Pinneberg
Jahresrückblick

Die größten Kriminalfälle 2019 im Kreis Pinneberg

Mord, Totschlag und versuchte Tötungsdelikte im Kreis Pinneberg.  Feuerwehrkräfte helfen am 30. August am Schäferhofweg in Appen bei der Leichenbergung.

Mord, Totschlag und versuchte Tötungsdelikte im Kreis Pinneberg. Feuerwehrkräfte helfen am 30. August am Schäferhofweg in Appen bei der Leichenbergung.

Foto: Alexander Sulanke

Mord, Totschlag, versuchte Tötungsdelikte und Angriffe auf Autofahrer: Die Ermittler im Kreis Pinneberg waren im Dauereinsatz.

Kreis Pinneberg.  Das Jahr 2019 war ein Jahr der schweren Straftaten – zumindest im Kreis Pinneberg. Es folgt eine Chronologie der Ereignisse.

Zwischen Februar und Ende September werfen Unbekannte fünfmal Gegenstände von Brücken auf die A 23. Schwerpunkt ist der Bereich Halstenbek/Rellingen. In allen Fällen werden Fahrzeuge getroffen, in allen Fällen bleibt es bei Sachschäden. Ermittelt wird wegen versuchten Mordes, Täter werden nicht gefasst.

Die Polizei nimmt Andre M., einst als Apfelfestbomber von Rellingen bekannt geworden, Anfang April im Haus seiner Eltern in Halstenbek fest. Er soll für eine bundesweite Serie von Drohmails gegen Behörden verantwortlich sein und wird nach Berlin überstellt, wo die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt. Am Jahresende sitzt er dort nach wie vor wegen Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Straftat in Haft, eine Anklage wurde noch nicht erhoben.

Marek K. (24) sticht in der Nacht zum 22. April in Barmstedt auf einem Parkplatz am Nappenhorn auf seinen vermeintlichen Nebenbuhler Leo M. (22) ein und verletzt ihn lebensgefährlich. Am 21. Oktober startet der Prozess gegen den in Haft sitzenden Barmstedter vor dem Landgericht Itzehoe. Er muss sich wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Der Prozess geht 2020 weiter, K. will nicht mit Tötungsvorsatz gehandelt haben.

Am Abend des 8. Mai kommt es in einer Wohnung am Tornescher Weg in Uetersen zu einem folgenschweren Streit zwischen Anatoli T. (48) und seiner Ex-Frau Natalja (44). Am Ende ist die Frau tot, sie wurde laut Anklage brutal misshandelt und erstickt. Am 4. November beginnt vor dem Landgericht der Prozess gegen den Kasachen, der sich wegen Totschlags verantworten muss. Im Prozess überrascht der Angeklagte mit der Aussage, dass seine Ex-Frau (vier Promille Alkohol) auf dem Weg von der Toilette gestürzt sein könnte. Er selbst (2,79 Promille) sei zuvor eingenickt.

Am 29. Juni gegen 3 Uhr nachts greift ein 28 Jahre alter Mann in der Elmshorner Disco Duplex nach einem Streit einen Gast (35) mit einem Messer an. Das Opfer erleidet eine lebensgefährliche Schnittverletzung am Hals, der Täter flüchtet. Der 28-Jährige stellt sich einige Wochen später der Polizei, nachdem gegen ihn ein Haftbefehl erlassen wird. Ende November erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung.

Am Vormittag des 21. August ruft ein 55 Jahre alter Tornescher die Polizei. In seinem Haus am Neuendeicher Weg entdecken die Beamten die Leiche einer 36-jährigen Frau – wie sich später herausstellt die Stieftochter des Mannes. Die Mutter eines elfjährigen Sohnes soll erst eine Woche zuvor nach einem Streit mit ihrem Ehemann beim Stiefvater eingezogen und alkoholkrank gewesen sein. Zum Motiv wird zunächst nichts bekannt, der 55-Jährige macht keine Angaben zur Tat. Gegen ihn wird ein Haftbefehl wegen Mordes aus Heimtücke erlassen.

Am 30. August stößt eine Spaziergängerin in unzugänglichem Gelände nahe des Karpfenteiches in Appen auf eine Leiche. Es sind die sterblichen Überreste von Elisabeth M. (68) aus Münster in Nordrhein-Westfalen. Eine Spezialeinheit der Polizei nimmt den Neffen der Frau, einen 52 Jahre alten Familienvater aus Holm, fest. Gegen ihn wird Ende November Anklage wegen Mordes erlassen. Laut der Anklage soll die Tante ihm einen fünfstelligen Betrag geliehen haben, den er nicht zurückzahlen konnte. Daraufhin tötet der Holmer laut der Anklageschrift die 68-jährige am 2. August durch „massive stumpfe Gewalt gegen den Hals“, lädt den Leichnam in den Kofferraum seines Wagens und legt ihn 300 Kilometer vom Tatort entfernt ab.

Am 26. September gegen 21.50 Uhr meldet ein Bewohner der Obdachlosenunterkunft an der Holmer Straße ein Feuer. Die Ermittlungen ergeben, dass es ein 27 Jahre alter Bewohner gelegt hat, weil er auf diese Weise den Umzug in eine neue Bleibe erzwingen wollte. Seitdem sitzt er in Haft. Der 27-Jährige wird im November wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung angeklagt.

Versuchten Totschlag wirft die Staatsanwaltschaft einem 21-jährigen Mann vor, der am 2. November in Tornesch einen Kontrahenten (20) mit dem Auto überfahren wollte. Nur ein Betonpoller verhinderte in Bahnhofsnähe schlimmeres. Warum der Streit eskalierte, muss die Mordkommission klären. Der junge Mann kam in Haft.