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Kreis Pinneberg

Totschlag-Prozess gegen Barmstedter eskaliert

Das Landgericht Itzehoe.

Das Landgericht Itzehoe.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Marek K. wird versuchter Totschlag zur Last gelegt. Verteidiger sucht die Schuld bei Ex-Freundin und lehnt Richterin ab.

Barmstedt/Itzehoe. Sieben Zeugen und eine Rechtsmedizinerin vom UKE hatte die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Itzehoe am zweiten Verhandlungstag gegen Marek K. (24) aus Barmstedt geladen. Letztlich sagte mit Regina S. (19) nur die Ex-Freundin des Angeklagten aus, die am ersten Prozesstag vorige Woche schon einmal angehört worden war – und der Tag endete vorzeitig mit einem Befangenheitsantrag der Verteidigung gegen die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt.

Marek K. wird versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt. Er soll in der Nacht zum 22. April auf einem Parkplatz am Nappenhorn viermal auf Leo M. (22) eingestochen haben, der zuvor mit Regina S. und einem weiteren Freund gefeiert hatte. Die private Party fand in der noch vom Ex-Paar gemeinsam genutzten Wohnung statt – und sie missfiel dem zur Tatzeit stark alkoholisierten Angeklagten bei seiner Rückkehr offenbar so gewaltig, dass er zum Kochmesser griff.

Bereits zum Prozessauftakt hatte Verteidiger Michal Jedrzejewski die Ex-Freundin lang und breit zu den Ereignissen der Tatnacht ausgefragt und war dabei auch vor intimen Fragen nach früheren und aktuellen Liebhabern und eventuellen sexuellen Ereignissen während der privaten Feier nicht zurückgeschreckt – offenbar um zu beweisen, dass der Angeklagte rasend vor Eifersucht gehandelt hat.

Was für Fotos hat die Ex-Freundin auf ihrem Handy?

Besonders hatte es der polnische Rechtsanwalt aus Hamburg auf Fotos abgesehen, die Regina S. während der Feier gemacht und in ihrem Whats-app-Status genutzt haben soll. Die hatte zugesagt, bis zum gestrigen Verhandlungstag zu prüfen, ob es diese – aus ihrer Sicht völlig unverfänglichen – Fotos noch gibt. Am Dienstag verneinte sie das, was der Verteidiger ihres Ex-Freundes jedoch nicht glauben wollte.

Hinzu kam, dass Marek K. nach dem ersten Prozesstag mit Gregor Jezierski einen zweiten Verteidiger engagiert hat, der am Dienstag in das Verfahren einstieg und fast exakt die gleichen Fragen stellte wie sein Kollege zum Prozessauftakt, was die Richterin mehrfach zu unterbinden versuchte.

Die Verteidiger äußerten zudem die Überzeugung, dass sich Regina S. nach ihrer ersten Aussage bei der Polizei mit dem Opfer Leo M. – er wurde nur durch eine Notoperation gerettet – im Krankenhaus getroffen und anschließend ihre Aussagen drastisch verschärft habe. Als Anwalt Jedrzejewski dann ankündigte, mit Regina S. ihre Beziehung zum Angeklagten aufarbeiten zu wollen, platzte der Richterin der Kragen. „Wir machen hier keine Beziehungstherapie.“

Hildebrandt weigerte sich auch trotz mehrfacher Aufforderung der Verteidiger, eine Beschlagnahme des Handys der Zeugin auszusprechen, um darauf eventuell noch vorhandene Bilder der Feier in der Tatnacht suchen zu können. Daraufhin beantragen die Juristen, die Richterin wegen Befangenheit abzulehnen. Über den Antrag muss bis 11. November eine andere Kammer entscheiden.