Infektionskrankheit

West-Nil-Virus: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Das West-Nil-Virus breitet sich jetzt in Europa aus. Der erste Deutsche ist infiziert. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

Berlin. Zum ersten Mal ist in Deutschland die Erkrankung eines Menschen durch das West-Nil-Virus (WNV) bekannt geworden. Das teilten das Robert Koch-, das Bernhard-Nocht- und das Friedrich-Loeffler-Institut in einer gemeinsamen Mitteilung mit. Bei dem Erkrankten handelt es sich um einen 70-jährigen Mann aus Sachsen, der sich durch einen Mückenstich angesteckt und in der Folge an einer Gehirnentzündung erkrankt war. Er sei inzwischen wieder genesen, hieß es weiter.

Im vergangenen Jahr hatte es in Deutschland erste Fälle toter Vögel nach einer Infektion mit dem Virus gegeben – dem Hauptwirt des Erregers. Nun hat es also auch den ersten Fall gegeben, in dem sich ein Mensch mit dem Virus infiziert hat. Wie gefährlich ist das West-Nil-Virus wirklich? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

West-Nil-Virus beim Pferd - Was sind Wirte?

Das West-Nil-Virus gehört zu den sogenannten Arboviren (Arthropod-borne virus), die durch Gliederfüßer wie Moskitos oder Zecken übertragen werden. Als Wirt dienen hauptsächlich Vögel, auch Pferde und Menschen können durch Mückenstiche infiziert werden. Das Virus wird von blutsaugenden Mücken, hauptsächlich Stechmücken der Gattung Culex, übertragen. Culex-Arten sind auch in Deutschland heimisch, wie etwa die Gemeine Stechmücke (Culex pipiens), die schon in anderen Regionen Europas als Überträger nachgewiesen wurde.

Zum ersten Mal wurde WNV 1937 in Uganda bei einer erkrankten Frau nachgewiesen, 1999 gab es den ersten Fall in den USA. Eine Impfung oder Therapie gibt es derzeit nicht.

Wie wird das Virus übertragen?

Der typische Viruskreislauf verläuft zwischen blutsaugenden Mücken und Vögeln. Das Insekt infiziert den Vogel, die nächste Mücke, die den Vogel sticht, nimmt das Virus auf und verbreitet ihn weiter.

Selten können Mücken das West-Nil-Virus auch auf Mensch, Pferd oder andere Säugetiere übertragen. „Dabei sind Mensch und Pferd eine Sackgasse, ein Fehlwirt“, sagt Elke Reinking vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems. „Sie tragen aber nicht dazu bei, das Virus weiterzuverbreiten.“

Grundsätzlich müssten mehrere Bedingungen zusammenkommen, damit sich der Erreger verbreiten kann. So ist zum Beispiel nicht jeder Vogel gleich empfänglich für das Virus. Als leicht zu infizieren gelten Raben, Krähen, Häher und einige Greifvogel- und Eulenarten, wie der Bartkauz aus dem Zoo Halle, bei dem im vergangenen Jahr erstmals das Virus bei einem Vogel in Deutschland nachgewiesen werden konnte.

Auch die Temperatur spielt eine Rolle bei der Übertragbarkeit. „Das Virus hat eine optimale ‘Betriebstemperatur’“, sagt Reinking. Lang anhaltende trockene Sommer etwa seien ein gutes Umfeld.

Wie verläuft eine Infektion beim Menschen?

Die meisten Menschen merken nichts von einer Infektion: 80 Prozent der WNV-Infizierten haben laut dem Robert-Koch-Institut keine Symptome. 20 Prozent entwickeln nach zwei bis 14 Tagen das West-Nil-Fieber, das nach einigen Tagen wieder abklingt und dessen Symptome an eine Grippe erinnern. Die Betroffenen bekommen Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, sind abgeschlagen, die Lymphknoten schwellen an, manche bekommen einen Hautausschlag.

Weniger als ein Prozent der Verläufe sind jedoch sehr schwerwiegend, ein Teil davon endet tödlich. Mit dem Alter und bei Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, die das Immunsystem beeinträchtigen, steigt das Risiko für einen schweren Verlauf.

Da das Virus die sogenannte Blut-Hirn-Schranke überwinden und ins Gehirn gelangen kann, kann es dort eine Hirnhautentzündung (Meningitis), in seltenen Fällen - wie bei dem Mann in Sachsen - eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) auslösen. Auch Lähmungen und bleibende Behinderungen sind möglich.

West-Nil-Virus: Ist Deutschland Risikogebiet?

Seit 2009 ist in Deutschland die Infektion mit dem West-Nil-Virus bei Pferd oder Vogel eine anzeigepflichtige Tierseuche. Seit 2016 gibt es außerdem eine Meldepflicht für die sogenannten Arbovirus-Infektionen beim Menschen.

Seit Einführung dieser Meldepflicht wurde in den Jahren 2016/2017 kein einziger WNV-Fall gemeldet, im Jahr 2018 gab es elf gemeldete Fälle, die nach Angaben des Robert Koch-Instituts anders als im aktuellen Fall allerdings aus dem Ausland importiert wurden. Der Fall in Sachsen ist nun die erste WNV-Erkrankung eines Menschen durch Mücken in Deutschland. In der Region hatte das FLI bereits West-Nil-Fälle bei Vögeln und Pferden festgestellt.

Da die Zahl der Mücken im Herbst zurückgehe, nehme das Risiko für weitere Fälle derzeit ab, betonte RKI-Präsident Lothar H. Wieler. „In den kommenden Sommern müssen wir jedoch mit weiteren West-Nil-Virus-Infektionen rechnen“, so Wieler.

Wie kann man sich vor einer Infektion schützen?

Da es weder Impfung noch Therapie gibt, ist der einzige Schutz der vor Mücken. Das gilt auch für Reisen in Länder wie Griechenland, Italien und Serbien. Auch aus anderen Ländern wie Rumänien, dem Kosovo und Ungarn wurden bestätigte Fälle von West-Nil-Fieber gemeldet. Das Auswärtige Amt stellt online ein Merkblatt zum West-Nil-Virus zur Verfügung.