Mixgetränke

Leckere Cocktails: So schmeckt die Fußball-EM noch besser

| Lesedauer: 8 Minuten
Anne-Kathrin Neuberg-Vural
Bartender Arnd Heißen serviert seinen EM-Drink „Euphoria“.

Bartender Arnd Heißen serviert seinen EM-Drink „Euphoria“.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Belebend oder überraschend – welche Drinks Bartender Arnd Heißen für den Fußballabend empfiehlt. Und was man beim Mixen beachten muss.

Berlin. Arnd Heißen ist mehrfach ausgezeichneter Bartender. Lange Zeit war er Barmanager im Ritz-Carlton Berlin – mit einer der besten Hotelbars der Welt. Heißen gilt als Pionier in seiner Branche, auch wegen seiner Parfüm-­Cocktail-Kreationen – Drinks, die so schmecken, wie die Lieblingsdüfte seiner Gäste riechen. Im September wird im Kaisersaal in Berlin seine neue Wirkungsstätte eröffnet.

Für uns hat Arnd Heißen vier Drinks zusammengestellt, die nicht nur fantastisch schmecken und riechen, sondern auch perfekt zur Fußball-EM passen. Droht das Spiel einzuschlafen, genau wie man selbst, geben sie einem den entsprechenden Kick. Andere beruhigen, wenn die Nerven vor Aufregung blank liegen. Zu den alkoholfreien Varianten gibt es bei Bedarf eine passende Spirituose. Und das Beste: Sie sind für Laien zu Hause leicht nachzumixen.

Doch warum überhaupt Mixen? Das klassische Getränk zum Fußballgucken ist für viele Menschen immer noch das Bier. „Das will ich auch niemandem nehmen. Aber Bier steht ja hauptsächlich für Entspannung“, erklärt Heißen. „Und diesen Effekt kann man mit einem guten alkoholfreien Drink genauso bewirken. Und am Ende hat man statt eines Brummschädels sogar noch eine gesunde Wirkung.“

Guter Tee ist geschmacklich komplex und hat viel Power

Arnd Heißen hat in seiner beruflichen Laufbahn schon mit vielen Komponenten gearbeitet, hat die Welt bereist, um neue Produkte kennenzulernen und sich inspirieren zu lassen. Gerade Tee hat er dabei schätzen und lieben gelernt – auch wenn man diese eigentlich nicht mit Bars und Cocktails in Verbindung bringt.

„Ein guter Tee ist die perfekte Alternative zum Alkohol: Er ist geschmacklich komplex und gibt dem Drink langfristig Power“, so der 38-Jährige. Tees seien außerdem die perfekte Ergänzung, wenn man einen Drink mit wenig Alkohol haben möchte. „Das ist ja auch momentan superangesagt – lieber eine hochwertige, leckere Spirituose im Drink, die etwas mehr kostet. Dafür nutzt man davon einfach etwas weniger und genießt.“

In teures Bar-Equipment, etwa einen Cocktail-Shaker, braucht man laut Heißen nicht viel zu investieren: „Eine einfache Teekanne tut es auch.“ Hier werden die Zutaten – am besten direkt abgekühlt aus dem Kühlschrank – nach und nach eingefüllt und vermengt.

Im Anschluss wird die Kanne bis zum Rand mit Volleiswürfeln gefüllt und ordentlich umgerührt. „Die Kanne hat den Vorteil, dass sie das Eis beim Einschenken direkt zurückhält“, erklärt Heißen. Danach sollten die Drinks am besten direkt serviert werden. „Werden sie warm, schmeckt es schnell abgestanden.“

„Ich bin selbst großer Fußballfan“

Für den renommierten Bartender gibt es für jede Situation den passenden Drink – auch zur EM. „Ich bin selbst großer Fußballfan. Und da ich im letzten Jahr pandemiebedingt viel Zeit hatte, konnte ich auch samstagabends mal Fußball schauen – und mich durch die Atmosphäre inspirieren lassen.“ Sonst sei das in seinem Beruf kaum möglich.

„Zu den Deutschland-Spielen empfehle ich unbedingt den Drink ‚Euphoria‘“, so Heißen. „Der Jasmintee gibt ihm eine florale Note, die perfekt in den Sommer passt.“ In Ergänzung mit der Grapefruit wirke der Drink hoch euphorisierend. Bräuchte es mehr Stärke, eine Prise Pfeffer über den Drink geben. „Durch die Abwechslung und das perfekte Zusammenspiel der Aromen ist das der Drink, der unsere Mannschaft am Ende doch noch bis ins EM-Finale führt.“

Euphoria

  • 40 ml Jasmintee
  • 20 ml Johannisbeernektar
  • Grapefruitlimonade
  • ggf. Birnenbrand
  • Tee nach dem Brühen gut abkühlen lassen – falls Zeit, gerne im Kühlschrank über Nacht. Nektar hinzugeben, in eine Kanne auf Eis rühren. Danach in ein Glas abseihen und mit Grapefruitlimonade auffüllen.

Auch der „Orange Blossom“ passe perfekt zur EM. Heißen nennt ihn den Drink fürs Gefühl. „Er ist durch das Vitamin C im Orangensaft einerseits sehr belebend, andererseits aber auch sehr sinnlich.“ Dadurch sensibilisiere er beim Fußballschauen für feine Pässe.

