählt das Ergebnis für Universum.

Wird es Universum in fünf Jahren geben?

Kohl:

Das kann ich Ihnen nicht beantworten. Mein Wunsch ist, dass es erfolgreich weitergeht. Dafür müssen wir hart arbeiten. Dazu sind wir bereit.