Norderstedt
Norderstedt

Müllskandal: Anwalt stellt Anzeige wegen Betrugs

Winfried Günnemann hat als Anwalt schon Baustopps von Atomkraftwerken erwirkt.

Winfried Günnemann hat als Anwalt schon Baustopps von Atomkraftwerken erwirkt.

Foto: Andreas Burgmayer

Der Vorwurf: Die W.A. Gieschen Containerdienst GmbH soll Abfall für 1 Million Euro angenommen, aber nicht abtransportiert haben.

Norderstedt.  Winfried Günnemann lässt nicht locker. Der 76-Jährige hat jetzt Strafanzeige wegen Betruges in einem besonders schweren Fall gestellt. Der Norderstedter, der 40 Jahre als Anwalt für Straf- und Umweltrecht in einer Hamburger Kanzlei wirkte, beschäftigt sich seit Wochen mit dem Müllskandal in seiner Stadt. Die W.A. Gieschen Containerdienst GmbH hat über Jahrzehnte tonnenweise und potenziell umweltgefährdenden Müll auf ihrem Grundstück in Friedrichsgabe gehortet. Seit einiger Zeit ist die Familie verschwunden – hat der Stadt aber gigantische Müllberge als Andenken hinterlassen. Günnemann will dieses Verhalten nicht akzeptieren.

Der Jurist hat bereits sämtliche Unterlagen beim zuständigen Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) angefordert, Paragrafen gewälzt und den Fachausschuss der Stadtvertretung mit kritischen Fragen konfrontiert. All das brachte bisher keine Bewegung in den Fall – deshalb greift Günnemann nun zu drastischeren Maßnahmen und stellt Strafanzeige gegen den Grundstücksbesitzer.

Nach Günnemanns Berechnungen habe die Familie Gieschen Abfall für rund 1 Million Euro von Bauunternehmen eingezogen, ohne jedoch den Müll ordnungsgemäß zu entsorgen. Zur Aufgabe einer Entsorgungsfirma gehört nämlich nicht nur, Abfall anzunehmen und zu sortieren, sondern ihn auch zur Weiterverarbeitung abzutransportieren. Die Müllmassen sprechen dafür, dass die Gieschens wesentlich mehr Abfall angenommen als weggebracht haben.

Rund 20.000 Kubikmeter Müll liegen auf dem Grundstück

Günnemann erhebt in seiner Strafanzeige schwere Vorwürfe: „Die Beschuldigten haben sich mit 1 Million Euro abgesetzt, ohne ihre vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Abfallerzeugern zu erfüllen.“ Und das sei Betrug. Auf den hohen Betrag kommt der Umweltrechtsexperte mithilfe einer einfachen Rechnung: Ein Kubikmeter gemischter Bauabfälle kostet in der Entsorgung bis zu 50 Euro. Die Gieschens lagern schätzungsweise 20.000 Kubikmeter Müll auf ihrem Grundstück – das macht unterm Strich 1 Million Euro, die die Familie von Bauunternehmen kassiert haben soll.

Die Staatsanwaltschaft Kiel konnte sich am Montag nicht zu der Strafanzeige von Winfried Günnemann äußern. Sie sei bisher noch nicht bekannt, sagte Oberstaatsanwalt Henning Hadeler. Auch sonst gebe es keine neuen Entwicklungen im Müllskandal, weil der Grundstücksbesitzer nach wie vor nicht aufgetaucht sei.