Orange Blossom

  • 80 ml frischer Orangensaft
  • 40 ml Jasmintee
  • 30 ml Avaa-Verjus
  • 20 ml Vanille-Jasmin-Sirup (5 Tropfen natürliches ätherisches Jasminöl (100 ­%) in 1 Liter Vanillesirup geben)
  • ggf. 20 ml Sloe-Gin ­(Schlehenlikör)
  • Zutaten in Shaker oder Kanne geben und auf Eis shaken oder rühren. Auf Eis abseihen.

Der „Golden Oolong“ sei dagegen perfekt für die späten Abendspiele. „Er steht für Kraft“, erklärt Heißen. Außerdem wirkt Kurkuma verdauungsfördernd. Und auch das kann nicht schaden, denn langes Sitzen ist eigentlich eine Zumutung für Magen und Darm.

Golden Oolong

  • 60 ml Milky-Oolong-Tee
  • 5 ml Honig
  • 2 Tl Kurkuma-Shot
  • ggf. vollmundiger Rum
  • Alles zusammen erhitzen und ziehen lassen. Danach in der Teekanne auf Eis runterkühlen. Drink abseihen und für die Optik in ein Teeglas gießen– ein Cocktailglas geht auch.

Ausgefallen und hochprozentig wird es mit dem „Matcha-Mate“. Er bringe den Körper ins Gleichgewicht. „Beim Fußballgucken werden ja gerne Chips gegessen“, so Heißen. Die Säure, die dadurch im Körper entsteht, könnte durch die Antioxidantien der Matcha-Komponente etwas abgebaut werden.

Matcha-Mate

  • 20 ml Marillenbrand
  • 10 ml Amabuki-Kyoto-Ma­tcha-Sake
  • 5 ml Mategeist
  • 5 ml Weizengrasgeist
  • 10 ml Avaa-Verjus
  • 5 ml Honig-Vanille-Sirup
  • Zutaten in Shaker oder Kanne geben und auf Eis shaken oder rühren. Auf Eis abseihen.


Was man beim Mixen beachten sollte

Mit einem guten Drink ist es wie mit gutem Essen: „Je frischer und hochwertiger die Zutaten, desto besser schmeckt es auch“, betont Arnd Heißen. Einfach den billigsten Saft aus der Packung zu nehmen, davon rät er ab. „Als Faustregel gilt: Je weniger zugesetzter Zucker, desto besser – idealerweise ohne.“ Dasselbe gelte für Limonaden oder Bitter. „Der Zucker schlägt die anderen Aromen oft einfach kaputt.“

Das Gleichgewicht und Zusammenspiel der Aromen ist auch der Grund, warum man sich an Rezepturen halten sollte. „Beispielsweise schon ein Teelöffel Kurkuma zu viel kann den ganzen Drink kaputtmachen“, warnt Heißen.

Füllt man Drinks mit sprudelnden Limonaden auf, wie beim „Euphoria“ sollte man diese über die Rückseite eines Ess- oder Langstiellöffels ins Glas fließen lassen, erklärt der Bartender. Das sei eine günstige Alternative zum gedrehten Barlöffel und verhinderte, dass zu viel Kohlensäure beim Einschenken verloren geht.

Aufs richtige Eis kommt’s an

Beim Eis sollte man nicht geizen. „Viel hilft viel. Je kälter der Dink, desto besser“, meint der Profi. Wichtig ist dabei auch, das richtige Eis zu wählen. Denn: Nicht jedes Eis ist für jeden Drink geeignet. In erster Linie geht es um die Form, sagt Bartender Heißen.

„Nehmen wir beispielsweise die Eiswürfel, die an einen Zuckerhut erinnern,“ so Heißen. „Das ist eigentlich ein sehr schlechtes Eis, weil es sofort schmilzt.“ Bei einem sehr süßen Drink könne das wiederum von Vorteil sein. Durch das Schmelzwasser wird dieser quasi verdünnt und so weniger pappig.

Für hochwertige Spirituosen – etwa guten Whiskey oder Rum – empfiehlt der Profi eine große Eiskugel. Entsprechende Silikonformen gebe es mittlerweile im Handel für kleines Geld. Die Kugel hat im Vergleich zu einem Würfel eine kleinere Oberfläche. „Dadurch schmilzt die Eiskugel viel langsamer, kühlt somit länger und verwässert das Getränk weniger schnell“, sagt Heißen.

Um Cocktails zu mixen, greift der Bartender zu Volleiswürfeln. „Die bekommt man – doppelt gefrostet – an fast jeder Tankstelle“, so Heißen. „Gibt man sie zu Hause in die Gefriertruhe, hat man das perfekte Eis.“ Oft sei es sogar besser als das Eis, was man in vielen Bars bekommt.

„Bei unseren Drinks würde ich das Eis jedoch nur zum Herunterkühlen beim Mixen verwenden und dann abseihen – das Eis also beim Einschenken im Mixbehälter zurückhalten.“ Beim Glas rät Heißen zur durchsichtigen Variante. „Die falsche Farbe kann einen Drink schnell unappetitlich aussehen lassen.“

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