Atomaufsicht: Neue Debatte um Ausstieg aus Kernkraft

Kieler Ministerin fordert umfassende Aufklärung

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KIEL/BERLIN/HAMBURG. Schleswig-Holstein hat eine umfassende Aufklärung der Störfälle in den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel gefordert. "Ich erwarte von den Betreibern, dass die Aufklärung über die Ursachen umfänglich, konsequent und abschließend erfolgen, bevor die Kernkraftwerke wieder ans Netz gehen", sagte die für die Atomaufsicht zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht. Sollte dies nicht geschehen, behalte sie sich vor, die Wiederaufnahme des Reaktorbetriebs in Krümmel und Brunsbüttel per atomaufsichtlicher Anordnung zu verhindern.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel wertete die Zwischenfälle als weiteren Beleg für die Notwendigkeit des Atomausstiegs. "Je länger ein Kraftwerk läuft, desto höher ist die Störanfälligkeit", sagte Gabriel. Er wies die Forderungen der Stromkonzerne nach einem Aufweichen des Atomausstiegs mit Hinweis auf die Sicherheit zurück.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace verwies darauf, dass der Siedewasserreaktor Krümmel besonders störanfällig sei. Das belegten rund 300 meldepflichtige Zwischenfälle seit der Inbetriebnahme 1983. Verschiedene Anti-Atom-Gruppen riefen für diesen Sonntag zu einer Kundgebung vor dem AKW Krümmel auf. Greenpeace-Experte Thomas Breuer forderte: "Da muss die Atomaufsicht noch einmal die Sicherheitskultur von Vattenfall und E.on in Deutschland überprüfen." Die Bundesregierung müsse die Energieversorgung auf nachhaltige Energien umstellen.

Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) sagte: "Wir halten nichts davon, jetzt wieder über Forderungen nach einem kurzfristigen Ausstieg aus der Kernkraft zu diskutieren." Ohne Kernkraftwerke könnten nicht die Ziele beim Klimaschutz erreicht und gleichzeitig eine ausreichende Energieversorgung sichergestellt werden. Der CDU-Umweltpolitiker Hartmut Engels sagte: "Wenn wir bis bis 2020 40 Prozent an CO2 einsparen wollen, muss die Menge an Atomstrom beibehalten werden."

Die Hamburger GAL forderte die Abschaltung der Reaktoren in Brunsbüttel und Krümmel. Wer wie Bürgermeister von Beust eine Verlängerung der Laufzeiten fordere, spiele mit der Sicherheit der Hamburgerinnen und Hamburger russisches Roulett, so der GAL-Umweltpolitiker Christian Maaß. Er verwies auch auf die Häufung von Pannen in den beiden Atomreaktoren. Im AKW Brunsbüttel sei es 2001 zu einer schweren Wasserstoffexplosion gekommen, die der Betreiber zunächst verharmlost habe. Das AKW sei weitgehend baugleich mit dem ebenfalls von Vattenfall betriebenen AKW im schwedischen Forsmark, das im Juli 2006 nach einem schweren Zwischenfall abgeschaltet werden musste. Trotz dieser Vorfälle habe Ole von Beust noch im März für eine Laufzeitverlängerung um fünf Jahre plädiert.

Die Hamburger SPD übte scharfe Kritin an Vattenfall. SPD-Umweltpolitikerin Monika Schaal sagte: "Es deutet immer mehr darauf hin, dass der Kurzschluss im AKW Brunsbüttel der Auslöser für den Brand in der Trafo-Station des AKW Krümmel war. Der erneute Zwischenfall lässt an der Zuverlässigkeit von Vattenfall Zweifel aufkommen", so Schaal. "Trotz der wiederholten Störungen im AKW Brunsbüttel wird Bürgermeister Ole von Beust nicht müde, die Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken zu fordern", sagte Schaal.

( jmw, HA )

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