Rechtsextremistischer Terror

Verfassungsschutz überprüft Kontakte Hamburger Neonazis

Kader aus der Hansestadt hatten Kontakt zum Umfeld der rechtsterroristischen Zwickauer Zelle. Was wussten Christian Worch und Thomas Wulff?

Hamburg. Bei den Ermittlungen zu den rassistischen Morden , mutmaßlich begangen durch das rechtsterroristische Trio der sogenannten Zwickauer Zelle, hat der Hamburger Verfassungsschutz die Kontakte von etwa 40 Personen aus dem Bundesgebiet zu Hamburger Neonazis überprüft. Zu den 40 Verdächtigen gehören neben den drei Mitgliedern des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) auch verdächtigte oder bereits beschuldigte Mitwisser sowie Kontaktpersonen aus dem Umfeld des kriminellen Trios.

"Bei einem kleinen Teil dieser 40 Personen haben wir festgestellt, dass es Kontakte zu führenden Aktivisten der Hamburger Neonazi-Szene gegeben hat", sagte der Leiter des Hamburger Verfassungsschutzes, Manfred Murck, dem Abendblatt. Murck stellte jedoch klar: Hamburger Neonazis seien nach aktuellem Kenntnisstand weder Mitwisser der Morde gewesen noch hätten sie direkte Beziehungen zum Terror-Trio oder Personen aus deren Umfeld gehabt. Keiner der Rechtsextremen aus Hamburg soll Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt oder Beate Zschäpe persönlich gekannt haben.

Einige Kader aus Hamburg seien auf denselben Demonstrationen gewesen, auf denen auch Personen aus dem Umfeld des Trios mitmarschiert seien. Diese indirekten Kontakte würden sich auf die späten 90er-Jahre und die ersten Jahre ab 2000 konzentrieren, sagte Murck. Namen und weitere Details wollte der Verfassungsschützer aufgrund laufender Ermittlungen nicht nennen. Zu den bekannten Kadern der Neonazi-Szene aus Hamburg gehörten Ende der 1990er-Jahre etwa Christian Worch und Thomas Wulff. Letzterer war 2005 Referent von NPD-Chef Voigt im Parteivorstand.

+++ Hamburger Unternehmer: "Sind die Behörden auf dem rechten Auge blind?" +++

Scheibchenweise dringen nun auch weitere Informationen über die Zwickauer Zelle in die Öffentlichkeit. So soll die mutmaßliche Terroristin Beate Zschäpe nach Medienberichten einen schwer bewachten Rocker-Prozess in Erfurt besucht haben. Bei dem Gerichtsverfahren 2010 gegen Angehörige der Rockergruppe Bandidos gab es ein großes Polizeiaufgebot, auch die Zuschauer wurden kontrolliert. Es gibt laut Thüringens Justizminister Holger Poppenhäger (SPD) Hinweise, dass Zschäpe sogar im Publikum gesessen habe. Es sei allerdings schwierig, dies endgültig nachzuweisen.

Mit den Pannen der Sicherheitsbehörden bei den Ermittlungen gegen die Neonazi-Mörder wird sich aller Voraussicht nach ein Bundestags-Untersuchungsausschuss beschäftigen. Nach Grünen und Linken hat sich auch die SPD dafür ausgesprochen.