Derbyboss im Sportgespräch

Wulff : "Mit Meredith koche ich auch mal"

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Derbyboss Volker Wulff spricht im Sportgespräch über sein Verhältnis zu den Stars, Kulinarisches aus Asien und Zuschüsse der Stadt.

Hamburg. Am Donnerstag ist es so weit. Vier Tage lang präsentiert sich in Klein Flottbek beim Spring- und Dressurderby wieder die Weltspitze des Pferdesports. Für Derbyboss Volker Wulff bedeutet dies Tage unter Hochdruck. Noch völlig entspannt erschien der 53 Jahre alte Geschäftsführer der Veranstaltungsagentur En Garde zum Interview mit dem Abendblatt bei Spargel und Heidekartoffeln.

Hamburger Abendblatt: Herr Wulff, Besucherzahlen, Preisgelder, Starterfelder und Sendezeiten im Fernsehen sind kaum noch zu steigern. Ist in Klein Flottbek der Gipfel überschritten?

Volker Wulff: Ganz gewiss nicht - auch wenn die Latte hoch liegt. Wir arbeiten aber mit Herzblut und Elan an weiteren Verbesserungen. Die Konkurrenz schläft nicht, wir dürfen uns nicht auf Lorbeeren ausruhen.

Welche Verbesserungen sind das?

Wulff: Wir bilanzieren sehr genau und sondieren, was der schwächste Bereich ist. Und dort setzen wir an. So werden wir durch internationale Öffnung und Regeländerungen dafür sorgen, das Dressurderby attraktiver zu machen. Auch feilen wir an der Qualität der Ausstellung außerhalb des Stadions. Ziel ist es, den Wohlfühlfaktor insgesamt zu steigern. Klein Flottbek nimmt nicht nur in Deutschland, sondern europa-, ja weltweit einen Spitzenplatz ein. Dieses Niveau zu halten, ist die Kunst.

Zwar hat die Stadt Hamburg vor fünf Jahren 600 000 Euro für einen neuen Parcoursbelag zugeschossen, aber andere Kommunen unternehmen mehr. Was fordern Sie?

Wulff: Fordern ist das falsche Wort. Wir sind bemüht, dem Rathaus klarzumachen, welche Vorteile Hamburg vom Derby hat. Unter dem Strich bringen die vier Reitertage dem Umfeld mehr als 7,5 Millionen Euro. Wenn nicht zügig investiert wird, hinken wir irgendwann hinterher. Und dann ist das Jammern in der Sportstadt Hamburg groß.

Sie erhalten jährlich Zuschüsse im fünfstelligen Bereich. Warum reicht das nicht?

Wulff: Das reicht wie Weitem nicht. Mit der Aufnahme der Global Champions Tour ins Programm konnten wir 2008 den Stellenwert der Derbytage entscheidend steigern. Geschenkt gibt es solche Topereignisse nicht. Unsere Mehrkosten in diesem Bereich betragen eine halbe Million Euro. Letztlich profitiert davon die gesamte Metropolregion. Der Vertrag mit der Tour jedoch läuft im nächsten Jahr aus. Wenn Hamburg Austragungsort bleiben will, müssen wir nachziehen. Denn die Auflagen werden verschärft. So soll das Preisgeld mittelfristig von derzeit 295 000 auf 400 000 Euro erhöht werden.

Gibt es Signale seitens des Senats, finanziell aufzusatteln?

Wulff: Nun ist die neue Regierung ja noch nicht allzu lang im Amt, doch sind die ersten Signale positiv. Wir stehen in ständigen Gesprächen, auch mit dem für Sport zuständigen Innensenator Michael Neumann. Im Rathaus sitzen Profis am Steuer. Denen ist doch auch klar, dass Weltklassesport das Image der Stadt steigert. Und ohne Unterstützung können wir nun eben nicht auf Dauer ganz oben bleiben. Und da Senator Neumann am Derbytag nach Klein Flottbek kommt, kann er sich von der begeisternden Atmosphäre persönlich überzeugen.

Wo besteht am dringendsten Handlungsbedarf?

Wulff: Tribüne und Richterturm sind längst nicht mehr zeitgemäß. Wir streichen zwar Jahr für Jahr, doch können diese Maßnahmen den maroden Zustand nicht übertünchen. Um die Anlage drei oder vier Jahrzehnte derbytauglich zu machen, muss natürlich reichlich Geld aufgebracht werden. Eines ist allen klar: Will sich Hamburg tatsächlich um Championate wie die Europameisterschaft der Springreiter bewerben, führt an zusätzlichen Investitionen kein Weg vorbei. Ein Beispiel: In Aachen wurden jüngst 40 Millionen Euro investiert. Die sind fit für die Zukunft.

Was würde im Falle einer Europameisterschaft in Hamburg aus dem Derby?

Wulff: Ein zweites Meeting ist nicht finanzierbar. In einem EM-Jahr würde die Global Tour bei uns Pause machen, das traditionelle Derby aber am Sonntag stattfinden.

Ihre Agentur En Garde veranstaltet nicht nur in Hamburg ein großes Turnier, sondern auch in Leipzig, München, Malaysia, Abu Dhabi und neuerdings China. Ist es nicht ungewöhnlich, so großen Sport vom Dorf Uthlede nördlich von Bremen aus zu steuern? Warum ziehen Sie nicht nach Hamburg?

