Pinneberg
Barmstedt/Itzehoe

Messerangriff: Angeklagter kann sich nicht erinnern

Der Gebäudekomplex des Landgerichts Itzehoe (Symbolbild).

Der Gebäudekomplex des Landgerichts Itzehoe (Symbolbild).

Foto: Bodo Marks / dpa

Barmstedter sticht viermal auf Mann ein. Ex-Freundin macht vor Gericht Alkoholkonsum ihres Verflossenen für Vorfall verantwortlich.

Barmstedt/Itzehoe. Seine Ex-Freundin würdigte Marek K. (24) keines Blickes. Während der Angeklagte immer wieder nervös seine Finger verschränkte, berichtete die hübsche junge Frau mit den langen blonden Haaren den Richtern, wie ihr Verflossener mit einem Messer in der Hand auf ihren neuen Bekannten losging. Der Vorfall, der sich am 22. April diesen Jahres in Barmstedt abspielte, brachte Marek K. eine Anklage wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung ein.

Seit Montag arbeitet die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Itzehoe den Fall auf. Und gleich zu Beginn der vorgesehenen fünf Verhandlungstage machte die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt deutlich, dass am Ende der Beweisaufnahme auch eine Verurteilung wegen versuchten Mordes stehen könnte. Der Angeklagte zeigte dabei keine Regung, wollte auch zur Tat nicht aussagen.

Reden musste Regina S. (19), seine Ex-Freundin. Von Mai 2017 bis Ende 2018 waren beide ein Paar, wohnten nach der Trennung gezwungenermaßen noch in einer Wohnung. „Wir hatten eine Abmachung, dass keiner von uns neue Sexpartner mit nach Hause bringt“, sagt die 19-Jährige. Sie habe sich auch daran gehalten. Die beiden Männer, mit denen sie in der Nacht zum 22. April in der Wohnung feierte, seien nur neue Freunde gewesen, die sie einen Tag zuvor während ihrer Nachtschicht an einer Tankstelle kennengelernt habe.

Marek K. sei in dieser Nacht selbst auf einer Feier gewesen und habe von ihrem Besuch gewusst, so die 19-Jährige. Sie habe ihn vorher gefragt, ob er viel Alkohol trinken wolle, was er verneint habe. „Am Alkohol ist unsere Beziehung kaputtgegangen“, so Regina S. Immer wenn ihr Ex-Freund getrunken habe, habe er die Kontrolle verloren. „Fünf Halbe reichten aus, das sechste Bier war dann zu viel.“ Am nächsten Tag habe er sich an seine aggressiven Ausfälle nicht mehr erinnern können. Irgendwann sei es ihr zu viel geworden. „Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn verlasse, wenn er noch mal besoffen nach Hause kommt und mich anpöbelt.“ Das habe sie dann auch getan.

Gegen 4.30 Uhr in der Tatnacht sei der 24-Jährige volltrunken in die Wohnung zurückgekehrt und habe begonnen, ihre beiden Freunde zu beschimpfen. Sie habe daraufhin mit ihren Gästen die Wohnung verlassen, gemeinsam sei man zu ihrem Auto auf dem Parkplatz vor dem Wohnblock am Nappenhorn gegangen. „Marek ist uns hinterhergelaufen, hat die beiden angepöbelt.“ Sie habe sich dazwischen gestellt und einen Faustschlag des Ex-Freundes abbekommen. Einer ihrer Gäste habe dann Marek zu Boden geworfen und festgehalten. „Wir haben ihm gesagt, entweder er geht in die Wohnung zurück oder wir rufen die Polizei zu Hilfe.“

Wenig später sei Marek K. zurückgekehrt – mit einem Kochmesser aus dem Küchenblock in der Hand. „Ich habe noch gerufen, ,Lauft weg, er hat ein Messer.‘ Dann habe ich gesehen, wie er zugestochen hat.“ Leo M. (22) wurde viermal getroffen – zweimal in den Bauch, einmal in die linke Leiste, einmal in den linken Oberschenkel.

Die Bauchstiche waren 15 Zentimeter tief, eine Notoperation rettete sein Leben. „Das Blut spritzte 20 Zentimeter hoch“, so der 22-Jähre, der eine Woche im Krankenhaus verbrachte und noch immer nicht arbeiten kann. „Ich habe das Messer nicht wahrgenommen“, so Leo M., der daher keine Abwehrhaltung eingenommen haben will. „Ich hatte vor ihm keine Angst, weil ich ihn ja vorher einfach zu Boden bekommen habe.“ Er sei weggelaufen, als er den Schrei „Messer“ gehört habe, habe die Einstiche erst später wahrgenommen. „Er lief hinter mir her, plötzlich kam ein Polizeiwagen auf uns zu.“ Marek K. sitzt seit dem Angriff in Haft. Er ergriff später am ersten Prozesstag das Wort, um sich beim Opfer zu entschuldigen. „Das, was ich gemacht haben soll, war nicht in Ordnung. Erinnern kann ich mich nicht.“