Pinneberg
Itzehoe/Uetersen

Angeklagter Uetersener bestreitet Tötung seiner Ex

Der Gebäudekomplex des Landgerichts Itzehoe (Symbolbild).

Der Gebäudekomplex des Landgerichts Itzehoe (Symbolbild).

Foto: Bodo Marks / dpa

Beweise im Prozess gegen Anatoli T. sind erdrückend. Er soll seine Ex-Frau getötet haben. Opfer hatte vier Promille im Blut.

Uetersen/Itzehoe. Anatoli T. verzieht keine Miene, als seine Stimme über Lautsprecher durch den Gerichtssaal schallt. Vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Itzehoe ist am Mittwoch der Notruf zu hören, den der 48-Jährige aus Uetersen am 8. Mai um 19.36 Uhr abgesetzt hat. Ein fast zehn Minuten langes Tondokument – und nichts für schwache Nerven.

„Kommen Sie schnell bitte, meine Ex-Frau ist verstorben“, schreit der aus Kasachstan stammende Angeklagte in gebrochenem Deutsch in den Hörer. Immer wieder versucht der Mitarbeiter der Rettungsleitstelle, den Anrufer zu beruhigen, die Adresse und die Hintergründe zu erfragen. „Sie läuft schon blau an, sie atmet nicht mehr“, ruft der Angeklagte. Auf Anweisungen, wie eine Reanimation erfolgen könnte, reagiert er nicht.

Polizistin nimmt Täter fest

Er schreit mehrfach unkontrolliert, ehe er brüllt „Ich wollte das nicht, Scheiße ist passiert“. Dann gibt der 48-Jährige auf Nachfrage an, es sei Alkohol geflossen, es habe Streit und Schläge gegeben. Dann treffen Rettungs- und Polizeikräfte ein, man hört, wie eine Polizistin die vorläufige Festnahme ausspricht.

Seit dem 4. November muss sich der Uetersener wegen Totschlags vor Gericht verantworten. Vorige Woche brach er erstmals sein Schweigen – und stritt eine Beteiligung am Tod seiner Ex-Frau Natalja (44) ab. Beide hätten sich in seiner Wohnung getroffen, um zu feiern. Es sei Alkohol in Strömen geflossen, die 44-Jährige habe mit Geld für Fotos posiert, das er ihr als Geschenk zur goldenen Hochzeit ihrer Eltern übergeben habe. Er sei dann eingeschlafen und habe seine Ex einige Zeit später tot und halb entkleidet auf dem Wohnzimmerteppich gefunden. Er vermute, so Anatoli T., dass sie auf dem Rückweg von der Toilette gestürzt sei.

Opfer hatte Hämatome

Laut Sebastian R. (36), Hauptermittler der Mordkommission für diesen Fall, befanden sich Blutspuren an einer Tischkante, einem Tischbein, auf dem Teppich sowie auf dem Boden. Das Opfer, bei dem vier Promille festgestellt wurden, habe diverse Hämatome sowie eine Verletzung am Hinterkopf aufgewiesen. „Wir haben Hinweise auf starke Gewaltanwendung gefunden.“ Auch eine Tüte sei sichergestellt worden, in der sich Haare und Blut der Frau befanden.

Sie könnte dem Opfer über den Kopf gestülpt worden sein. Laut einer Rechtsmedizinerin vom UKE trat der Tod durch Ersticken ein. Der Körper habe eine Vielzahl von Verletzungen aufgewiesen, die auf schwere Gewalteinwirkung hindeuten würden. Am Hals seien auch Einblutungen festgestellt worden.

Hauptermittler R. hat das Handy von Natalja T. ausgewertet. „Kurz vor ihrem Tod sind um 17 Uhr noch 27 Fotos entstanden, auf denen sie auf einem Stuhl sitzend mit Geld posiert. Hämatome sind auf den Bildern nicht zu sehen.“ Um 18.04 Uhr sei noch eine WhatsApp-Nachricht eingegangen, die jedoch nicht mehr gelesen worden ist.

Vorgesetzte sagt aus

Sabine H. war in einem Pflegeheim Vorgesetzte des Opfers. Sie sagte aus, dass ihr diverse Male blaue Flecken und andere Verletzungen an der Frau aufgefallen seien. „Einmal sah es aus, als sei eine Flasche kaputtgemacht und ihr durch das Gesicht gezogen worden.“

Natalja T. habe von einem Fahrradunfall gesprochen. Sie habe während der Arbeit heimlich Alkohol getrunken, den sie mit Cola mischte. Im Verfahren haben mehrere Verwandte des Opfers ausgesagt, die 44-Jährige habe trotz 2009 erfolgter Scheidung ein sexuelles Verhältnis zum Angeklagten unterhalten und sei von ihm häufig geschlagen worden.

Laut der Psychiaterin Mariana Wahdany hatte Anatoli T. zur Tatzeit 2,79 Promille. Die Steuerungsfähigkeit sei eingeschränkt gewesen. Sie befürworte eine Behandlung in einer Entzugsklinik, weil weitere Gewaltexzesse unter Alkoholeinfluss zu erwarten seien. Der Prozess wird am 9, Januar fortgesetzt.