Pinneberg
Ex-Frau getötet

Uetersener muss für acht Jahre hinter Gitter

Anatoli T. am Dienstag vor der Urteilsverkündung, vor sich Fotos von seinen Kindern. Er hat dieser Aufnahme zugestimmt.

Anatoli T. am Dienstag vor der Urteilsverkündung, vor sich Fotos von seinen Kindern. Er hat dieser Aufnahme zugestimmt.

Foto: Arne Kolarczyk

Landgericht ist von Schuld des 48-Jährigen überzeugt. Anatoli T. soll Opfer nach einem Streit um Geld mit Plastiktüten erstickt haben.

Uetersen/Itzehoe.  Das Foto, das Anatoli T. vor sich auf den Tisch legt, ist ein Bild von seinen beiden Töchtern aus Kindertagen. „Du bist der beste Papa auf der Welt“, steht da. Die Kinder sind heute 17 und 19 Jahre alt – und Halbwaisen. Denn der 48-Jährige hat ihnen die Mutter genommen. Davon ist zumindest die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Itzehoe überzeugt – und hat den Uetersener am Dienstag wegen Totschlags zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Zwei Jahre davon muss der Angeklagte zudem in einer Entziehungsanstalt verbringen, um seine Alkoholsucht in den Griff zu bekommen.

Richterin Isabel Hildebrandt fasste in ihrer Urteilsbegründung noch einmal den Gewaltexzess zusammen, der sich am 8. Mai vorigen Jahres in der Wohnung von Anatoli T. am Tornescher Weg in Uetersen ereignet hat und der letztlich zum Tod seiner Ex-Frau Natalya (44) führte. Beide hatten sich zwar 2009 scheiden lassen, trafen sich jedoch noch regelmäßig, um über den Unterhalt der gemeinsamen Töchter zu reden. Dabei wurde stets harter Alkohol konsumiert, es kam häufiger zu Geschlechtsverkehr – und zu Gewalttaten, die laut Hildebrandt stets vom Angeklagten ausgingen.

Angeklagter hat Ex-Frau mit Schuhauszieher geschlagen

Auch der Tattag folgte diesem Muster. Beide hatten bereits die Nacht über durchgezecht, am Morgen besorgte der 48-Jährige noch zwei weitere Flaschen Doppelkorn. Doch gegen 17 Uhr kippte die Stimmung. „Es muss ein Streit um Geld und Unterhalt ausgebrochen sein“, so Hildebrandt weiter. Der Angeklagte habe dann unter Einsatz verschiedenster Mittel massiv auf das Opfer eingewirkt, das aufgrund des Alkoholpegels von 4,1 Promille hilf- und wehrlos gewesen sei. Anatoli T. habe unter anderem mit einem Schuhanzieher aus Hartplastik auf seine Ex-Frau eingeschlagen, der dabei zerbrochen sei.

„Er schlug mehrfach den Kopf des Opfers wuchtig gegen die Kante eines Tischbeins und einer TV-Bank“, so die Richterin. Dabei sei es zu drei stark blutenden Wunden und einem Schädel-Hirn-Trauma gekommen. Hildebrandt: „Er steckte dann zwei Plastiktüten ineinander und stülpte sie seiner Ex-Frau über den Kopf.“ Dabei sei dem 48-Jährigen bewusst gewesen, dass dies zum Tod des Opfers führen würde.

Die Einlassung des Angeklagten, er sei eingeschlafen und die 44-Jährige wohl durch einen Sturz infolge der Alkoholisierung gestorben, bezeichnete die Richterin als „durch die Beweisaufnahme widerlegt und unglaubhaft“. Anatoli T. habe selbst gegenüber dem Mitarbeiter der Rettungsleitstelle und den ersten eintreffenden Polizisten davon gesprochen, dass er seine Ex-Frau getötet habe.

Staatsanwältin fordert zehn Jahre Haft

Auch belege das Gutachten der Rechtsmedizin klar, dass die Verletzungen nicht durch einen Sturz entstanden sein könnten. Der Angeklagte habe Natalya T. bewusst die Luftzufuhr abgeschnitten, auch in diesem Punkt spreche das Gutachten der Rechtsmedizin eine deutliche Sprache. Anatoli T. habe zur Tatzeit 2,79 Promille aufgewiesen, dadurch sei seine Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen. Weil er unter Alkoholeinfluss zu Gewalttätigkeiten neige und dieses Muster auch nach einer späteren Freilassung nicht ablegen werde, müsse er sich einer zweijährigen Therapie in einer geschlossenen Entzugsklinik unterziehen.

Staatsanwältin Maxi Wantzen, die zehn Jahre Haft gefordert hatte, bezeichnete das Urteil als vertretbar. „Ich würde auf eine Revision verzichten.“ Verteidiger Christian Lange, der einen Freispruch beantragt hatte, wollte sich dazu noch nicht abschließend äußern. „Ich muss das erst einmal sacken lassen und mit meinem Mandanten besprechen.“

Die Töchter des Angeklagten waren als Nebenklägerinnen zugelassen, hatten jedoch selbst nicht teilgenommen und sich vom Anwalt Andreas Weizel vertreten lassen. Der hatte auch auf Freispruch plädiert. Das führt laut Richterin Hildebrandt nun dazu, dass die Töchter die Verfahrenskosten selbst tragen müssen.