Gesundheit: Ärzte-Versorgung bei Privatpatienten am besten

Uni-Studie: Kassenpatienten warten dreimal so lange

Kölner Wissenschaftler erklären: An Privatpatienten verdienen Ärzte bis 35 Prozent mehr als bei der Behandlung gesetzlich Versicherter.

Hamburg. Ist Deutschland auf dem Weg zur Zwei-Klassen-Medizin? Einer gestern veröffentlichten Studie der Universität Köln zufolge müssen Kassenpatienten in Facharztpraxen durchschnittlich dreimal so lange auf einen Termin warten wie privat Versicherte. Die Ursache der Ungleichbehandlung ist für die Forscher eindeutig: Bei der Behandlung eines Privatpatienten verdienen die Ärzte 20 bis 35 Prozent mehr als bei der Behandlung gesetzlich Versicherter.

Den Nachweis der verlängerten Wartezeiten hatten Telefonanfragen bei 189 Praxen im Raum Köln/Bonn/Leverkusen ergeben, die Mitarbeiter des Kölner Uni-Instituts für Gesundheitsökonomie als Tester durchführten. Besonders gravierend waren Unterschiede bei Magenspiegelungen. So mussten Kassenpatienten im Schnitt 36,7 Tage auf eine Spiegelung warten, Privatpatienten nur 11,9 Tage. "Ich vermute, dass wir bei Erhebungen in Hamburg zu vergleichbaren Ergebnissen kommen", sagte der kommissarische Institutsleiter Markus Lüngen dem Abendblatt.

In der Tat müssen Kassenpatienten auch in der Hansestadt länger auf Facharzt-Termine warten. "Solche Beschwerden laufen hier auf", bestätigte Barbara Heidenreich, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung, dem Abendblatt. Es sei oft ein organisatorisches Problem: "Da es viel mehr Kassen- als Privatpatienten gibt, muss die eine Gruppe auch länger warten als die andere."

Auch die Bundesärztekammer räumte eine teils verzögerte Terminvergabe für gesetzlich Versicherte ein. Es komme zu diesen Wartezeiten, sagte Kammerpräsident Jörg-Dietrich Hoppe in Berlin. Oftmals seien die vorgegebenen Budgets vor Ende des Quartals ausgeschöpft. Es sei perfide, Ärzte für die Folgen staatlich vorgegebener Unterfinanzierung im Gesundheitswesen verantwortlich zu machen. Ausdrücklich betonte Hoppe, privat Versicherte und Kassenpatienten würden qualitativ gleich behandelt.

Krankenkassen wie die AOK oder die Barmer empfahlen den Versicherten, sich bei Problemen, einen dringend notwendigen Facharzttermin zu erhalten, sofort an ihre Krankenkassen wenden. Die gesetzlichen Krankenkassen wollen sich dann einschalten. In Ballungsgebieten mit zahlreichen Ärzten raten die Experten außerdem dazu, bei mehreren Praxen nach einem Termin zu fragen.&160;