Pinneberg
Kreis Pinneberg

Krippenausbau: Ohne Tagesmütter geht es nicht

Familienbildungsstätten warnen: Der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz ist nur mit mehr Tagespflegepersonen zu erfüllen.

Kreis Pinneberg. Die Familienbildungsstätten im Kreis Pinneberg suchen dringend Tagesmütter. Nur so könnten die Kommunen den Rechtsanspruch für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren, der am 1. August 2013 in Kraft tritt, erfüllen, heißt es. Schon heute werden Krippenkinder im Kreis Pinneberg überwiegend von Tagesmüttern betreut, die von den drei Familienbildungsstätten (FBS) ausgebildet und koordiniert werden. Kreisweit sind es zurzeit 243 Tagesmütter und sieben Tagesväter, die zusammen 1374 Kinder betreuen. 1153 Kinder davon sind jünger als drei Jahre. Weitere 901 Kinder bis drei Jahre werden in den 154 Kitas im Kreis Pinneberg betreut.

Dies entspricht einer Versorgungsquote von zurzeit 27 Prozent der unter Dreijährigen. Gleichwohl glaubt Kreissprecher Marc Trampe, dass der Kreis die angepeilte Quote von 35 Prozent bis Mitte nächsten Jahres erreichen wird. "Wir wissen allerdings nicht, ob diese 35 Prozent dann ausreichen, um den Rechtsanspruch zu erfüllen." Der Kreis unterstützt die Tagespflege mit 173 800 Euro im Jahr, die Kommunen noch mal mit 146 500 Euro.

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Ohne eine beträchtliche Anzahl zusätzlicher Tagesmütter sei dieses Ziel nicht zu ereichen, warnt Anke Börner von der FBS Wedel. "Die können so viele Krippen bauen wie sie wollen. Viele Familien und Alleinerziehende sind auf flexible Betreuungsmöglichkeiten angewiesen, die nur eine Tagesmutter anbieten kann." Das gelte insbesondere für Mütter, die in Teilzeit oder wechselnden Schichten arbeiteten. Sie könnten mit den starren Öffnungszeiten vieler Kinderkrippen nichts anfangen. "Auch darum ist der Bedarf so groß", erklärt Elisabeth Pauls von der FBS Elmshorn. "Gerade auf den Dörfern fehlen uns Tagesmütter", sagt Anke Börner. "Die Kommunen bauen wie verrückt und locken junge Familien an. Dort fehlen aber Betreuungsangebote."

Darum bieten die drei FBS jetzt wieder verstärkt Ausbildungskurse an, die im Januar starten. Kreisweit stehen rund 50 Plätze zur Verfügung. Die Kurse, die jeden Teilnehmer 185 Euro kosten, laufen zweimal wöchentlich und umfassen 160 Stunden Unterricht sowie ein Praktikum mit 40 Stunden. Parallel dazu können die angehenden Tagesmütter bis zu drei kleine Kinder betreuen, erklärt Wiebke Lohse-Leowald von der FBS Pinneberg. Nach der Ausbildung sind es bis zu fünf Kinder.

Carmen Köster ist eine Tagesmutter. Die Quickbornerin wollte sich beruflich umorientieren. Darum belegte sie einen Kursus bei der FBS. "Mir macht die Arbeit mit den Kindern unheimlich viel Spaß", sagt Neu-Tagesmutter Carmen Köster. Sie betreut zurzeit Ole, 2, und Lea, 1, montags bis freitags von 7 bis 17 Uhr. "Diese Arbeit macht einen aktiver und wacher", sagt sie. Sie bedauere jetzt schon, wenn sie ihre Schützlinge wieder abgeben muss.

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Auch für sie als erfahrene Mutter eines Sohnes sei die Ausbildung bei der Familienbildungsstätte sehr sinnvoll, sagt Carmen Köster. "Man trifft auf andere Tagesmütter, tauscht sich aus und erfährt viele nützliche Dinge rund um die Kinderbetreuung." So gehörten Informationen zur Entwicklungspsychologie, Pädagogik, Sprachentwicklung, Ernährung und Rechtskunde zu den Inhalten. "Wir orientieren uns da an den Vorgaben des Bundesverbandes für Tagespflege", sagt Christiane Behncke von der FBS Pinneberg. Drei bis vier Euro pro Stunde müssten die Eltern für ein Kleinkind bezahlen. Das wären bei einer Ganztagesbetreuung bis zu 600 Euro im Monat.

Die Tagesmütter arbeiten selbstständig, wobei das Kreisjugendamt ihre Kranken- und Rentenversicherung bezuschusse. Sie könnten sich oft auch aussuchen, ob sie halb- oder ganztags, drei oder fünf Tage in der Woche arbeiten möchten. Wobei der Trend eindeutig hin zu einer Ganztagsbetreuung gehe, weiß Christiane Behncke.

Die Familienbildungsstätten vermitteln den Eltern die Tagesmütter in ihrer Nähe, die sie für die passenden erachten. Diese seien nicht nur qualifiziert. Sie müssten bei Hausbesuchen auch den notwendigen Raumbedarf für die Kinder nachweisen können.

Der geringe Anteil von Tagesvätern habe weniger mit mangelnden männlichen Bewerbern als der Nachfrage zu tun, sagt Anke Börner. "Mütter sind noch nicht emanzipiert, ihre Kinder einem Mann anzuvertrauen."

Wer sich für die Ausbildung zur Tagesmutter oder Tagesvater interessiert, sollte einen Schulabschluss und möglichst eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen und mindestens 21 Jahre alt sein.

Kontakt:

FBS Pinneberg, Telefon: 04101/845 01 52, E-Mail: tagesmuetter@fbs-pinneberg.de ;

FBS Wedel, Telefon: 04103/803 29 83, E-Mail: tagesmuetter@familienbildung-wedel.de ;

FBS Elmshorn: Telefon: 04121/491 61 23, E-Mail: kindertagespflege@fbs-elmshorn.de