Entwicklung der Renten

Rentnern drohen mindestens zwei Nullrunden

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Christoph Rybarczyk

Schlechte Nachrichten für die Rentner: Auf eine Steigerung ihrer Bezüge werden sie in den nächsten Jahren verzichten müssen.

Würzburg. Der Rentenkasse droht im kommenden Jahr ein Loch. Nach der komplizierten Rentenmathematik müssten die Renten sinken; im Westen um minus 1,8 und im Osten um minus 2,8 Prozent. Das wird 2010 jedoch die noch von der Großen Koalition beschlossene Rentengarantie zum ersten Mal verhindern. Eine gute Nachricht mit schwerwiegenden Folgen. Mit nennenswerten Rentensteigerungen ist bis voraussichtlich 2016 nicht mehr zu rechnen. Deutschlands Ruheständlern erleiden 2010 und 2011 zwei Nullrunden. Es könnten sogar mehr werden.

Hintergrund: Gesetzliche Rente ist sichere Form der Altersvorsorge

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung, Alexander Gunkel, sagte bei einem Seminar in Würzburg, die Durchschnittslöhne würden 2009 um 0,5 Prozent zurückgehen. Vor allem die Kurzarbeit habe aber dazu geführt, dass die Einnahmen der Rentenversicherung in diesem Jahr (238,9 Milliarden Euro) „nur“ 100 Millionen unter den Ausgaben liegen werden. Die düsteren Prognosen sogenannter Rentenexperten und ihre Panikmache wies der Arbeitgebervertreter Gunkel zurück: „Es lässt sich mit Fug und Recht sagen, dass die Rentenversicherung von der Finanzmarktkrise unberührt geblieben ist.“ Der Wirtschaftskrise mit steigender Arbeitslosigkeit und sinkenden Löhnen könne man sich nicht entziehen. Aber: „Die gesetzliche Rentenversicherung zeigt sich nahezu unbeeindruckt.“

Weil die eisernen Reserven der Rentenkasse komfortabel sind, bleibt der Beitragssatz von 19,9 Prozent vom Bruttoeinkommen voraussichtlich stabil. Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich die Beiträge je zur Hälfte. Diese Botschaft werden beide Seiten gerne hören. Allerdings schmilzt das Finanzpolster der Rentenversicherung (Nachhaltigkeitsrücklage). Und auch die zukünftigen Rentner müssen sich darauf einstellen, dass sie als Ruheständler netto weniger als 50 Prozent dessen haben werden, was sie als Arbeitnehmer verdienten. Derzeit beträgt das Rentenniveau 52 Prozent vom letzten Gehalt. Aber selbst bis 2020 sollen es nicht weniger als 46 Prozent werden. Mit einem Trick hatte die alte Bundesregierung den sogenannten Riester-Faktor zwei Jahre ausgesetzt, um die Renten höher steigen zu lassen als vorgesehen. 2010 jedoch rächt sich das. Dann wird der Riester-Faktor wieder eingerechnet.

Nach allen Prognosen der Experten dürften die Rentner 2010 im Juli nicht einen Euro zusätzlich bekommen. Und weil jede Rentengarantie zukünftige Rentensteigerungen auffrisst, wird es auch in den Jahren danach mau aussehen mit Rentensteigerungen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht darin eine „schlechte Nachricht“ für Jüngere und künftige Rentner, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. „Die Nullrunden sind nicht krisenbedingt“, kritisierte Buntenbach. Heißt: Die alte Bundesregierung hat mit Formeltricks und Rentengarantie den Jüngeren eine Last auferlegt, um die derzeitigen Senioren zu schonen. Trotzdem glaubt Rentenversicherungsvorstand Gunkel: „Die gesetzliche Rentenversicherung hat sich gerade in dieser Phase wieder als besonders stabiles System der Alterssicherung bewährt.“ Und weil die Beiträge unter 20 Prozent bleiben und das Rentenniveau nicht dramatisch sinkt, sagt Gunkel: „Das ist eine gute Botschaft für die Rentner und Beitragszahler.“