Formel-1-Pilot Nico Rosberg

Schumachers Juniorpartner will kein Fahrschüler mehr sein

Foto: dpa / dpa/DPA

Das Mercedes-Cockpit bietet dem 24-jährigen Nico Rosberg eine große Chance, aber auch ein Risiko, das kaum kalkulierbar ist.

Stuttgart. Noch sind alle Teampartner in der Formel 1 an Michael Schumacher wenn nicht zerbrochen, so doch ziemlich verzweifelt. Nelson Piquet (1991) und Riccardo Patrese (1993) beendeten bei Benetton nach dem Schumacher-Schock ihre Karriere, Martin Brundle (1992), Jos Verstappen (1994) und Johnny Herbert (1995) bei Benetton, Eddie Irvine (1996 bis 1999), Rubens Barrichello (2000 bis 2005) und Felipe Massa (2006) bei Ferrari fuhren ihrem deutschen Teamleader meist gnadenlos hinterher.

Nico Rosberg will das ändern. Der 24 Jahre alte Rennfahrer mit Wohnsitz in Monte Carlo blickte nicht zu Schumacher auf, als er bei der Präsentation in Stuttgart seine Situation im neuen Mercedes-Formel-1-Team selbstbewusst beschrieb: "Dieses Jahr wird mir die Möglichkeit geben, auf die ich lange gewartet habe." Das Mercedes-Cockpit bietet eine große Chance, aber auch ein Risiko, das kaum kalkulierbar ist. "In erster Linie fahren wir beide zusammen für Mercedes", sagte der Blondschopf, der sich als Werbefigur im deutschen Nationalteam perfekt eignet - wäre da nicht Schumacher.

Trotzig sagt Rosberg: "Es ist eine große Herausforderung, Michael als Kollegen zu haben. Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können." Ob er es ernst meinte, als er brav hinzufügte: "Ich kann auch einiges von ihm lernen", sei dahingestellt. Denn Nico Rosberg gilt in der Branche als hochbegabtes Vollgastier - ein Vorzeige-Rennfahrer mit guten Manieren und ausgesuchter Freundlichkeit, der hinter dem Lenkrad zielstrebig seine Chance sucht. Dass der Sohn des Finnen Keke Rosberg (61), Formel-1-Champion von 1982, zum Siegfahrer taugt, sagen alle Fachleute. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug meint: "Nico Rosberg hat immer das Optimale aus seinen Autos herausgeholt." Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche verpasste seinem jungen Angestellten Streicheleinheiten: "Er hat das Zeug zum Weltstar." Zeigen konnte er es noch nicht, seit er 2006 als 20-Jähriger bei Williams in den Grand-Prix-Zirkus einstieg. In technisch unterlegenen Fahrzeugen fuhr er in 70 Rennen zweimal auf Platz zwei.

Der gebürtige Wiesbadener, der mit deutscher Lizenz fährt, darf in der nächsten Woche in Valencia den sogenannten Roll-out, die erste Begegnung des neuen Mercedes MGP W01 mit der Rennstrecke, absolvieren - danach sollen sich beide Piloten die Tests teilen. Als Rosberg im November beim damaligen Brawn-Team unterschrieb, war von Michael Schumacher noch nicht die Rede. "Ich dachte, mein Partner sei Jenson Button", sagte er. Auch ein Weltmeister, aber sicher leichter zu besiegen als Schumacher.

Denn Mercedes hat den siebenmaligen Champion nicht nur für die Show und ein gutes Image verpflichtet. Teamchef Ross Brawn drohte bei der Vorstellung in Stuttgart: "Michael wird vom ersten Rennen an bei der Musik sein." Der dreimalige Weltmeister Niki Lauda rät Rosberg, sich aus allen Ränkespielen herauszuhalten: "Er muss Michael beobachten und seine Stärken ausspielen." Und die liegen wie bei Schumacher im rechten Fuß.

Rosberg hatte zuletzt gepunktet, als er regelmäßig die Formel-1-Schmiede in Brackley besuchte. Aber der Trubel um Schumacher hat vieles zunichte gemacht. Bei Fans, Medien und Vermarktern dreht sich (fast) alles um den Rekordweltmeister.

Dennoch sieht Ross Brawn die Geschichte pragmatisch. Einen Schumacher-Bonus werde es bei den Silberpfeilen nicht geben, versicherte der Engländer. Dass der Altmeister für sich die Startnummer 3 reklamierte und so auf dem Papier vor seinem Juniorpartner steht, spiele keine Rolle. "Beide erhalten das gleiche Material", sagte Brawn. "Der Schnellere ist dann eben die Nummer eins."