Barmstedt/Itzhoe

Das Opfer verdankt den Ärzten sein Leben

Der Gebäudekomplex des Landgerichts (Symbolbild).

Der Gebäudekomplex des Landgerichts (Symbolbild).

Foto: Bodo Marks / dpa

Prozess um Messerattacke von Barmstedt: Leo M. wäre ohne Not-OP innerlich verblutet, so die Rechtsmedizinerin am Landgericht Itzehoe.

Barmstedt/Itzehoe.  Wie knapp Leo M. dem Tod von der Schippe gesprungen ist, erfuhr das Opfer der Messerattacke von Barmstedt am Mittwoch von Rechtsmedizinerin Sandra Wilmes. Als die Ärztin am insgesamt achten Prozesstag gegen Marek K. vor dem Landgericht Itzehoe ihr Gutachten vorstellte, war das Opfer zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder anwesend – und saß drei Meter neben dem Angeklagten, der sich wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten muss.

Dass aus der versuchten keine vollendete Tötung geworden ist, hat der 24 Jahre alte Angeklagte nur den Ärzten des Klinikums Elmshorn zu verdanken. „Für das Opfer bestand akute Lebensgefahr“, so Rechtsmedizinerin Wilmes. Leo M. habe am Morgen des 22. April 2019 vier Messerstiche einstecken müssen – zwei trafen die untere Bauchregion, jeweils einer die linke Leiste und den linken Oberschenkel.

Eine Notoperation rettete dem 22-Jährigen das Leben

„Ohne eine sofortige chirurgische Versorgung wäre es nur eine Frage von Stunden bis zum Tod des Opfers gewesen“, erläuterte die Medizinerin. Durch die Stiche sei die Bauchhöhle eröffnet worden, zum Zeitpunkt der Notoperation bereits etwa ein Liter Blut in die Bauchhöhle gelaufen. Wilmes: „Die Blutung hätte nicht von allein aufgehört.“ Zudem habe sich durch den Einstich am Oberschenkel dort ebenfalls eine größere Menge Blut angesammelt, was in Kombination mit der anderen Blutung ohne ärztlichen Eingriff zum Versterben geführt hätte.

Um 4.43 Uhr sei der Notarzt alarmiert worden, der elf Minuten später am Nappenhorn eintraf und Leo M. um 5.08 Uhr im Klinikum Elmshorn ablieferte. Dort sei nach einer Erstversorgung sofort die Notoperation erfolgt, die letztlich das Leben des 22 Jahre alten Opfers gerettet habe. Die Verletzungen waren laut Wilmes so schwerwiegend, dass Folgeschäden wie etwa dauerhafte Schmerzen oder auch Durchblutungsstörungen nicht ausgeschlossen seien.

Anwalt fordert 15.000 Euro Schmerzensgeld

Opferanwalt Christian Böse nahm auf diese Aussage der Ärztin Bezug und beantragte für seinen Mandanten, der mehr als acht Monate arbeitsunfähig war, ein Schmerzensgeld in Höhe von 15.000 Euro. Außerdem soll Marek K. gerichtlich verpflichtet werden, für mögliche Folgeschäden aufzukommen. Rechtsmedizinerin Wilmes hat auch den Angeklagten untersucht, der laut eigener Aussage vor der Messerattacke verbal provoziert und körperlich angegangen worden sein will. Dabei wurden oberflächliche Schürfwunden an Stirn und Ellenbogen sowie Schnittverletzungen an Daumen und Zeigefinger festgestellt, die jedoch „nicht chirurgisch behandlungsbedürftig waren“.

Wie Marek K. zu bestrafen ist, war hinter verschlossenen Türen Thema eines Rechtsgesprächs zwischen den Beteiligten. Die Kammer hatte zu Beginn auch eine Verurteilung wegen versuchten Mordes für möglich gehalten, die Verteidigung sieht keinen Tötungsvorsatz. Zu einer Verständigung kam es nicht, der Prozess wird fortgesetzt.