Kreuzfahrer: Das Interesse an Luxuslinern ist ungebrochen

Mittwoch, 6.57 Uhr: Die ersten Sehleute begrüßen die "Aidadiva" in Hamburg

Mit Digitalkameras Camcordern und Ferngläsern harrten die Fans in der morgendlichen Kälte aus, um beim Einlaufen dabei zu sein.

Erst ist sie nur zu hören. Um 6.25 Uhr ertönt das tiefe Horn der "Aidadiva". "Das ist sie!", ruft Barbara Großmann ihrer Freundin Ingrid Heeger zu. Sie sind aufgeregt und gucken durch ihr Fernglas hinunter auf die Landungsbrücken und auf die Elbe. Oben auf dem Stintfang haben die beiden 62-Jährigen gestern Morgen gemeinsam mit einer Handvoll anderer Schiffsfans gewartet, um das neue Klubschiff der Aida-Flotte zu begrüßen. Und dann, um 6.57 Uhr, ist sie da! Angestrahlt von der Morgensonne, begleitet vom Feuerlöschboot, schiebt das 252 Meter lange Schiff seinen Bug mit dem roten Kussmund am Alten Elbtunnel vorbei.

"Was für eine Freude!", ruft Gustav Wischmann (56), als er das nagelneue Kreuzfahrtschiff durch die Linse seiner Kamera sieht. Fünf Tage lang wird die "Aidadiva" am Cruise-Terminal in der HafenCity liegen und am Freitag mit einer spektakulären Party getauft werden. "Wenn mein Arbeitgeber heute keinen Lohn zahlt, ist das auch egal." So sehr freut sich Wischmann über die malerische Ankunft der Diva im Hamburger Hafen. Der Elektromaschinenbauer aus dem Kreis Stormarn geht heute später als sonst zur Arbeit. "Mein Chef kennt mein Hobby und hat Verständnis", sagt er. Die Kälte, der Wind und das frühe Aufstehen stören ihn überhaupt nicht. Er musste die "Aidadiva" unbedingt fotografieren. "Und dann dieses herrliche Licht! Was für ein Glück. Das macht doch Laune!"

  • Hier sehen Sie den Film zum Einlaufen von AIDAdiva

Sie wirken schon ein bisschen verrückt, diese Schiffsfans wie Gustav Wischmann, die frühmorgens am Stintfang stehen, auf den Fluss blicken und warten. Ausgerüstet mit Digitalkameras, Camcorder und Ferngläsern warten sie auf den großen Moment, wenn das Schiff zum ersten Mal zu sehen ist. Aber eigentlich sind sie bloß begeisterungsfähig und mit Leidenschaft dabei. Frau Großmann und Frau Heeger zum Beispiel: Die eine ist aus Berlin nach Hamburg gekommen, die andere aus Köln. Normalerweise beobachten sie durch ihr Fernglas Kraniche an der Ostsee. Heute aber steht Schiffgucken auf dem Programm. Barbara Großmann erklärt den Reiz daran so: "Es ist Hamburg und diese tolle Atmosphäre, die so faszinierend ist. Nach Rotterdam würden wir nicht extra fahren." Trotz aller Freude über die Ankunft der "Aidadiva" sind die Frauen auch ein wenig enttäuscht: "Von vorn sieht die ,Aidadiva' klobig aus, sehr funktional. Die Seite ist schon besser", findet Großmann. Sie ist überrascht, dass nur wenige "Sehleute" die "Aidadiva" empfingen. "Es ist eben nicht die ,Queen Mary 2', wo gleich Tausende an der Elbe warten." Ein Stück weiter am Cruise-Terminal sind um 7.30 Uhr mehr Leute. Gerade hat die "Aidadiva" hier festgemacht. Else Saucke (76) aus Bramfeld steht mit ihrer Digitalkamera auf dem "View Point". "Ach, ist das schön", sagt sie nur. Daike Eggerstedt (22) und ihr Kollege Alexander Lehmann (23) haben die Nacht im Grand Hotel Elysee durchgearbeitet und sind nach Dienstschluss um 7 Uhr an die Elbe gefahren. "Ich bin ein ganz großer Aida-Fan und musste sie sehen", sagt die Hotelfachfrau. "Ich habe einen Schatten, echt einen Knall." (Infos und Bilder unter www.abendblatt.de/go/aida).