Studie

"Mutti" und "listige Witwe" – Spitzenfrauen in den Medien

Foto: AP

In Wirtschaft und Wissenschaft dominieren Männer. In der Politikberichterstattung kommt eine Frau überproportional häufig vor.

Berlin. Über Frauen wird nach einer Uni-Studie in deutschen Medien deutlich seltener berichtet als über Männer. Das mediale Bild der Wirtschaft dominierten zu 95 Prozent Männer, heißt es in der Untersuchung der Freien Universität Berlin (FU) und der Leuphana Universität Lüneburg. Mit einem mageren 12-Prozent-Anteil stünden auch Wissenschaftlerinnen ebenfalls deutlich im Schatten ihrer Kollegen. Am häufigsten würden mit 20 Prozent noch Politikerinnen erwähnt. Doch viele Nennungen in der Spitzenpolitik gingen allein auf das Konto von Angela Merkel(CDU) als Bundeskanzlerin.

Für ihre Untersuchung sichteten die Forscherinnen Medien aus dem Jahr 2008. In vielen Zeitungen und Magazinen stünden Politikerinnen als „Powerfrau“ oder „Mutti“ Kollegen gegenüber, die als „Kämpfer“, „Alphatier“ oder „Held“ tituliert würden, berichteten die Wissenschaftlerinnen. In der Wirtschaftsberichterstattung würden Frauen „listige Witwe“ oder „femme fatale“ genannt, während Männer als „Managerdenkmal“, „Leitwolf“ oder „Gebieter“ daherkämen.

Außerdem hafte Frauen in Spitzenpositionen noch immer etwas Exotisches an, während hohe Ämter bei Männern als Normalzustand gelten würden.

In den Medien würden Frauen aber auch oft als kompetente, aktive und handlungsmächtige Menschen charakterisiert. Verniedlichungen oder Abwertungen seien selten. „Eine Unternehmerin im Abendkleid hat bei Erwähnungen aber immer noch bessere Chancen als im Hosenanzug bei der Arbeit“, fasst Kommunikationswissenschaftlerin Margreth Lünenborg (FU) ein Ergebnis zusammen. Sie hatte die Studie gemeinsam mit den Medienwissenschaftlerinnen Prof. Jutta Röser (Lüneburg) und Prof. Elke Grittmann (Augsburg) durchgeführt.

Den Ruf nach einer Frauenquote, wie sie zur Zeit verstärkt für Führungspositionen in der Wirtschaft diskutiert wird, halten Politikerinnen wie Renate Künast, Vorsitzende der Grünen- Bundestagsfraktion, deshalb für überfällig. Sie forderte 40 Prozent Frauenquote für Aufsichtsräte. Frauen würden auch bei gleichem Erfolg immer noch weniger wahrgenommen als Männer, ergänzte Künast. Alte Stereotype wirkten fort. „Man braucht immer noch zwei Gockel, die über den Hühnerhof laufen“, sagte sie.