Wulff: Das würde nur viel mehr Geld kosten und nichts bringen. An meinem Geburtsort sind wir zu Hause, unabhängig, schnell und flexibel. Dank moderner Technik sind wir weltweit vernetzt. Besuch von außerhalb haben wir relativ selten, meistens reisen wir. Und da sind wir in 20 Minuten am Flughafen Bremen. Abgesehen davon trägt das angestammte soziale Umfeld unserer 18 Mitarbeiter erheblich zu Motivation und Zufriedenheit bei. Das spüre ich jeden Tag.

Mit wie vielen Mitarbeitern sind Sie beispielsweise bei einem Turnier in Asien vor Ort?

Wulff: In Abu Dhabi waren wir mit 16 Leuten, in Kuala Lumpur oder China sind es nicht ganz so viele.

Warum setzen Sie auf die Engagements in Asien?

Wulff: So ein Turnier zu veranstalten ist einfach reizvoll, kulturell wie wirtschaftlich. Ich könnte mir aber genauso gut vorstellen, ein Turnier in Buenos Aires oder in den USA zu machen, wenn ein entsprechendes Angebot da wäre.

Zu Asien haben Sie dennoch eine ganz besondere Verbindung.

Wulff: Ich mag Asien sehr gerne, habe auch in Malaysia geheiratet und in einem vietnamesischen Restaurant gefeiert.

Restaurant ist ein gutes Stichwort. Geben Sie es zu: Eigentlich machen Sie die Turniere in Asien wegen Ihrer kulinarischer Vorlieben.

Wulff: Das ist zumindest ein gewichtiger Grund (lacht). Ich koche auch selbst sehr gerne. Das ist eine Leidenschaft von mir. Als ich noch ganz jung war, habe ich schon immer bei meiner Oma in den Topf geguckt. Wenn ich zu Hause bin, ist es klar, dass ich koche.

Geht Ihr Fokus angesichts der vielen anderen Veranstaltungen, die Sie machen, immer weiter von Hamburg weg?

Wulff: Gar nicht. Man kann gern Turniere in aller Welt machen, aber das Kerngeschäft muss im Hauptfokus bleiben. Bei uns sind die Veranstaltungen in Deutschland eindeutig das Kerngeschäft.

Wie abhängig sind große Veranstaltungen wie die in Hamburg mittlerweile von den Stars?

Wulff: Die großen Namen sind natürlich wichtig, auch für die Präsenz im Fernsehen. Das muss man ganz klar so sehen. Ohne die Global Champions Tour wären wir hier sicher qualitativ einige Schritte zurück.

Wäre das traditionelle Derby in Hamburg allein wirtschaftlich überhaupt noch tragbar?

Wulff: Ich glaube, beim Derby gäbe es keine Probleme. Der Sonntag würde auch gut besucht sein, wenn da ausschließlich Holsteiner gegen Mecklenburger reiten. Entscheidend sind die Tage von Donnerstag bis Sonnabend. Da müssen wir oben dranbleiben, mit den Stars, mit dem Geld, mit dem man aufwarten muss, um sie zu kriegen.

Lässt sich das Derby selbst auch noch aufwerten?

Wulff: Wir arbeiten an weiteren Kooperationen. In Florida gibt es in Wellington eine riesige Reitanlage, die hauptsächlich von Megareichen frequentiert wird. Die Tochter des New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg hat dort beispielsweise auch ein Domizil. Die Leiter der Anlage bauen jedenfalls dort auch einen Derbyplatz mit Pulvermanns Grab und allem, was dazugehört. Mit den Amerikanern und vielleicht noch einem oder zwei anderen Turnieren würden wir dann gerne eine kleine Tour machen. Der Beste der Gesamtwertung würde dann beispielsweise 100 000 US-Dollar extra erhalten. Wenn das klappt, kommen demnächst auch die Amerikaner, die sich ein Derbypferd für Wellington aufbauen, dann auch nach Hamburg.

Ist es bedauerlich, dass sich vieles auf die Stars ausrichtet?

Wulff: Es ist menschlich. Man will das Besondere im Leben erleben, das Besondere sehen. Ich gehe auch nicht zu einem drittklassigen Konzert.

Dass Menschen mit Pferden über besondere Hindernisse springen, scheint nicht mehr zu reichen.

Wulff: Man möchte dann gerne, dass das besondere Menschen sind, die man sonst vielleicht nicht sehen kann. Ich kann das verstehen.

Wie kommen Sie als Veranstalter mit den Topreitern aus?

Wulff: Jeder ist da Individualist. Wenn es wirklich um etwas geht, können sie alle komisch werden. Die sind dann so fixiert auf ihren Erfolg und das Ergebnis, dass dann auch mal die Nerven blank liegen. Da muss man als Veranstalter cool bleiben. Ich glaube, dass die wissen, dass wir einen guten Job machen. Unterm Strich komme ich mit allen gut zu Recht.

Haben Sie eigentlich so etwas wie einen Lieblingsreiter?

Wulff: Es gibt schon welche, denen man einen Sieg mehr gönnt als anderen. Von Lieblingsreitern würde ich nicht sprechen, aber ich habe sicher eine besondere Beziehung zu Meredith Michaels-Beerbaum, mit der ich und meine Frau auch hin und wieder mal kochen. Aber auch mit Lars Nieberg, Ludger Beerbaum, Marco Kutscher, Marcus Ehning, Christian Ahlmann und vielen anderen verstehe ich mich sehr gut.