Porträt

Angela Merkel: Pfarrertochter aus Hamburg, Physikerin, Kanzlerin

Sie war die erste Frau und die erste Ostdeutsche als Regierungschefin. In der neuen Bundesregierung zieht Angela Merkel wieder die Fäden.

Berlin/Hamburg. Merkel wurde am 17. Juli 1954 im Elim-Krankenhaus in Hamburg-Eimsbüttel geboren Sie wuchs als Tochter eines Pfarrers und einer Lehrerin vor allem in der Uckermark nordöstlich von Berlin auf. Nach Hamburg kam sie in ihrer Kindheit häufiger zu Verwandten zurück. Die DDR prägte die ersten 35 Jahre von Merkels Leben. Aufgrund ihrer Begabung konnte sie in Leipzig Physik studieren und später an der Akademie der Wissenschaften arbeiten, wo sie ihren zweiten Ehemann Joachim Sauer kennenlernte. Ihre erste Ehe mit Ulrich Merkel wurde 1982 nach fünf Jahren geschieden. Seit Dezember 1998 ist Merkel mit Sauer verheiratet.

Nach der Wende schloss sich Merkel dem Demokratischen Aufbruch an, der später in der CDU aufging. Als Vize-Regierungssprecherin geriet sie ins Blickfeld Kohls, der sie nach der Vereinigung zuerst als Bundesministerin für Frauen und Jugend sowie dann als Umweltministerin in seine Kabinette berief. Nach der Wahlniederlage Kohls wurde sie 1998 CDU-Generalsekretärin und in der Zeit der CDU-Spendenkrise zur Leitfigur für einen Neuanfang der Partei – auch weil sie sich als Erste öffentlich vom System Kohl distanziert hatte. Im April 2000 wurde Merkel zur ersten weiblichen Vorsitzenden der CDU gewählt.

2002 verlor Merkel den unionsinternen Machtkampf um die Kanzlerkandidatur gegen Edmund Stoiber (CSU), wurde jedoch drei Jahre später zur Spitzenkandidatin der Union ausgerufen, als Kanzler Schröder eine vorgezogene Neuwahl durchgesetzt hatte. Er sah keinen Rückhalt mehr in seiner SPD. Seit November 2005 ist Merkel erste Bundeskanzlerin Deutschlands. Die Große Koalition wollte sie nicht, lernte sie aber zu akzeptieren und vor allem: als Regierungschefin zu managen. Jetzt kann sie in ihrer Wunsch-Koalition mit der FDP zusammenarbeiten.

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