Pinneberg
Quickborn/Ellerau

Wie Politik und Verwaltung den Weg zum Bahnhof blockieren

Seit drei Jahren müssen die Anwohner der Quickborner Bahnstraße einen umständlichen Umweg zum AKN-Bahnhof nehmen. Eine Lösung, die sich bereits Ende 2012 abzeichnete, liegt jetzt auf Eis.

Quickborn. Die Anwohner der Bahnstraße in Quickborn haben den Bahnhof vor der Haustür. Doch ein Gitterzaun versperrt ihnen seit drei Jahren den direkten Zugang zum Bahnsteig der AKN. Daran wird sich auch so schnell nichts ändern – obwohl Politik und Behörden längst eine Lösung ausgearbeitet haben.

Ende 2012 hatten alle Parteien versprochen, dass der im Mai 2011 geschlossene direkte Zugang zum AKN-Bahnhof Ellerau schnellstmöglich wieder geöffnet wird. Die Planungen, die Landesstraße 76/Bahnstraße um einige Meter zu verlegen, um einen sicheren Fußgängerüberweg zu ermöglichen, mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr abgestimmt. Dies war vor der Kommunalwahl im Mai 2013. Seitdem ist nichts passiert, wundern sich Ernst Klöpner und Nachbarn. Auf der Ratssitzung hat er das Thema jetzt erneut zur Sprache gebracht. Doch die Antworten von politischer Seite sind mehr als vage.

Die Anlieger vermuten nun, dass der zugesagte Umbau der L 76 mit neuem Zugang zum Bahnsteig auf der Strecke bleiben könnte – im Streit um die Kostenteilung zwischen den betroffenen Kommunen und der geplanten Elektrifizierung der AKN-Strecke von Hamburg bis Kaltenkirchen, die bis 2019 erfolgen soll. So hatten sich Quickborn und Ellerau mit dem Landesbetrieb darauf verständigt, dass beide sich die Umbaukosten von 145.000 Euro je zur Hälfte teilen würden. So stellen es das Verkehrsministerium und die Stadtverwaltung Quickborn dar. Elleraus Bürgermeister Eckart Urban, SPD, mag sich daran nicht erinnern. „Dies habe ich nicht zugesagt. Das konnte ich gar nicht ohne einen Gemeinderatsbeschluss“, sagt er. Darum habe er den Vertragsentwurf, der die 50:50-Kostenteilung vorsah, nicht unterzeichnet.

Statt dessen entschied der Ellerauer Gemeinderat, sich mit 25.000 Euro an dem Umbau zu beteiligen, während Quickborn 80.000 Euro im Haushalt bewilligte. Nun streiten sich die Beteiligten, wer die fehlenden 40.000 Euro übernimmt. Die Quickborner Politik hält sich bedeckt. CDU-Fraktionschef Klaus H. Hensel sagt: „Es muss bis Jahresende eine Lösung gefunden werden.“ Er will die Ellerauer Seite aber nicht aus ihrer Zusage entlassen. Urban wiederum sagt: „Der Bahnhofszugang betrifft in erster Linie die Quickborner Bürger.“ Darum müsste die Stadt den Löwenanteil der Kosten tragen.

Die AKN hat zugesagt, die zusätzlichen Kosten von 50.000 Euro für das Schutzgeländer und die Umlaufsperre vor den Gleisen zu übernehmen. Quickborns SPD-Vizefraktionschef Eckhard Schramm sieht das Problem in einem größeren Zusammenhang. „Wir sollten jetzt erst einmal die Gesamtplanung für den S-Bahn-Anschluss der AKN-Strecke abwarten.“ Es mache wenig Sinn, jetzt die Straße aufwendig umzubauen, wenn in sechs Jahren Bahnhof und Kreuzung Bahnstraße/Berliner Damm umgestaltet werden. Dann käme der Autoverkehr zum Erliegen, wenn alle zehn Minuten wegen einer passierenden S-Bahn die Schranken geschlossen werden müssten.

Doch für Britta Gedaschko, die 2011 mit dafür sorgte, dass 1386 Bürger die sofortige Wiederöffnung des Bahnsteigzugangs forderten, wird umgekehrt ein Schuh daraus. „Nur dann, wenn der Übergang zum Bahnhof von der Bahnstraße aus bis zur Elektrifizierung wiederhergestellt ist, wird dieser auch beim Umbau der Kreuzung bleiben.“ Darum müssten die Quickborner Politiker alles dafür tun, dass der Zugang möglichst schnell geschaffen werde. Harald Haase, Sprecher des Verkehrsministeriums, sieht allerdings keinen Zusammenhang zwischen beiden Projekten: „Der geplante Ausbau der AKN zur S 21 hat keinen Einfluss auf die Einrichtung des Bahnzugangs.“

Die Anwohner der Bahnstraße halten es für unzumutbar, weiterhin den bis zu einen Kilometer langen Umweg durch den Fußgängertunnel nehmen zu müssen, um den Bahnsteig zu erreichen. Noch dazu, weil der Tunnel schmutzig und nachts schlecht beleuchtet sei. Gehbehinderte Menschen oder Senioren mit Rollator könnten das schon gar nicht. „Ich fahre deshalb seit drei Jahren nicht mehr mit der Bahn“, sagt Anwohnerin Christa Mentz. Und Nachbarin Astrid Klöpner sagt: „Wenn ich spätabends von einem Konzert aus Hamburg zurückkomme, traue ich mich nicht mehr, durch den dunklen Tunnel zu gehen.“

So bleibt alles in der Schwebe. Bürgermeister Thomas Köppl hat jetzt vorgeschlagen, Quickborn solle den Anteil von Ellerau vorfinanzieren. Doch auch dafür gibt es bislang keinen Ratsbeschluss. Sein Ellerauer Amtskollege Urban kündigt an, sich zu den Haushaltsberatungen im Herbst noch einmal mit diesem Thema zu befassen. Ob sich seine Gemeinde dann mit einer höheren Summe an dem Umbau beteiligen wird, lässt er aber offen. Anwohner Peter Müller fordert unterdessen: „Wir wollen endlich Butter bei die Fische.“