Küstenautobahn

Die Küstenautobahn A 20 kommt frühestens 2025

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Fabian Schindler

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Die Planungsbehörde rechnet mit bis zu 100 Einwendungen gegen den Bau der Autobahn, die den Verkehrsknotenpunkt Hamburg entlasten soll.

Stade. Der Bau der Küstenautobahn A20 ist ein langwieriger Prozess, der die Geduld der Fuhrunternehmer in Deutschland strapaziert. Sie fordern einen schnellen Bau der Küstenautobahn. "Wir brauchen die Trasse dringender denn je, eine schnelle Anbindung an die Metropolen und Hinterlandhäfen und freie Fahrt auf den Bundesstraßen", sagt Bernward Franzky, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe Niedersachsen. Doch er wird sich wohl noch eine ganze Weile gedulden müssen. Wie Gisela Schütt von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr erklärt, wird die Planfeststellung für den siebten Abschnitt der A 20, der von Elm nach Drochtersen führt, nicht vor dem ersten Halbjahr 2013 erwartet. Eine Fertigstellung der A 20 wird nun vorsichtig für das Jahr 2025 anvisiert.

Das Planfeststellungsverfahren, bei dem die detaillierten Pläne für den Autobahnbau in den Gemeinden zur Einsicht ausgelegt werden, dauert etwa zwei Jahre. "Anschließend können Einwendungen erhoben werden, die werden dann von uns geprüft und es gibt eine Anhörung", so Schütt. Erfahrungsgemäß könne mit bis zu 100 Einwendungen gegen den Bau der A 20 gerechnet werden, auf der später etwa 39 000 Fahrzeuge pro Tag fahren und den Hamburger Verkehrsknotenpunkt entlasten sollen. Erst wenn diese bearbeitet worden seien, werde es zu einer Anhörung und dann zu einem Beschluss für die Baugenehmigung kommen. Der Beschluss bedeutet aber noch nicht, dass sofort mit dem Bau begonnen werden kann, denn gegen den Beschluss kann geklagt werden. Damit sei, so Gisela Schütt von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, nicht mit einem Baubeginn bei einer der sieben Trassen vor 2015 zu rechnen.

Derzeit bereiten der Behörde andere Dinge sorgen. Zum einen müssen Gutachten zu einer möglichen Seuchengefahr erstellt werden. Der Hintergrund hierzu klingt bizarr, ist es aber nicht. "In unmittelbarer Nähe des geplanten Rastplatzes gibt es eine Schweinemastanlage. Es muss nun geprüft werden, ob im Falle einer Seuche in der Anlage eine Gefahr für Menschen auf dem Rastplatz besteht und andersherum, ob vom Rastplatz eine Gefahr für die Schweine ausgeht", so Schütt. Der Fall sei für die Behörde ein Novum und könnte schlimmstenfalls eine weitere, erneute Überarbeitung der Pläne nach sich ziehen.

Auch die Entwässerung der Region zwischen Elbe und Weser sein ein noch ungelöstes Problem. "Wir werden in Arbeitsgruppen Lösungsansätze erarbeiten, wie die Böden künftig entwässert werden können", so Schütt. Mit dem Bau der Trasse würden die bisherigen Kanalsysteme in den moorigen Böden nicht mehr für eine ausreichende Entwässerung sorgen, was zu einer Instabilität und Feuchtigkeitsschäden bei Wohnhäusern führen könnte. Dazu kommen die übrigen Probleme: Der komplizierte Anschluss der Autobahn an Bundes- und Landesstraßen, die Umverlegung von Wirtschaftswegen, die Statik von Brückenbauten sowie das Einhalten von Schall- und Umweltschutzrichtlinien.

Nicht vollends geklärt ist, wann welche Teilabschnitte der Autobahn für den Verkehr freigegeben werden können. Der Elbtunnel bei Drochtersen soll, so der Planungsstand vom Sommer, etwa 2018, spätestens 2019 fertig sein, die komplette Autobahn aber erst 2025. Wann und wie der Tunnel letztlich für den Verkehr freigegeben wird ist daher noch offen. Dennoch sieht sich die Behörde auf einem guten, wenn auch holperigen Weg.

Franzky reicht das bisher erreichte aber nicht. "Wir investieren zuwenig in die Infrastruktur", so der Vertreter der Fuhrunternehmerlobby, die immerhin 750 000 Euro für eine Beschleunigung der Linienplanung gespendet hat. Er fordert deshalb eine zweckgebundene Mittelverwendung aus den Maut- und Steuereinnahmen. Die dort eingenommen Gelder müssten für den Straßenbau genutzt werden und nicht für die Schiene. "Es wird keine gravierende Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene geben, das ist illusorisch", so Franzky. Die Überlegungen, eine Lkw-Maut auch für Bundesstraßen einzuführen, bezeichnet er als das falsche Signal. "Es wäre nur ein Zugeständnis an Ideologen aus dem grünen Sektor", sagt Franzky, der sich auch gegen Nachtfahrverbote, Umweltzonen und Durchfahrtverbote aussprach. Letztere würden die Klimaschutzziele ad absurdum führen, da die Fuhrunternehmer deshalb teilweise bis zu 80 Kilometer lange Umwege fahren müssten, was den Ausstoß an Kohlendioxid wiederum in die Höhe treiben würde.

Auch wenn der Ministerialdirigent Bernd Schmidt vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr wie Franzky einem weiteren Ausbau des Autobahnnetzes höchste Priorität einräumt, sieht er auch Probleme auf das Land zukommen. "Der Unterhalt der Straßen wird immer teurer, wir müssen mehr Geld in die Sanierung des Straßennetzes investieren", sagt Schmidt. Das bedeute in der Konsequenz, dass weniger Geld für den Bau neuer Straßennetze zur Verfügung stehen wird.

An der Bedeutung der Küstenautobahn ließ Schmidt jedoch keinen Zweifel aufkommen. Die Nordseeküste zähle immer noch zu den strukturschwächsten Regionen in Niedersachsen, mit dem Bau der Autobahn werde von der Landesregierung eine wirtschaftliche Stärkung der nördlichen Landkreise erwartet. "Die Hafenstandorte haben enorme Chancen bei der Globalisierung, das Umschlagswachstum in den Häfen hat enorme Auswirkungen auf das Hinterland", so Schmidt. Um diese Chancen zu nutzen bedürfe es eines zügigen Ausbaus der A 20.

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