20 Jahre Deutsche Einheit

Der Osten holt nach 20 Jahren immer noch auf

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Das Einkommen ist niedriger als im Westen, die Arbeitslosigkeit höher. Die Zahlen des Statistisches Bundesamtes zu 20 Jahren Einheit.

Hamburg. 20 Jahre Einheit - das sind 20 Jahre Überwindung der Teilung, 20 Jahre des Zusammenwachsens der Gesellschaft, aber auch 20 Jahre nachwirkende Unterschiede zwischen Ost und West. Das vereinte Deutschland ist zwar erwachsen. Doch zur Angleichung der Lebensverhältnisse "gibt es noch eine Menge zu tun", sagte der Präsident des deutschen Statistikamtes bei der Vorstellung des Jahrbuches 2010, das in einem Sonderteil "Wunsch und Wirklichkeit zum Stand der Einheit" bilanziert. Die wichtigsten Fakten:

Bevölkerung

In Deutschland lebten 2008 insgesamt 82 Millionen Menschen, davon 13 Millionen in den neuen Ländern, 65,5 Millionen im früheren Bundesgebiet und 3,4 Millionen in Berlin. Das waren im Osten 1,7 Millionen Menschen weniger als 1990. Grund sind Abwanderungen und ein Geburtenrückgang.

Geburten

In den alten Ländern ohne Westberlin lag das Geburtenniveau 2008 um 22 Prozent unter dem von 1990, in den neuen Ländern ohne Ostberlin waren es jedoch 38 Prozent weniger.

Altersentwicklung

Schon heute liegt der Altersdurchschnitt in Deutschland bei 43,2 Jahren und damit über dem Durchschnitt in der EU. Dabei sind die Ostdeutschen mit 45,4 Jahren bereits deutlich älter als die Westdeutschen mit durchschnittlich 42,8 Jahren.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung steigt bundesweit. Doch während Frauen in West und Ost dabei inzwischen mit 82,5 und 82,2 Jahren nahezu gleichauf liegen, scheinen die ostdeutschen Männer bislang abgehängt: Heute in Ostdeutschland geborene Jungen kommen durchschnittlich auf 76,1 Lebensjahre, im früheren Bundesgebiet dagegen immerhin auf 77,4 Jahre.

Einkommen

Während Ostdeutsche 1991 nur 47 Prozent des Westniveaus verdienten, betrug das Einkommen fünf Jahre später 73 Prozent. Dann stagnierte die Entwicklung. 2009 wurden auch nur 77 Prozent des Westenniveaus erreicht - obwohl heute kaum noch Tarifverträge eine unterschiedliche Bezahlung zwischen den Regionen vorsehen.

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit lag seit der Wende im Osten immer erheblich über der im Westen. 2009 war die Quote mit 12,6 Prozent fast doppelt so hoch wie im Westen (6,4 Prozent). Die neuen Länder inklusive Berlin weisen allesamt zweistellige Quoten auf. Das ist in keinem der westlichen Länder der Fall.

Hartz IV

Der Anteil der Hartz-IV-Empfänger ist in den neuen Ländern mit 17,2 Prozent rund doppelt so hoch wie im Westen mit 8,4 Prozent.

Familien

Familien werden in Deutschland immer kleiner. Zwar war 2009 der Anteil von Ein-Kind-Familien im früheren Bundesgebiet mit 39 Prozent genauso hoch wie 1996. In den neuen Ländern erhöhte sich der Anteil jedoch von 45 auf 52 Prozent. Die meisten Kinder wachsen in Familien mit verheirateten Eltern auf.

Konsumverhalten

Das Konsumverhalten ist in Ost und West nahezu identisch. Die Hälfte ihrer Konsumausgaben verwendeten private Haushalte für die Grundbedürfnisse Wohnung, Nahrung und Bekleidung. Mobilität schlug in beiden Teilen Deutschlands mit 15 Prozent zu Buche, gefolgt von den Ausgaben für Freizeit, Unterhaltung und Kultur. Je fünf Prozent entfallen auf Restaurantbesuche und die Anschaffung von Wohnungseinrichtung.

Gebrauchsgüter

1993 hatte nur die Hälfte der Haushalte in den neuen Ländern einen Telefonanschluss. Heute hat fast jeder Deutsche einen Anschluss. Auch Handys, MP3-Player und Flachbildschirme gibt es in Ost und West zu gleichen Teilen.