Landgericht Itzehoe

Messerstecher von Barmstedt sieht sich als Opfer

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Vor dem Landgericht Itzehoe musste sich Marek K. aus Barmstedt stellen. Die Anklage: versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung (Symbolfoto).

Vor dem Landgericht Itzehoe musste sich Marek K. aus Barmstedt stellen. Die Anklage: versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung (Symbolfoto).

Foto: Peter Steffen / dpa

Dienstag werden vor dem Landgericht Itzehoe zwei an der Festnahme beteiligte Polizisten gehört. Angeklagter macht zuvor eine Aussage.

Barmstedt.  Es war am Dienstag vor dem Landgericht Itzehoe Prozesstag Nummer sieben – und mindestens zwei weitere werden folgen. Dabei ist der Hergang der Bluttat vom 22. April 2019, die Marek K. aus Barmstedt eine Anklage wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung einbracht hat, eigentlich klar. Doch warum der 24-Jährige mit dem Messer auf einem Parkplatz am Nappenhorn auf den vermeintlichen Nebenbuhler Leo M. (22) einstach, darüber gibt es unterschiedliche Versionen.

Eine davon stammt vom Angeklagten selbst. Nachdem Marek K. zum Auftakt des Verfahrens Erinnerungslücken geltend machte, hat er sich inzwischen zur Tat eingelassen. Die Überraschung: Der Barmstedter sieht sich nicht als Täter, sondern eher als Opfer. Er will in den frühen Morgenstunden des Ostermontags nach einer Feier in die Wohnung zurückgekehrt sein, in der er mit seiner Ex-Freundin Regina S. lebte. Dort habe er die 19-Jährige, das spätere Opfer Leo M. und Benjamin J. vorgefunden.

Aggression soll allein vom Angeklagten ausgegangen sein

Das Trio habe ihn verbal herabgewürdigt, als Lutscher bezeichnet, und die Männer hätten ihm von Sex mit Regina S. berichtetet. Er habe alle drei rausgeworfen, sei dann jedoch hinterhergegangen, um die Ex-Freundin zurückzuholen. Vor der Tür sei er erneut herabgewürdigt und von Leo M. geschlagen worden. Er habe dann zum Schutz das Messer geholt, sei bei der Rückkehr erneut geschlagen worden und habe sich nun gewehrt. In der Folge sei es dann wohl zu den Verletzungen gekommen.

Die Ex-Freundin, das Opfer und dessen Freund hatten vor Gericht ausgesagt, die Aggression sei allein vom Angeklagten ausgegangen. Dieser sei in der Nacht betrunken von der Feier zurückgekehrt und habe sofort Stunk gemacht. Polizist Dennis C. hatte den Angeklagten in der Tatnacht zum Revier Elmshorn gefahren. „Er war still und in sich gekehrt“, so der Zeuge. Marek K, habe mehrfach betont, er sei unschuldig und der Polizeieinsatz sei überzogen. „Er sagte auch, dass er bisher keine gute Erfahrungen mit der Polizei gemacht hat.“ Zur Tat selber habe der 24-Jährige nach der Belehrung durch den Polizisten kaum etwas gesagt. „Er äußerte nur, dass kein Messer im Spiel war.“ Der Angeklagte sei kooperativ gewesen („Ich kenne da Schlimmeres“) und habe nicht alkoholisiert gewirkt.

Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt

Auch Paul G. von der Elmshorner Wache war bei der Festnahme des Barmstedters dabei. „Wir waren das zweite oder dritte Fahrzeug, das am Tatort eintraf.“ Ein Kollege aus Barmstedt habe sich bereits um das lebensgefährlich verletzte Opfer gekümmert, das am Boden lag. „Er hat uns kurz eingewiesen und berichtete, dass der mutmaßliche Täter in eine Wohnung geflüchtet war.“ Gleich darauf habe ihn Regina S. angesprochen und angegeben, einen Schlüssel für die Wohnung zu besitzen. „Sie händigte ihn mir aus, dann sind wir ins Haus gegangen.“ Vor der Wohnungstür hätten sich weitere Streifenbeamte befunden. „Wir haben mehrfach geklingelt und geklopft, haben uns als Polizisten zu erkennen gegeben, es hat aber niemand aufgemacht.“

Daraufhin habe er mit dem Schlüssel aufgeschlossen. Marek K. habe sich im Badezimmer befunden, nur in Boxershorts. „Die Waschmaschine lief, darin befand sich nur ein T-Shirt.“ Das Gerät sei abgestellt und das Kleidungsstück gesichert worden. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.

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