ARD-Umfrage

Deutsche glauben: „Merkel hat die Regierung nicht mehr im Griff"

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Christoph Rybarczyk

Foto: AFP

Es ist ein verheerendes Ergebnis für die Bundeskanzlerin. Merkels Popularität schwindet. Und ihre Reise zur Fußball-WM wird heftig kritisiert.

Berlin. Drei von vier Deutschen glauben nicht mehr daran, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die Regierung im Griff hat. Das ist das alarmierende Ergebnis einer neuen Umfrage von ARD und Infratest dimap. Auch die Popularitätswerte von Merkel rauschen in den Keller. Auch wenn in der neuen Umfrage die Wahl von Christian Wulff im Vordergrund steht, ist die Meinung der Bürger über die schwarz-gelbe Koalition und ihre Vorarbeiterin verheerend.

Unterdessen nimmt auch die Kritik an der Reise von Merkel nach Südafrika zum WM-Viertelfinale der deutschen Nationalelf zu. Der Bund der Steuerzahler (BdSt) forderte von der Kanzlerin, auf die Teilnahme verzichten. „Ein solcher Flug in der momentanen Situation wäre ein völlig falsches Signal“, sagte der Präsident des Steuerzahlerbundes, Karl Heinz Däke, der „Passauer Neuen Presse“. Diese Reise sei ein Unding.

Däke sagte, eine Flugstunde mit einer Regierungsmaschine koste deutlich mehr als 10.000 Euro. „Es kann nicht sein, dass man für den Besuch eines Viertelfinales so mit Steuergeldern umgeht“, monierte der BdSt-Präsident. Auch die Grünen sprachen sich aus Kostengründen gegen die Teilnahme am WM-Viertelfinale aus und lehnten eine Reise-Einladung Merkels ab. „Wir setzen auf Sieg und nicht auf ein Ausscheiden bereits im Viertelfinale, weshalb wir Ihre Einladung leider ablehnen müssen“, heißt es in dem Brief der Vorsitzenden der grünen Bundestagsfraktion, Renate Künast und Jürgen Trittin, aus dem die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert. Die Nationalmannschaft habe noch das Halbfinale und das Endspiel vor sich.

68 Prozent finden es eine „Blamage für Angela Merkel, dass Wulff so viele Stimmen aus dem eigenen Lager nicht bekommen hat“. 77 Prozent denken, dass „Angela Merkel ihre Regierungskoalition nicht mehr richtig im Griff hat“. An der Spitze der Beliebtheitsliste bleibt Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Mit seiner Arbeit sind 70 Prozent der Deutschen zufrieden. Auf Platz zwei folgt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU, 60 Prozent vor Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU, 54 Prozent).

Merkel liegt mit einer Zustimmung von 43 Prozent sogar hinter SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier (53 Prozent), der in einem Monat zehn Punkte aufgeholt hat. SPD-Chef Sigmar Gabriel holte ebenfalls auf und liegt bei 46 Prozent. FDP-Chef Guido Westerwelle hat nicht einmal die Hälfte an Beliebtheit: 22 Prozent.

Der neue Bundespräsident Wulff ist für 58 Prozent „der richtige Kandidat“. Nur 35 Prozent finden, dass „Joachim Gauck der bessere Präsident gewesen wäre“. 82 Prozent halten ihn für sympathisch, 74 Prozent für glaubwürdig und 66 Prozent für volksnah.

In der Sonntagsfrage kommt die Union auf 33 Prozent, die SPD landet bei 30 Prozent. Dies ist der beste Wert für die SPD seit Februar 2008. Die FDP liegt unverändert bei 5 Prozent, die Grünen erreichen wieder 17 Prozent. Die Linke verliert einen Punkt und kommt auf zehn Prozent. Eine rot-grüne Mehrheit in den Umfragen rückt damit immer näher.

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