Rassismusvorwürfe gegen Thilo Sarrazin

Sozialverband fordert Rücktritt von Bundesbankvorstand

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Nach seinen umstrittenen Äußerungen zu Ausländern verschärft sich die Kritik an Thilo Sarrazin. Forderungen nach seinem Rücktritt werden lauter.

Frankfurt/Main. Bundesbank-Präsident Axel Weber hat seinem Vorstandskollegen Thilo Sarrazin wegen dessen umstrittener Äußerungen über das Zuwanderermilieu Berlins Konsequenzen nahegelegt. „Es geht hier nicht um Personen“, sagte Weber am Samstag am Rande der IWF-Herbsttagung in Istanbul.


„Es geht um Institutionen. Die Bundesbank ist eine in Deutschland mit hohem Ansehen verbundene Institution“, betonte er. Jeder, der darin eine Funktion habe, müsse „sich seiner Verantwortung für diese Institution und für ihr entsprechendes Standing in der deutschen Öffentlichkeit bewusst sein“, fügte der Bundesbank-Präsident hinzu. Jeder müsse also „mit sich selbst ins Gericht gehen“, ob sein Handeln zur Förderung dieser Institution beitrage oder nicht.


Wegen seiner kritischen Äußerungen über türkische und arabische Einwanderer sieht sich Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin weiter mit Rücktrittsforderungen und Rassismusvorwürfen konfrontiert. Der Paritätische Gesamtverband und ein Zusammenschluss von 100 Migrantenorganisationen warfen dem SPD-Politiker jetzt veröffentlichten Schreiben vor, er habe „die Grenze zu rassistisch und sozialdarwinistischen Äußerungen erreicht, wenn nicht bereits überschritten“. In dem an Sarrazin gerichteten Brief riefen sie das Mitglied des Bundesbankvorstands auf, sein Amt „unverzüglich“ niederzulegen.

Auch der Vorsitzende der Kommission für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Alfred Buß, kritisierte Sarrazin und bezeichnete seine Äußerungen als überheblich. Es sei zwar nicht hilfreich, Probleme „politisch korrekt zu tabuisieren“. Aber es helfe noch viel weniger, Einwanderern die alleinige Schuld für misslungene Integration zuzuschieben, erklärte Buß auf der Website evangelisch.de. Es gebe zwar wachsende Unterschichten. Die Probleme dort seien jedoch nicht die bestimmter Volksgruppen, sondern hätten soziale Gründe wie Armut und Unwissen.

Der frühere Berliner SPD-Finanzsenator hatte in einem Interview mit der Zeitschrift „Lettre International“, vor allem Türken und Araber kritisiert. Ein großer Teil dieser Bevölkerungsgruppe, deren Zahl wegen einer falschen Politik angestiegen sei, sei „weder integrationswillig noch integrationsfähig“, sagte Sarrazin. Sie hätten „keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel“. Er fügte hinzu: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“ Dies gelte für 70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin. Die Lösung des Problems könne nur heißen: kein Zuzug mehr.

Der Autor Henryk M. Broder stellte sich hinter Sarrazins Äußerungen: „Sarrazin hat Recht, man könnte ihm allenfalls vorwerfen, dass er in seiner Analyse nicht weit genug geht“, so Broder. „Es ist der Sozialstaat, der mit den Problemen nicht fertig wird, die er selbst geschaffen hat.“ Wie in den meisten verfahrenen Situationen werde mit Sarrazin auch jetzt der Überbringer einer Botschaft bestraft, anstatt die Situation zu ändern. Auf dem Internetportal evangelisch.de schrieb Broder weiter: "Wer ab und zu einen der Berliner 'sozialen Brennpunkte' besucht, deren Einwohner vor allem von 'Transferleistungen' leben, weiß, dass Sarrazin die Wirklichkeit so beschreibt, wie sie ist und nicht, wie sie seit vielen Jahren dargestellt wird." Es handle sich nicht um „eine multikulturelle Idylle mit kleinen Schönheitsfehlern, die durch sozialtherapeutische Maßnahmen behoben werden kann“.

( (EPD) )

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