Aidadiva: Ein Teil der Installation des weltberühmten Künstlers Gert Hof löst Fragen aus

Lichtdom-Ästhetik - und das am 20. April?

Monumentale Scheinwerfer-Choreografie an Hitlers Geburtstag. Gert Hof: Meine Kunst ist ganz anders als bei Speer.

Hamburg. Das Datum ist Zufall, niemand wird sich etwas dabei gedacht haben. Aber wenn sich morgen ein Kranz gigantischer Scheinwerferkegel in die Weite des Hamburger Nachthimmels wölbt, wenn mächtige Strahlenbündel, die in ihrer Ästhetik an die Lichtdome des NS-Architekten Albert Speer erinnern könnten, das Kreuzfahrtschiff, dessen Taufe in den nächsten Tagen gefeiert werden soll, fast spielzeugklein erscheinen lassen, dann werden sich an diesem 20. April ganz unwillkürlich Assoziationen einstellen. Denn dieses Datum hat seine Unschuld verloren, im öffentlichen Bewusstsein bleibt es der Geburtstag des Diktators, denn nach dem Ende des "Tausendjährigen Reichs" sind nicht 1000, sondern nur knapp 62 Jahre vergangen - ein Wimpernschlag der Geschichte.

Gleichwohl sollte man Gert Hof, dem Lichtarchitekten und Theaterregisseur, der diese gigantische, musikalisch unterlegte Licht-, Laser- und Feuerwerksshow für die Taufe der "Aidadiva" als 45-minütiges Gesamtkunstwerk geplant hat, keine falschen Motive unterstellen. Er ist ein international hoch geschätzter, äußerst erfolgreicher und ungemein kreativer Künstler, der die düsteren Inszenierungen für die Band Rammstein kreiert und dessen Hang zur Gigantomanie in der Regel durchaus dem Geschmack seiner illustren Auftraggeber entspricht. Nein, Gert Hof ist gewiss kein verkappter Nazi, der 55-Jährige, der in der DDR aufwuchs und als Jugendlicher mit dem SED-Staat in Konflikt geriet, arbeitet nicht für rechtsradikale, sondern für namhafte Auftraggeber in aller Welt.

Dennoch ist Gert Hof umstritten, und das erklärt sich nicht nur daraus, dass es - wie die renommierte Wochenzeitung "Die Zeit" bereits vor knapp zwei Jahren schrieb - offenbar einige Ungereimtheiten in dem von ihm verbreiteten Lebenslauf gibt, die Vorbehalte sind vielmehr in seiner Ästhetik begründet. Als seine Art in Heaven GmbH 1999 den Zuschlag für die Inszenierung des "größten Millenniumspektakels der Welt" erhielt und er ankündigte, die Berliner Siegessäule in eine "einzigartige Lichtkathedrale" zu verwandeln, gab es Proteste, und angesichts seiner vorab veröffentlichten Computeranimationen regte sich auch bei vielen Betrachtern, die nicht lautstark protestierten, Unbehagen. Zu auffällig drängten sich Vergleiche mit den Lichtskulpturen auf, die Albert Speer und Leni Riefenstahl für Nazi-Spektakel wie die Reichsparteitage in Nürnberg in Szene gesetzt hatten. Hof hat damals sein Konzept für die Berliner Millenniumsfeier noch verändert - diejenigen, die die Show zur Jahrtausendwende vor Ort oder im Fernsehen gesehen haben, fühlten sich jedenfalls später kaum an die NS-Vorbilder erinnert.

Auf die Frage, was er selbst von Speers Lichtdomen hält, sagte er gestern dem Abendblatt: "Mit Speers statuarischen Bildern kann ich überhaupt nichts anfangen. Für mich besteht die Faszination im Umgang mit Licht in Bewegung und Farbe, beides gab es bei Speer nicht." Dass sich dennoch manche seiner Animationen mit NS-Inszenierungen vergleichen lassen, kann sich Hof nur damit erklären, dass hier das Moment der Bewegung fehlt.

"Ich bin ein großer Bewunderer von Architektur, aber eben nicht von NS-Architektur, sondern vom Bauhaus", sagt der Lichtdesigner und fügt hinzu: "Mein Ziel ist es zu versuchen, die Ideen von Architekten wie Erich Mendelsohn, Le Corbusier und vor allem der russischen Konstruktivisten wie El Lissitzy kilometerweit in den Himmel zu projizieren."

Dass das Datum, an dem seine vierteilige Lichtoper anlässlich der Schiffstaufe zu erleben sein wird, zu Irritationen führt, kann Gert Hof nicht verstehen. "Als ich im August letzten Jahres erfuhr, dass die Taufe Mitte April stattfand, habe ich an alles Mögliche gedacht, an Sonnenuntergang und Abendhimmel, aber wäre nicht im Traum auf die Idee gekommen, dass die Aktion einmal mit Hitlers Geburtstag in Verbindung gebracht werden könnte. Dieser Zusammenhang ist für mich einfach absurd", sagt der Lichtkünstler und fügt fast beschwörend hinzu: "Mein einziger Gedanke ist, für ein wunderschönes Fest zu arbeiten, für Hamburg und für ,Aidadiva' in Rot, Gelb und Blau, den Farben der Aida."

Im Vorfeld kann das historisch kontaminierte Datum, bei dem sich niemand etwas gedacht hat, zwangsläufig ungute Assoziationen wecken. Wenn alles gut geht, wird Gert Hof morgen die Chance haben, diese Bedenken eindrucksvoll zu zerstreuen.