Stuttgart 21

Polizei-Präsident: "Wir haben keine großen Fehler gemacht"

Unter dem Einsatz von 2200 Beamten aus dem ganzen Bundesgebiet wurde am Morgen das Protestcamp vor dem Stuttgarter Hauptbahnhofs geräumt.

Stuttgart. Der Ärger um das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 dauert an: Am frühen Freitagmorgen räumte die Polizei zwar relativ geräuschlos ein Protestcamp vor dem Bahnhof der baden-württembergischen Landeshauptstadt, doch am großspurigen Einsatz üben die Ordnungshüter selbst Kritik.

So bemängelt der Stuttgarter Polizeipräsident Thomas Züfle die Bauarbeiten-Planungen der Bahn. Es sei "keine gute Lösung“, dass die Polizei nun noch zu einem zweiten Großeinsatz im Stuttgarter Schlossgarten anrücken müsse, sagte Züfle am Freitag in Stuttgart. Das sei weder effizient noch wirtschaftlich.

Die Polizei hatte in der Nacht zum Freitag das Gebiet vor dem Südflügel des Hauptbahnhofs geräumt. Der Flügel soll in den nächsten Wochen abgerissen werden. Ursprünglich sollten zeitnah auch die Bäume im Schlossgarten fallen. Dafür fehlt der Bahn aber noch immer die Genehmigung. Sollte es in den nächsten Tagen grünes Licht geben, müsse die Polizei erneut tausende Beamte mobilisieren - auch aus anderen Bundesländern, sagte Züfle.

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Der Polizeipräsident zeigte sich zufrieden mit dem Einsatz in der Nacht. "Ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube, dass ich erleichtert bin, dass der Einsatz so ruhig abgelaufen ist.“ Der Einsatzleiter Norbert Walz berichtete, dass 79 Demonstranten einen Platzverweis erhalten hätten. 27 S21-Gegner mussten weggetragen werden. "Der Einsatz ist abgelaufen, wie wir ihn geplant hatten.“ Die Lage sei insgesamt wenig angespannt gewesen. Züfle erklärte, dies habe auch damit zu tun, dass die Polizei sich "berechenbar“ gemacht habe. Die Demonstranten hätten genau gewusst, was auf sie zukommt. "Wir haben keine großen Fehler gemacht“, bilanzierte der Präsident.

Nach Angaben der Polizei waren insgesamt 2200 Polizisten im Einsatz, darunter 700 Polizisten aus Baden-Württemberg, 1000 Polizisten aus anderen Bundesländern und 500 Bundespolizisten.

Mit Material von dpa und dapd