Milliarden-Plus

Rentenversicherung meldet Rekordreserven und warnt Politik

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Christoph Rybarczyk

Beiträge können weiter sinken - wenn die Koalition nicht in die Rentenkasse greift. Rentner können mit gut zwei Prozent mehr im Jahr 2014 rechnen. Kontroverse zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaftsbund.

Würzburg. Durch die gute Konjunktur in Deutschland ist die Reserve der Rentenversicherung auf ein Rekordhoch gewachsen. Die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage beträgt 29,5 Milliarden Euro, das entspricht dem 1,7-Fachen einer Monatsausgabe. Im laufenden Jahr kann das sogar auf das 1,75-Fache anwachsen.

Zuletzt war eine so hohe Reserve 1993 zu vermelden, sagte Alexander Gunkel, Vorstandsvorsitzender der Rentenversicherung und Arbeitgebervertreter.

Über die Höhe der Rentensteigerung im Juli 2014 wollte Gunkel nicht spekulieren. Aber der Rentenbericht der Bundesregierung geht von 2 bis 2,5 Prozent aus. „Das ist realistisch“, sagte Gunkel. Zuletzt stiegen die Renten im Osten um gut drei Prozent, im Westen nur um 0,25 Prozent. Experten gehen davon aus, dass diese Annahme für 2014 sehr konservativ gerechnet ist. Vermutlich können die Renten noch höher steigen. Hintergrund sind die stark gestiegenen Löhne, und im nächsten Jahr soll es weitere Lohnsteigerungen, mehr Beitragszahler und weniger Arbeitslose geben.

Der Präsident der Deutschen Rentenversicherung, Herbert Rische, rechnete aber auch vor, dass die Pläne vor allem der Union für eine Ausweitung der Mütterrente zu einer Belastung der Beitragszahler führen würden. Normalerweise würde der Rentenbeitrag von derzeit 18,9 Prozent vom Monatsbrutto wegen der Rekordzahlen sogar auf 18,3 Prozent sinken können. Bekommen Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, aber demnächst zwei oder drei statt bislang ein Jahr für die Rente angerechnet, würde der Beitrag steigen und schon 2016 wieder nahe 20 Prozent liegen.

Klare Ansage an Union und SPD

Eine Kontroverse entwickelte sich beim Seminar der Rentenversicherung in Würzburg zwischen Arbeitgebervertreter Gunkel und der Vize-Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Annelie Buntenbach. Während Gunkel die Auffassung vertrat, die Beiträge müssten gesenkt werden, um Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu entlasten, sagte Buntenbach, die Reserve solle weiter steigen dürfen. Dadurch solle ein Polster aufgebaut werden. Bislang müssen die Beiträge automatisch sinken, wenn die Reserven das 1,5-Fache einer Monatsausgabe erreicht haben.

Buntenbach war aber wie Gunkel der Meinung, dass höhere Mütterrenten aus zusätzlichen Steuermitteln kommen müssten. „Es kann nicht sein, dass allein die Beitragszahler die Mütterrente zahlen.“ Das war eine klare Ansage an die künftigen Koalitionspartner von Union und SPD.

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